Die sechs Anlagen sollen im Wald zwischen Bosch-Entwicklungszentrum und der Autobahn 8 sowie Perouse entstehen Foto: IMAGO/BildFunkMV

Die Stadt will mit den Stadtwerken Tübingen und einem Investor erkunden, ob sich der Bau der Windkraftanlagen lohnt. Jetzt entscheidet sich, ob der Vertrag zustande kommt.

BB02 und BB29 – was nach mechanischen Droiden aus dem Star-Wars-Universum klingt, sind in Wirklichkeit Vorranggebiete im Windkraft-Regionalplan. Genauer gesagt, zwei Gebiete im nördlichen Kreis Böblingen. Während BB02 nur minimal auf Malmsheimer und hauptsächlich auf Weil der Städter Gemarkung liegt und damit von der Kepler-Stadt verfolgt wird, liegt BB29 auf Renninger und Malmsheimer Gemarkung. Und eben diese könnte nun eine weitere Hürde nehmen, wenn der Gemeinderat zustimmt.

 

Die Pläne, am Rande von Renningen einen Windpark mit sechs Windkraftanlagen zu bauen, gehen auf das Jahr 2023 zurück, sind also nicht neu. Zum einen wurden damals die neuen Vorranggebiete durch den Verband der Region Stuttgart ausgewiesen, zum anderen wurde in Renningen das Klimaschutzkonzept beschlossen, das eine klimaneutrale Stadtverwaltung als Ziel bis 2040 hat sowie die „Vision einer klimaneutralen Gesamtstadt“.

Volle Unterstützung für die Windenergie

Doch bei allem Einspar- und Modernisierungspotenzial, das darin formuliert ist, sagt Bürgermeisterin Melanie Hettmer ganz klar: „Ohne den Ausbau der Windenergie sind diese Ziele nicht zu erreichen.“ Klimaschutzkonzept und Windpark wurden bereits unter ihrem Vorgänger Wolfgang Faißt angeleiert, jeweils mit voller Unterstützung des Gemeinderats. Dazu gab es zwei Bürgerversammlungen im November 2023. „Die einzigen Rückmeldungen dazu bezogen sich auf den Wunsch, dass sich die Bürger am Windpark beteiligen können“, berichtet Hettmer.

Deshalb habe man auch keinen Bürgerentscheid durchgeführt, anders als etwa im benachbarten Weil der Stadt. Dort war das Thema Windkraft nicht unumstritten, im Bürgerentscheid sprachen sich aber etwa 60 Prozent der Wählerinnen und Wähler dafür aus. In Renningen hat man das Verfahren in einem weiteren Aspekt beschleunigt. „Wir haben den Investor selbst ausgewählt und keine Ausschreibung durchgeführt. Dadurch sparen wir etwa ein Jahr“, erklärt der Erste Beigeordnete Peter Müller. Die Wahl fiel auf die Stadtwerke Tübingen als späteren Betreiber und die ABO Energy als Investor und Entwickler. Mit beiden soll jetzt ein Vertrag geschlossen werden, sofern der Gemeinderat am Montagabend zustimmt.

Wie geht es nun weiter mit den Windpark-Plänen?

Sobald das Regionalparlament der Fortschreibung des Regionalplans zustimmt – aktuell steht dies für Dezember auf dem Plan –, kann der Investor das Projekt starten. Das heißt nicht, dass die Windräder gleich gebaut werden. „Erst gibt es verschiedene Voruntersuchungen, etwa zum Baugrund, zum Artenschutz und natürlich ein Windgutachten“, erklärt Müller. Außerdem gebe es Untersuchungen zum Lärm und zur Verschattung.

 

Da aber alle sechs Anlagen mehr als 1000 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt seien, erwartet man im Renninger Rathaus in diesen Punkten keine Probleme. Sollte sich herausstellen, dass etwas gegen die sechs Windräder spricht, würde das Vorhaben nicht umgesetzt. Der Investor wolle schließlich auch Geld verdienen. Und die Stadt verliert dabei auch kein Geld. „Wir erhalten ein Reservierungsentgelt für die Fläche, egal, was am Ende herauskommt“, sagt der Erste Beigeordnete.

In vier Jahren könnten die Windräder in Renningen stehen

Stützen die Voruntersuchungen den Bau des Windparks, könnten die Windräder bis 2030 stehen. Die sechs Anlagen sollen im Wald zwischen Bosch-Entwicklungszentrum und der Autobahn 8 sowie Perouse entstehen – drei auf der einen Seite der Kreisstraße, drei auf der anderen. Die Anlagen, die eine Nabenhöhe von 179 Metern haben und 266,5 Gesamthöhe mit Rotorblättern, sollen eine Leistung von rund 40,8 Megawatt erbringen, was etwa 26 500 Haushalte versorgen könnte. Auch wenn Renningen weniger Einwohner hat – „das reicht nicht ganz, um alle Renninger Haushalte sowie alle Industriebetriebe in der Stadt mit Strom zu versorgen“, sagt Peter Müller.

Über eine Betreiber-GmbH wäre die Stadt dann auch an den Einnahmen beteiligt. „Uns geht es nicht darum, mit den Einnahmen Löcher im Haushalt zu stopfen. Wir wollen mit dem Geld in Vorhaben aus unserem Klimaschutzkonzept investieren“, sagt Bürgermeisterin Hettmer. Allein die energetischen Sanierungen an städtischen Gebäuden, die in den nächsten Jahren auf Renningen zukämen, beziffert der Erste Beigeordnete auf mehr als 100 Millionen Euro.

Etwa 26 500 Haushalte könnten durch die Windräder mit Strom versorgt werden. Foto: dpa

Über eine Bürger-Energiegenossenschaft sollen sich auch die Renninger beteiligen können. Auch die Nachbarstadt Rutesheim, die von den umliegenden Kommunen am meisten von den Windrädern tangiert würde, soll mit ins Boot geholt werden. „Spätestens seit der Gasmangellage im Winter 2022/23 infolge des Ukrainekrieges ist allen bewusst, dass fossile Energieträger nicht auf Dauer verfügbar sind. Dieser Windpark ist unser Beitrag zur Energiewende“, betont die Bürgermeisterin.