Die Zukunft des Zwiebelfests ist weiter offen. Zumindest können die Wirte nun hoffen, ein weiteres Jahr, also bis einschließlich 2021, die Hocketse ausrichten zu dürfen. Foto: Horst Rudel

Es gibt es eine überraschende Entwicklung beim Streit über die Traditionshocketse auf dem Esslinger Marktplatz.

Esslingen - Der Brief, unterschrieben vom Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Esslinger Gemeinderat, Jörn Lingnau, ist am Montagmorgen im Esslinger Rathaus eingegangen – und hat dort für erhebliche Verärgerung gesorgt. Er beginnt mit den Worten: „Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, hiermit informiere ich Sie, dass die CDU heute einen Antrag auf Vertagung des Tagesordnungspunkts 1 – Zwiebelfest – stellen wird. Wir bitten, die Kurzfristigkeit zu entschuldigen.“

Eine Entscheidung zur Zukunft des Zwiebelfests falle, so begründet Lingnau den Antrag, „vielen Gemeinderäten schwer: Wir sehen nicht den dringenden Druck, noch vor der Sommerpause zu entscheiden.“ Es hätten sich „neue Aspekte ergeben“, um deren Klärung man bitte.

Frühestens 2022 wird es nun eine neue Sommerhocketse geben

Damit hat die CDU-Gemeinderatsfraktion die Pläne von Oberbürgermeister Jürgen Zieger und des Geschäftsführers der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus Gesellschaft (EST), Michael Metzler, zunächst gestoppt. Deren Ziel war es, der privat organisierten Zwiebelfest-Gesellschaft die Esslinger Traditionsveranstaltung zu entziehen und an dessen Stelle von 2021 an ein Sommerfest in städtischer Regie auf dem Marktplatz und dem Rathausplatz zu veranstalten. Mit der Vertagung ist das Jahr 2021 als Start für die neue Sommerhocketse Makulatur. Metzler betonte am Montag auf Nachfrage noch einmal, man brauche drei volle Jahre, um ein solches Fest sorgfältig vorbereiten zu können. Das Fest könne jetzt also frühestens 2022 zum ersten Mal stattfinden.

Der Vertagungsantrag der CDU, den in der Gemeinderatssitzung am Montagnachmittag auch die beiden FDP-Stadträte sowie Teile der Freien Wähler mitgetragen haben, kam überraschend. In seiner jüngsten Sitzung hatte der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats bei nur einer Enthaltung empfohlen, den neuen Weg einzuschlagen. Verbunden wäre dies mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von drei Mal jährlich 50 000 Euro. Darüber und über das Vorgehen bei der Entwicklung der neuen Sommerfestidee – Zieger und Metzler hatten ihre Pläne erarbeitet, ohne die Zwiebelfestwirte zu informieren oder in die Entwicklung des Konzepts einzubinden – hatte es im Vorfeld große Verärgerung gegeben.

Kritik gibt es an der Höhe des geplanten Zuschusses

In der vergangenen Woche hatte sich dann auch noch Alexander Kögel, der Geschäftsführer der die Einzelhändler und Gewerbetreibenden in der Esslinger Altstadt vertretenden City Initiative, zu Wort gemeldet. In einer persönlichen Stellungnahme hatte er bemängelt, dass die Stadt der City Initiative für ihre wichtige Arbeit zur Belebung der Innenstadt gerade einmal 100 000 Euro pro Jahr zur Verfügung stelle. Er könne deshalb nicht verstehen, wieso die Verwaltung bereit sei, jährlich 50 000 Euro in ein elftägiges Sommerfest zu investieren – und das, obwohl das Zwiebelfest bisher ohne Steuergelder privatwirtschaftlich erfolgreich veranstaltet worden sei.

Vor einer neuerlichen Abstimmung über das Thema möchte die CDU nun wissen, ob auch andere Lösungen denkbar sind, etwa eine „Beteiligung der Stadt auf welchem Weg und in welcher Höhe auch immer an der Zwiebelfest-GmbH“. Geklärt werden müsse dabei, welche Folgen ein solcher Einstieg hätte. Auch sei die von der CDU geforderte Begrenzung des öffentlichen 50 000-Euro-Zuschusses auf drei Jahre noch nicht geklärt. Zudem wünscht die CDU eine detaillierte Aufstellung, welche Kosten in den letzten Jahren der Stadt durch das Zwiebelfest entstanden sind und welche Einnahmen erzielt wurden.

Jürgen Zieger zeigte wenig Verständnis für den Vertagungsantrag. Begründet hätte die CDU den Antrag mit „Fragen, die bisher noch nicht gestellt wurden und solchen, die längst beantwortet“ seien.

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