Die Aidlinger Bürgermeisterkandidaten Helena Österle und Marc Weidel mit dem Vorsitzenden des Handelsvereins, Yavuz Abay Foto: Holger Schmidt

Verwaltungs-Fachfrau aus Calw oder Student mit Heimvorteil? Die Kandidaten für die Aidlinger Bürgermeisterwahl besuchen den Handels- und Gewerbeverein.

Im illustren Zirkel seiner Mitglieder fühlte am Freitagabend der Handels- und Gewerbeverein (HGV) Aidlingen den beiden Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn. Gut 20 Mitglieder waren gekommen, um im alten Schulhaus Lehenweiler erst Marc Weidel und dann Helena Österle mit ihren Fragen zu löchern und von beiden profunde Antworten zu erhalten. „Wir haben uns gefreut, in diesem Format bei ihnen sein zu dürfen“, kam hinterher von beiden unisono der Dank.

 

Vorgestellt und befragt aber wurden sie hintereinander und jeweils alleine von Moderator Alexander Hoss und dem Publikum. „Wir wollten eine kontroverse Diskussion der Kandidaten untereinander vermeiden“, begründete HGV-Vorsitzender Yavuz Abay das am Ende von allen Seiten gelobte Veranstaltungsformat. Deutlich wurde aber auch: Die Aidlinger Wählerinnen und Wähler haben es am 29. September mit zwei grundsätzlich unterschiedlichen Bewerbern für das höchste Amt in der Gemeinde zu tun. Auf der einen Seite die versierte Verwaltungsfachfrau, die in Nagold und Calw unter anderem als Liegenschaftsleiterin und hauptamtliche Ortsvorsteherin bereits jede Menge Erfahrung auf kommunaler Ebene vorweisen kann. Auf der anderen Seite der mit 23 Jahren gerade einmal halb so alte BWL-Student, der vor allem mit jugendlichem Elan und überzeugter Aidlinger mit Heimvorteil punktet.

Einig war sich das Duo darin, die Bürger künftig bei Entscheidungen stärker einzubinden und mitzunehmen. „Aus Betroffenen Beteiligte machen“, formulierte Marc Weidel gleich mehrmals, „die Leute verbinden, zusammenbringen, den Ort beleben, das sehe ich als eine Hauptaufgabe“, sagte Helena Österle. Gleiches gilt für Gemeinderat und Rathausteam. Sie will in der Verwaltung für „klarere Zuständigkeiten“ sorgen, er einen „neuen Führungsstil“ Einzug halten lassen.

Zur Sprache kamen natürlich auch Kinderbetreuung, Ärztehaus, Energiewende und der Dauerbrenner Sanierung Kreisstraße zwischen Aidlingen und Grafenau. Beide wollen als Bürgermeister das Thema verstärkt angehen, Helena Österle will dem Landrat „auf die Pelle rücken“. Kernpunkt, damit sich im Ort etwas bewegt, sind die Finanzen. „Ich war positiv überrascht“, zeigte sich die Verwaltungsexpertin trotz fehlender Haushaltsabschlüsse seit 2019 vom dennoch offenbar nicht zu knapp vorhandenen Geld überrascht.

Die Gewerbesteuereinnahmen allerdings möchte auch sie im Falle ihrer Wahl erhöhen. „Dafür brauche ich sie“, betonte Marc Weidel, schloss aber Steuererhöhungen gleichzeitig aus. Es müssten eben alle an einem Strang ziehen, denn nur gemeinsam ginge es voran, um den Ort zukunftssicher aufzustellen. „Ich sehe Aidlingen als lebens- und liebenswerte Gemeinde“, lobte Helena Österle abschließend mit dem Blick von außen. Der Applaus hielt sich bei beiden Kandidaten die Waage, die Wahl bleibt auch unter den HGV-Mitgliedern spannend.