Wollen aufsteigen: Ralf Rangnick (li.) und Christian Streich. Foto:  

RB Leipzig und der SC Freiburg planen den Sprung in die erste Liga. Der SC Paderborn und die Traditionsclubs 1860 München und Fortuna Düsseldorf wollen weg vom Tabellen­ende der zweiten Liga, die an diesem Wochenende ins Fußballjahr startet. Mit neuem Elan soll die Wende her.

Stuttgart - Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass irgendwann im Frühjahr Langeweile in der zweiten Liga droht. Dann, wenn normalerweise die Spannung steigt, kann es sein, dass der Aufstiegskampf fast schon entschieden ist. Denn was vor Saisonbeginn galt, hat sich in der Hinrunde verfestigt: Spitzenreiter RB Leipzig und der SC Freiburg sind die großen Favoriten auf den Sprung in die erste Liga. Leipzig hat bereits acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, Freiburg fünf, und es spricht wenig dagegen, dass die beiden Topteams im Gleichschritt den Aufstieg schaffen werden – womöglich sogar frühzeitig.

Der Krösus der Liga aus Leipzig hat ein gefestigtes Team und verzichtete deshalb auf Verstärkungen im Winter. Trainer Ralf Rangnick hat dank des starken und breiten Kaders die Qual der Wahl, wenn es um die Aufstellung geht – und nach dem starken Hinrundenende und der reibungslosen Vorbereitung die Gewissheit, dass sein Team dem Druck, aufsteigen zu müssen, offenbar gewachsen ist. Rangnicks einzige Sorge vor dem Spiel gegen Braunschweig an diesem Sonntag (13.30 Uhr/Sky): „Es ist ganz schwer, Entscheidungen zu treffen, weil sehr viele Spieler in einer sehr guten Form sind.“

Im Vergleich zum Spitzenreiter hat der SC Freiburg vor dem Start ins Zweitligajahr größere Sorgen. Torjäger Nils Petersen fällt aufgrund einer Bänderblessur am Sprunggelenk noch rund drei Wochen lang aus, der pfeilschnelle Offensivmann Maximilian Philipp (Außenbandverletzung) fehlt ebenfalls noch knapp drei Wochen. Die ­beiden sind Schlüsselspieler im Freiburger System. Petersen wegen seiner Treffsicherheit (15 Tore), Philipp aufgrund seiner Dynamik am Ball. Ihre Ausfälle wiegen schwer – in die Bresche springen sollen schon in der Partie beim VfL Bochum an diesem Freitag (18.30 Uhr/Sky) zwei Neuzugänge.

SC auf alle Eventualitäten vorbereitet

Der norwegische Stürmer Havard Nielsen sammelte bei Eintracht Braunschweig bereits Bundesliga-Erfahrung und wurde von Red Bull Salzburg verpflichtet. Er integrierte sich in der Vorbereitung schnell ins laufintensive und flexibel ausgerichtete SC-Spiel. Dazu kam Angreifer Florian Niederlechner vom FSV Mainz. Der Ex-Heidenheimer wird für eineinhalb Jahre ausgeliehen.

Die beiden Transfers zeigen, dass der SC auf alle Eventualitäten vorbereitet ist. Trainer Christian Streich sagt: „Es ist, wie es ist mit den Verletzungen – wir müssen es hinnehmen.“ Es ist die typische Freiburger Haltung, die schon in der Hinrunde zum Erfolg führte. Abstieg aus der Bundesliga? Kurz schütteln und weitermachen! Zahlreiche namhafte Abgänge? Egal – passenden Ersatz holen, der zur Philosophie passt, und neu ­angreifen! Und jetzt: Petersen und Philipp verletzt? Wieder Ersatz holen, und einfach weitermachen! Der SC präsentierte sich in der Vorrunde gefestigt, weil die Verantwortlichen Hand in Hand und in Ruhe zusammenarbeiten und jedes Rädchen ins andere greift. Das Mannschaftsgefüge passt – weshalb der Aufstieg sehr wahrscheinlich ist.

KSC hat noch Hoffnung

Hinter Leipzig und Freiburg rangeln die Traditionsclubs 1. FC Nürnberg, Eintracht Braunschweig und der FC St. Pauli um Platz drei. Ob der Karlsruher SC mit derzeit acht Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz auch noch ins Aufstiegsrennen eingreifen kann, ist zumindest fraglich. Der Plan des KSC bei der Abschiedstournee des nach der Saison scheidenden Trainers Markus Kauczinski ist aber klar: die Flucht nach vorne. „Wir schauen nur nach oben“, sagt Sportdirektor Jens Todt, der sich sicher ist, dass „wir unser Vorhaben, positiv zu überraschen, umsetzen werden“. Auch Kauczinski ist nach der guten Vorbereitung optimistisch. Er will um den Aufstieg ­mitspielen. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt er, „wir werden alles dafür tun, um unsere ­Minimalchance zu nutzen.“

Traditionsclubs im Keller

Im Tabellenkeller tummeln sich Traditionsclubs – und der SC Paderborn mit dem jetzt schon höchst umstrittenen Trainer Stefan Effenberg. Dem Tiger sitzt nach nur zehn Punkten in neun Spielen und dem Skandal um Nick Proschwitz SCP-Patron Wilfried Finke im Nacken. „Der Monat Februar ist entscheidend. Wenn der völlig in die Hose geht, muss man sich Gedanken über einen Reiterwechsel machen“, sagte Finke nach dem peinlichem Vorfall mit Proschwitz, der sich im Trainingslager in Belek entblößt hatte.

Beim TSV 1860 München ist der Druck ebenfalls groß. Die bundesligaerfahrenen Stürmer Sascha Mölders (kam vom FC Augsburg) und Maximilian Beister (FSV Mainz) sowie der gestandene Zweitliga-Profi Goran Sukalo (Greuther Fürth) sollen die Löwen zum Klassenverbleib führen.

Auch Fortuna Düsseldorf hat aufgerüstet. Mit den Offensivkräften Nikola Djurdjic, Charalampos Mavrias und Justin Toshiki Kinjo soll an diesem Samstag gegen den 1. FC Heidenheim ein Start nach Maß gelingen. „Da wollen wir die Zuschauer mitnehmen“, sagt der neue Trainer Marco Kurz.

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