Iker Romero und seine Bietigheimer Handballer stehen vor der Rückkehr in die Bundesliga und wollen sich dort dann endlich auch mal festbeißen. Foto: Sina Schuldt

Iker Romero und seine Handballer von der SG BBM Bietigheim können die letzten Restzweifel am Sprung in die Bundesliga beseitigen – es wäre ein Traumabschied für den spanischen Trainer.

Bei aller Vorsicht: Natürlich zweifelt auch Bastian Spahlinger nicht mehr am Bundesliga-Aufstieg der Handballer der SG BBM Bietigheim. Doch der Geschäftsführer sagt auch: „Wir müssen den einen Schritt noch gehen.“ Möglich, dass die Mannschaft von Trainer Iker Romero den nicht einmal selbst ausführen muss: Besiegt an diesem Freitag (19.30 Uhr) der Tabellen-Elfte TV Hüttenberg den Tabellen-Dritten HC Elbflorenz Dresden, dann haben die Bietigheimer den Sprung in die Beletage schon vier Spiele vor Rundenende auch ohne eigenes Zutun rechnerisch geschafft.

 

Wenn nicht, können sie die letzten theoretischen Restzweifel am Samstag (19.30 Uhr) beseitigen: mit einem doppelten Punktgewinn im ungleichen Nachbarschaftsduell beim HC Oppenweiler/Backnang. Es wäre eine der größten Handball-Sensationen dieser Saison, wenn das sieglose, abgeschlagene Schlusslicht (2:58 Punkte) dem Spitzenreiter SG BBM (51:9 Punkte) eine lange Nase drehen würde.

HBW wahrscheinlicher Begleiter

Warum das Romero-Team – wohl gemeinsam mit dem HBW Balingen-Weilstetten (49:11 Punkte) – die zweite Liga nach nur einem Jahr wieder verlassen wird? Für Spahlinger spielen drei Gründe eine ganz besondere Rolle: Mentalität, Eingespieltheit und das System Romero. „Wir haben trotz langwieriger Verletzungen von Schlüsselspielern wie Juan de la Pena und Jonathan Fischer immer mit einer klasse Einstellung konstant Leistung gebracht. Zudem können wir uns auf die Automatismen verlassen, was die Spielphilosophie unseres Trainers betrifft.“

Dass die SG BBM nach dem sehr unglücklichen Abstieg eine solch dominante Runde hinlegen würde, war nicht zwingend zu erwarten. Zumal zumindest ein kleines Fragezeichen hinter der Personalie Trainer stand. Nicht dass irgendjemand an den Qualitäten von Iker Romero gezweifelt hätte, doch es stellten sich zwei Fragen: Wie wirkt sich die Doppelbelastung mit seiner Funktion als österreichischer Nationalcoach aus? Was hat es für Folgen, dass früh feststand, dass der 45-Jährige am Saisonende den Club verlassen wird, um sich komplett dem Team Austria zu widmen?

Frühe und offene Kommunikation

Die Antworten liefern die Tabelle in Zahlen und Spahlinger in Worten: „Wir haben das Trainerthema frühzeitig und offen kommuniziert. Zudem ist das Verhältnis der Mannschaft zu Iker total intakt, ich bin mit ihm befreundet. Uns war klar, dass es keine negativen Auswirkungen hat.“

Auch die Nachfolge hat die SG BBM früh geklärt: Hartmut Mayerhoffer (von 2023 bis April 2024 beim HC Erlangen, davor von 2018 bis November 2022 bei Frisch Auf Göppingen) kehrt zurück. Unter seiner Regie gelangen die beiden Bietigheimer Erstliga-Aufstiege 2014 und 2018. Für den dritten sorgte Romero 2024. Alle drei Bundesliga-Spielzeiten hatten eines gemeinsam: Sie endeten jeweils mit dem sofortigen Abstieg.

Wenn also auf einen Handballclub der Begriff Fahrstuhlmannschaft zutrifft, dann auf die SG BBM. „Ich finde das gar nicht negativ, dennoch würden wir das Image gerne ablegen und uns oben festbeißen“, sagt Spahlinger. Mit jedem Aufstieg habe man dazugelernt, sich weiterentwickelt – sportlich, strukturell, finanziell. Die Abgänge von Juan de la Pena (Eintracht Hagen) und Tom Wolf (Karriereende) tun weh. Als Zugang steht bisher der tschechische Nationalspieler Jonas Josef (HC Dukla Prag) fest, der bei der EM in drei Spielen 29 Tore erzielte. Mit Till Herrmann und Fynn Nicolaus wurden die Verträge verlängert. Auch Maxim Orlov (Leihgabe der TSV Hannover-Burgdorf) soll gehalten werden.

Aber zunächst soll erst einmal am Wochenende der Aufstieg und damit der Traumabschied für Romero rechnerisch klargemacht werden. Ob eine Party in Planung ist? Spahlinger: „Nein. Wenn, dann gibt’s was Spontanes.“