Der Schauspieler Ulrich Tukur gerät im „Tatort – Wer bin ich?“ selbst ins Fadenkreuz der Fahnder Foto: HR/Pressestelle

Auch zum Fest der Liebe wird im Ersten gemordet. Die ARD zeigt am Samstag und am Sonntag zwei sehenswerte „Tatort“-Folgen. Vor allem den irren Krimi mit Ulrich Tukur sollte man sich nicht entgehen lassen.

Stuttgart - Unterschiedlicher könnten die beiden ­„Tatort“-Produktionen kaum sein, die das Erste am Samstag, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, und kommenden Sonntag ausstrahlt. Doch beide sind sie sehenswert.

Bei den jüngeren „Tatort“-Produktionen konnte man sich des Verdachts nicht erwehren, dass jede deutsche Stadt eine Plattenbausiedlung beherbergt. Wer die Nase voll hat von all den im ­Depro-Milieu angesiedelten Fällen, der wird allein schon der schönen Bilder wegen (Kamera Gunnar Fuss) an der jüngsten Produktion aus Köln seine Freude haben. In „Benutzt“ begegnen wir dem jungen, schönen, neureichen Köln. Die beiden Hauptkommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) müssen sich mit einer Klientel herumschlagen, die im feinen Rheinauhafen logiert und den ­Anwalt stets in Rufweite hat. So ist das eben, wenn man den Mord an einem im Rhein ­treibenden Export- und Finanzberater aufklären muss.

Je länger die Fahnder im Trüben fischen, desto mehr weitet sich der Fall zum Wirtschaftskrimi aus, und bald steht die Frage im Raum, ob ein ehemaliger Geschäftspartner des Opfers, das bei einem Motorradtrip durch die Sahara verschwunden war, wirklich so tot ist, wie die Akten behaupten.

Regisseurin Dagmar Seume und Drehbuchautor Jens Maria Merz ist mit „Benutzt“ ein zwar konventioneller, aber dennoch ­packender Krimi gelungen. Einzig dass Ballauf/Schenk im schmucken Opel Admiral ständig ohne SEK-Schutz zu ihren Einsätzen kutschieren, wirkt arg gekünstelt.

Tatort – Benutzt“: Samstag, 26. Dezember, 20.15 Uhr, ARD Tatort Wiesbaden

Dieser „Tatort“ fällt aus der Rolle – und er tut es deshalb, weil seine Hauptfigur bereits nach wenigen Minuten aus der Rolle fällt. Eben noch war der Schauspieler Ulrich ­Tukur als Wiesbadener LKA-Ermittler Felix Murot auf dem Weg zu einem in einem Parkhaus aufgefundenen Mordopfer – nun steht er, der Schauspieler Tukur, selbst im Fadenkreuz von Fahndern. Was hat Tukur mit dem Tod eines Senderassistenten zu tun, der nach einer durchzechten Nacht bei einem Autounfall wohl nicht ganz freiwillig aus dem Leben geschieden ist?

Klingt komplizierter, als es ist. Und auf jeden Fall ist es ein Heidenspaß, was uns Regisseur und Drehbuchautor Bastian Günther am Sonntagabend auftischt. „Wer bin ich?“ ist mehr Satire als Kriminalspiel – und doch bis zur letzten Minute spannend. Der Film nimmt den TV-Betrieb mit seinen egozentrischen Selbstdarstellern auf die Schippe. Vielleicht aber macht er sich auch nur über die Klischees lustig. Manches ist unklar an „Wer bin ich?“. Nur eines nicht: Diesen „Tatort“ muss man gesehen haben.

„Tatort – Wer bin ich?“, Sonntag, 27. Dezember, 20.15 Uhr, ARD

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