Die Kommissare Lisa Gaedike und Frank Tischner, ein eingespieltes Team. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Er ist doppelt so alt wie sie. Sie hat im Dezernat für Tötungsdelikte inzwischen die höchste Aufklärungsquote. Beide Kommissare führen das auf ihre gute Zusammenarbeit zurück.

Stuttgart - Im Orchester oder bei der Feuerwehr darf das Alter kein Hindernis sein. Dasselbe gilt für Ermittler bei der Polizei. Dort setzt man bewusst auf das Zusammenspiel zwischen Jung und Alt, mit Vorteilen für beide. Die Kriminalkommissare Lisa Gaedike (26) und Frank Tischner (51) arbeiten beim Dezernat für Tötungsdelikte im Team. Sie ist seit anderthalb Jahren dabei, er seit 2010 beim Dezernat.

Frau Gaedike, nervt Sie Ihr Kollege manchmal damit, dass er scheinbar alles weiß?
Er nervt mich nie mit Besserwisserei. Man lernt wirklich was, wenn uns Jüngeren einer alles zeigt und erklärt, der es wirklich kann.
Herr Tischner, sind Sie immer geduldig mit jungen Kollegen?
Ich nehme mir gerne Zeit, die Dinge zu erklären. Wir sind allerdings auch im Einsatz, wenn nach einem mutmaßlichen Mörder gefahndet wird oder Verdächtige abgehört werden und Eile geboten ist. Falls beispielsweise ein jüngerer Kollege da Fehler zu machen droht, bin ich schon mal kürzer angebunden.

Erfahrung verhindert Fehler

Hat er Sie schon mal gerüffelt, Frau Gaedike?
Nein. Wenn man an der Grenze zur Überforderung steht, ist man froh um klare Anweisungen.
Können Sie von einem solchen Fall erzählen?
Es hatte in Stuttgart einen Messerangriff gegeben, als ich Rufbereitschaft hatte. Ich nahm den Fall auf, und man muss in einem solchen Moment an alles denken: wer zu verständigen ist und in welcher Reihenfolge, was man alles veranlassen muss, ob man alles dokumentiert hat. Ich war froh, dass Frank Tischner damals die Ermittlungsgruppe geleitet hat.
Herr Tischner, passiert Ihnen das gelegentlich noch? Zum Beispiel, wenn Eile geboten ist?
Wir Alten sind nicht fehlerfrei, bloß weil wir langjährige Erfahrung haben. Aber wir gehen in der Regel kriminalistischer an die Sache heran als die jungen Berufsanfänger. Ihnen passiert schon mal, dass sie alles – Blutspuren und andere Details – fotografieren und ordentlich beschreiben, aber darüber völlig vergessen, die Spuren auch zu sichern, oder die Tatrelevanz einzelner Details als nicht so wichtig erkennen. Insgesamt ist man als älterer Kollege nachsichtig, solange die Fehler der jungen Kollegen nicht von existenzieller Bedeutung sind.
Herr Tischner, welche Folgen hätte es, wenn Sie nicht so akribisch arbeiten würden?
Man darf bei der Arbeit nie vergessen, dass man vor Gericht später eine Zeugenaussage machen muss. Da ist es nicht hilfreich, wenn man etwas nur dem Hörensagen nach notiert hat, ohne es zu prüfen.

Im Netz sind Junge zielgerichteter unterwegs

Frau Gaedike, bringen Sie Ihrem älteren Kollegen auch was bei?
Bei der Recherche im Internet, bei Facebook, bei sozialen Medien sind wir Jüngeren schneller und zielgerichteter. Diese Recherchen nutzen wir meist zur Überprüfung von Tatsachen. Oft bestätigt sich dadurch ein Sachverhalt, und man steuert so wieder ein Puzzlestück zu den Ermittlungen bei.
Herr Tischner, sind Sie abgebrühter als die Jungen, wenn Sie mit Toten konfrontiert sind?
Manche junge Kollegen sind schon sehr distanziert in solchen Situationen. Aber keiner muss in diesem Bereich arbeiten. Ich war früher lange im Bereich Bandenkriminalität und mit Einbruchsfällen beschäftigt, aber es gab für mich nicht viele Dienststellen, die mehr zu bieten haben als die Mordkommission. Jede scheinbar unverdächtige Leiche kann Überraschungen bergen.
Lisa Gaedike: Es ist unfassbar, was man unter Zeitdruck alles bedenken und sehen muss. Und vor Gericht muss man das alles später selbst verantworten.

Alle Fälle aufgeklärt

Schauen Sie, aus beruflichem Interesse, gern Krimis im Fernsehen?
Beide: Wir gucken keine Krimis mehr.
Lisa Gaedike: Es ist unerträglich, wenn ein Polizeibeamter zum dritten Mal allein in eine bewaffnete Meute stürmt.
Frank Tischner: Da kann ich eher noch mit den Ermittlungsmethoden leben, die uns in den amerikanischen Serien gezeigt werden. So unrealistisch die auch sind, die wünschen wir uns auch. Übrigens: Lisa hat eine 100-Prozent-Aufklärungsquote der von ihr bearbeiteten Fälle in unserem Dezernat.
Frau Gaedike, wie haben Sie das geschafft?
Frank Tischner: Weil sie mit mir arbeitet!

(Allgemeines Gelächter)

Lisa Gaedike: Weiß nicht; es ist auf jeden Fall gut, wenn man auf die Erfahrung der älteren Kollegen zurückgreifen kann.
Und wer von Ihnen beiden darf den Wagen fahren, wenn’s zum Einsatz geht?
Frank Tischner hebt den Finger, Lisa Gaedike sagt: Ich lass’ mich gern fahren.

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