Ein Krankenwagen im südamerikanischen Wald: Justus Kneissle und Simon Lohrer sind noch bis zum Sommer in ihrem umgebauten Campervan unterwegs. Foto: privat

Justus Kneissle und Simon Lohrer reisen derzeit durch Südamerika – in einem Krankenwagen, der früher durch Filderstadt gefahren ist. Die beiden haben ihn zum Campervan umgebaut.

Filder - „Wir sind über hundert Kilometer Schotterpiste gefahren, und dann hört die Straße auf, und das Meer beginnt. Und du weißt, du bist am südlichsten Punkt der Welt angekommen.“

Fin del Mundo wird die argentinische Stadt Ushuaia auch genannt. Hier sind Simon Lohrer und Justus Kneissle gerade. Die beiden 19-Jährigen haben im vergangenen Jahr an der St.-Ursula-Schule in Villingen-Schwenningen ihr Abitur gemacht. Statt sich in Ausbildung oder Studium zu stürzen, hatten sie schon lange etwas anderes geplant: „Wir wollten durch Südamerika reisen“, sagt Justus, „wir glauben, dass sich Südamerika in den nächsten 20 Jahren stark verändern wird, und wir wollten hier sein, bevor der Wandel kommt.“

„Wir sind Gäste hier und müssen uns auch so benehmen“

Die Verbindung zu Südamerika kam über die Schule: „Es gibt dort einen Weltladen, der von den Schülern betrieben wird“, erzählt Justus. Außerdem besteht eine Partnerschaft mit der peruanischen Stadt Ocongate, auf ihrer Studienfahrt haben die beiden die dortige Partnerschule besucht, und ihre jeweiligen Seminararbeiten über Südamerika geschrieben. Das Ziel ihrer Reise stand so schnell fest, aber auch von der Art der Fortbewegung hatten die beiden konkrete Vorstellungen. „Wir wollten einen Sprinter kaufen und ihn umbauen zum Campervan“, erzählt Justus, „das war unser großer Traum.“ Schließlich fanden sie einen Krankenwagen, den das DRK Filderstadt-Bernhausen zum Verkauf anbot.

„Der Krankenwagen war bei uns zehn Jahre lang im Einsatz“, erzählt Daniela Mack, Vorstand des DRK Bernhausen. Als er durch ein neueres Fahrzeug ersetzt werden musste, hat der Ortsverein ihn zum Verkauf angeboten, und die beiden Südamerikareisenden haben zugeschlagen. „Wir freuen uns sehr, dass der Krankenwagen nach dem Einsatz bei uns einen neuen tollen Nutzen hat“, sagt Mack.

Als Vorbereitung auf die Reise haben Justus und Simon also monatelang tagsüber in Nebenjobs gearbeitet, um den Trip zu finanzieren, Tagsüber arbeiteten sie in ihren Nebenjobs, um Geld zu verdienen, abends und am Wochenende bauten sie den Sprinter zum Campervan um. Ein wichtiger Bestandteil war der große Tisch, den sie eingebaut haben. „Das war uns wichtig, damit wir Leute zu uns einladen können, die wir unterwegs treffen“, so Simon. Bisher hat das auch gut funktioniert, „die Leute hier in Argentinien zum Beispiel sind sehr offen und freundlich. Wir wollen uns aber auch richtig verhalten: Wir sind Gäste hier und müssen uns auch so benehmen.“

„Das ist die totale Freiheit“

Seit Dezember sind sie nun unterwegs. „Wir haben die Herausforderung gesucht“, sagt Simon, „wir wollten etwas Selbständiges machen, zusammen.“ Die beiden kennen sich seit der fünften Klasse, „dass wir beste Freunde sind, ist eigentlich Voraussetzung“, meint Justus und lacht, „schließlich ist der Campervan dann doch nur sechs Quadratmeter groß.“ Gestritten haben sie sich noch nie. „Wir schauen aus dem Fenster und merken, was für ein Glück wir haben“, sagt Justus, „da ist es keine Option, unzufrieden zu sein.“ Die beiden sind fasziniert von der Natur, erzählen vom Wandern, von Seelandschaften, von Gletschern. „Wir können mit unserem Campervan überall anhalten, und das machen wir auch“, so Simon, „wir wissen nicht, wo wir nächste Woche sind. Das ist die totale Freiheit.“

Nach Uruguay und Argentinien soll es auch nach Kolumbien und Peru gehen, dort in die Partnerstadt ihrer Schule, wo sie einige Wochen aushelfen wollen. „Mal schauen, wie weit wir sonst noch kommen“, sagt Justus. Außerdem setzen sie sich jeden Tag zusammen und verbessern 20 Minuten lang ihre Spanischkenntnisse. „20 Minuten machen wir Sport, 20 Minuten kommen wir zur Ruhe“, erklärt Justus weiter, „und 20 Minuten jeden Tag sammeln wir Müll auf, egal, wo wir gerade sind.“ Denn der Müll, das ist eine der Erfahrungen, die sie gesammelt haben, ist ein großes Problem in Südamerika. „Du kommst an den südlichsten Punkt, ans Ende der Welt“, erzählt Simon, „und dann siehst du da einen vermüllten Strand, mit alten Fischernetzen, Plastikflaschen, kaputten Bojen und anderem Treibgut.“ Auch einen Blog, ein Internettagebuch, wollen sie über ihre Reise schreiben.

Was kommt nach der Reise?

Und was kommt danach? Simon wird ein Jahr Bundesfreiwilligendienst machen, im Körperbehindertenzentrum Stuttgart, danach möchte er Medizin studieren. Justus hat vor, Wirtschaftsingenieurwesen in Karlsruhe zu studieren. Nun sind sie aber erst einmal noch bis Juli in Südamerika unterwegs, in ihrem Campervan, der mal ein Krankenwagen in Filderstadt war.

Übrigens kann man im sozialen Netzwerk Instagram die Reise der beiden mitverfolgen. Sie heißen „the.vantire.diaries“.

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