Fast zweieinhalb Jahre war Bartek von den Orsons ein fester Bestandteil von Stadtkind. Jetzt verabschiedet er sich – natürlich mit einem Blick zurück.
Also gut, wir nähern uns dem Jahresende und das bedeutet natürlich auch: Umbruch, Neuausrichtung, Abschluss. Deshalb teile ich euch mit einem lachenden und einem weinenden Auge mit: Dies ist meine letzte Kolumne hier. Vielen Dank für die letzten zwei Jahre, in denen mir das Schreiben der Kolumne nicht nur zu neuen Sichtweisen und Blickwinkeln auf die Stadt Stuttgart verhalf, sondern mir auch manche Erkenntnisse über mich selbst lieferte.
In den zwei Jahren hat es am meisten Spaß gemacht, neue Cafés aufzusuchen, Restaurants oder Märkte und Konzerte zu besuchen, mit dem Wissen: darüber werde ich eine Kolumne schreiben. Mit Mama über den Cannstatter Wasen laufen und Foodtrends probieren, Wanderwege auf der Schwäbischen Alb erkunden, Kneipentouren durch verschiedene Viertel, Ausstellungsbesuche... alles kolumnisiert.
Geschärfter Blick für Stadt und Mensch
Die Kolumne war mir eine heitere Begleitung in so vielen Lebenslage, sowie in Kochfragen, Veranstaltungen und Trinkereien. Gerne übergebe ich dieses Zepter nun und hoffe , dass die Kolumne an sich weiterleben wird.
So eine Kolumne beginnt mit Neugier. Und zwar mit jener beharrlichen Neugier, die sich fragt: Was bedeutet das eigentlich? Warum reagiert die Stadt auf ein neues Festival, als wäre es ein unerwartetes Geschenk? Warum fühlt sich der Hans-im-Glück-Brunnen an bestimmten Abenden an wie ein pulsierender Organismus? Warum wirkt ein Ausflug mit der Zacke manchmal poetischer als jeder Theatermonolog?
Jeder Weg, den man zu Fuß geht, ist ein guter
Wer diese Fragen stellt, wird Stoff finden. Und wer danach sucht, wie man ihn so erzählt, dass andere darin sich selbst wiedererkennen, kommt dem Kern des Kolumnen Schreibens näher. Eine Kolumne ist kein Vortrag, sondern ein Angebot: Schau mal, so habe ich es gesehen. Willst du mitkommen?
So schlägt eine Kolumne auch jedes Mal eine Brücke zu anderen Stuttgarter:innen, die ebenso mit offenen Augen durch die verkehrsbehinderte Stadt spazieren, an Baustellen und Einbahnstraßen entlang.
Und schließlich ist da noch der Humor. Stuttgart kann streng wirken, manchmal sogar ein wenig selbstverliebt. Aber wer sich traut, die Stadt liebevoll auf die Schippe zu nehmen, entdeckt plötzlich eine Leichtigkeit, die ihr gut steht. Humor macht aus einer Beobachtung ein Erlebnis. Ohne ihn wäre jede Kolumne nur ein Kommentar.
Die eigene Stimme hören – und der Kessel antwortet
Und ob man schon lange Geplantes mit sich herumführt und über Wochen hinweg Ideen sammelt, die man dann, wenn der Wind richtig steht, im eigenen Wohnzimmer bei Klaviermusik sorgsam ins Notizbuch schreibt, oder man einfach mit Handy in der Hand drauf los tippt:
Entscheidend ist, dass man beginnt, die eigene Stimme zu hören. Dann wird die Stadt antworten. Und wer aufmerksam genug ist, wird irgendwann merken, dass Kolumnen Schreiben nichts anderes ist, als ein Gespräch – zwischen der Stadt, dem eigenen Blick und denjenigen, die diesen Blick teilen wollen.
Jede Kolumne ist ein kleines Experiment
Vielleicht ist das Schönste am Kolumnen Schreiben jedoch, dass es nie wirklich fertig ist. Jede Woche, jeder Monat, jede Begegnung kann eine neue Spur legen, der man folgen möchte. Gerade in Stuttgart, wo Wandel zum Alltag gehört, wird Schreiben zu einer Form des Mitgehens. Wer das akzeptiert, entdeckt in jeder Kolumne ein kleines Experiment – offen, lebendig, unvorhersehbar. Das ist eine feine Freiheit.
Ich werde sicher weiter schreiben, sammeln und lesen. Man wird mich nach wie vor schlendernd durch die Gassen oder in Cafés mit einem Buch vorfinden. Auch wenn es Kulinarisches zu testen gibt, oder wenn mal wieder Buchklub ist.
Euch allen wünsche ich vor allem Ruhe und Qualitytime am Ende des Jahres, um einen neuen Cycle voller Elan und Kreativität zu beginnen. Neue Wege, neue Aussichten.
Ich sage vielen Dank! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht! Bis baldigst, denge und superdenge!