Zwiebelfest-Ende in Esslingen Ganz schlechter Stil

Von Kai Holoch 

Die Zeit der Zwiebelfestwirte könnte zu Ende gehen. Foto: Horst Rudel
Die Zeit der Zwiebelfestwirte könnte zu Ende gehen. Foto: Horst Rudel

Ein grobes Foul der Stadt Esslingen: über die Zukunft des Zwiebelfests zu reden, ohne die bisherigen Organisatoren einzubinden, das geht überhaupt nicht.

Esslingen - Die Geschichte des Esslinger Zwiebelfests ist reich an Skandälchen und Skandalen. Dabei waren es nicht immer die Zwiebelfestwirte, die durch interne Streitereien oder Diskussionen, etwa über den Einsatz von Wein aus dem Bottwartal bei der Esslinger Traditionshocketse, für Schlagzeilen gesorgt haben.

Auch zwischen den Wirten und der Stadtverwaltung hat es in der Vergangenheit immer wieder kräftig gekracht. Gut in Erinnerung ist noch das Zwiebelfest 2015, als der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger auf – vorsichtig ausgedrückt – höchst merkwürdige und eigenwillige Weise dafür gesorgt hat, dass ein von den Zwiebelfest-Gesellschaftern ausgebooteter Wirt trotzdem seine Laube auf dem Esslinger Marktplatz aufschlagen durfte.

Das nächste Ärgernis folgt jetzt: Natürlich ist es wahr, dass der Esslinger Gemeinderat die Verwaltung beauftragt hat, sich Gedanken über eine Neukonzeptionierung des Zwiebelfests zu machen. Und über den Vorschlag, der nun auf dem Tisch liegt, kann man durchaus diskutieren.

Dass die Verwaltung bei der Erarbeitung des Konzepts offenbar mit etlichen Protagonisten in der Stadt gesprochen hat, diejenigen aber, die das Fest seit 32 Jahren organisieren, nicht einmal über die Diskussionen informieren wollte, das ist ein ganz schlechter Stil. Es hätte zu den Grundregeln des menschlichen Anstands gehört, die direkt Betroffenen in die Diskussion einzubinden. Doch das ist unterblieben.

Beschädigt sind einmal mehr alle Beteiligten: Die Zwiebelfestwirte, die Stadtverwaltung und allen voran der bisher untadelig agierende Stadtmarketingchef Michael Metzler. Seine Aufgabe ist es doch, ein gutes Klima für die touristische Entwicklung der Stadt zu schaffen. Dass er es geduldet hat, dass die Stadtverwaltung so mit sicherlich schwierigen, aber doch engagierten Wirten umgeht, ist ein Armutszeugnis.

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