Zwei Kameras, ein Wochenende am Bodensee Vergleich der Fujifilm XT-2 mit der Olympus OM-D M1 Mark II

Von Julian Wenzel 

Die Reisezeit steht bevor. Damit alle Daheimgebliebenen perfekte Urlaubsbilder bestaunen können, sollte die passende Kamera ins Gepäck. Doch welche ist die richtige? Das hat Julian Wenzel versucht, an einem Wochenende am Bodensee herauszufinden.

Es war vor sieben Jahren, als ich mich in die Region verliebt hatte. Es war damals ein intensiver Sommer in Lindau. Seitdem verbindet mich eine große Liebe zum Bodensee. Nun bin ich wieder zurück für ein Wochenende am Bodensee mit dem Ziel mich erneut zu verlieben: diesmal in eine neue Kamera. Im Gepäck habe ich die Fujifilm XT-2 und die Olympus OM-D M1 Mark II. Beide Kameras sind kompakte, spiegellose Systemkameras mit 4K-Videomodus und gehören zum Besten, was ihre Hersteller zu bieten haben. Und sie sind bestens als Reisekameras geeignet. Als Objektiv für die XT-2 hatte ich das XF Fujinon XF 18-55mm F2.8-4 und für die Olympuskamera das M.ZUIKO DIGITAL ED 12-100 1:4.0 IS PRO dabei.

Hier finden Sie alle technischen Daten zur Fujifilm XT-2 und Olympus OM-D M1 Mark II.

Der erste Eindruck

Beide Kameras sind hervorragend verarbeitet, vor Wettereinflüssen geschützt und wirken, als könnten sie einige Reisen überstehen. Die Olympus ist ein wenig größer und wiegt rund 70 Gramm mehr. Ihr Handgriff ist zudem etwas tiefer, was sie bei großen und schweren Objektiven besser in der Hand liegen lässt. Mich persönlich hat allerdings die Kompaktheit der Fujifilm-Kamera überzeugt. Ich rate zwar dazu, sie nur mit Kameragurt zu tragen, da sie ansonsten leichter aus der Hand rutschen kann. Doch gerade im Reisegepäck spart sie noch einmal Platz. Außerdem konnte mich ihr klassisches, schlichtes Design überzeugen. Am Gehäuse sind feste Einstellräder für Belichtungszeit, ISO-Wert und Belichtungskorrektur, was ihr analoges Feeling unterstreicht. Die Olympus-Kamera wirkt optisch moderner, die Kanten weicher und erinnert mehr an eine typische Spiegelreflexkamera. Sie bietet zudem einen komplett herausklapp- und drehbaren Bildschirm, wo die XT-2 nur einen in drei Richtungen klappbaren Bildschirm hat. Auch wenn beide elektronische Sucher hervorragend sind, gefällt mir der Sucher der OM-D M1 ein klein wenig besser. In puncto Displays konnte mich Olympus also mehr überzeugen.

Bedienung

Wer, wie ich, überwiegend mit DSLR-Kameras arbeitet, wird schnell mit dem Bedienkonzept der OM-D M1 zurechtkommen. Die verschiedenen Modi wirken vertraut, die Tasten und Räder sind standardmäßig so belegt, wie man es erwartet. Und wenn man es anders möchte, lässt sich nahezu jede Belegung individualisieren – sehr nützlich! Das Menü wurde im Vergleich zum Vorgängermodell überarbeitet, dennoch gibt es noch immer viele Untermenüs, in denen man sich besonders am Anfang verlieren kann. Das Menü der XT-2 ist im direkten Vergleich übersichtlicher gestaltet, hat aber dennoch einen kleinen Nachteil: beim Wiederaufruf des Menüs kommt man nicht an die zuletzt aufgerufene Stelle zurück. Hier kann Fujifilm per Firmware nachbessern. Die vielen Einstellrädchen der XT-2 machen die Bedienung logisch und einfach, was aber dennoch zu Beginn ein bisschen Umdenken erfordert. Je mehr Zeit ich mit der Kamera verbrachte, desto mehr gewöhnte ich mich aber daran. Während ich also zu Beginn des Wochenendes bei den wichtigen Erinnerungsbildern, die sitzen sollten, noch zur Olympus griff, griff ich nur anderthalb Tage später in diesem Fall auch zur Fujifilm.

Bildqualität und Autofokus

In der Olympuskamera ist ein 20 Megapixel Live MOS Bildsensor verbaut, der Bilder auf hohem Niveau liefert. Ein besonderes Feature ist der „High Res“-Modus: Dabei werden acht Bilder zu einem 50 Megapixel-Bild zusammengefügt, was für zusätzliche Details im Bild sorgt und somit einen Detailreichtum ermöglicht, wie ich es bisher nur von teureren Vollformatkameras (?) kannte. In der Fujifilmkamera arbeitet ein 24,3 Megapixel APS-C Sensor, der im Direktvergleich unabhängig der zusätzlichen Pixel eine noch bessere Qualität liefert. Insgesamt kann er durch rauschärmere Bilder überzeugen. Dazu kommt, dass RAW-Files bei dieser Kamera mit noch mehr Farbtiefeninformationen gespeichert werden. Ich war wirklich erstaunt, als ich meine Bilder auf dem großen Computerbildschirm verglich. Was aus dieser kleinen Kamera kommt, ist überragend. Einen „High Res“-Modus kann die XT-2 zwar nicht bieten, dafür kann sie Panoramabilder aufnehmen. Der Autofokus ist bei beiden Kameras gut. Die vielen Autofokuspunkte erstrecken sich nahezu über den kompletten Bildausschnitt und liefern fast immer zuverlässig die Schärfe am richtigen Fleck. Die XT-2 kam mir ein klein wenig zuverlässiger vor, hier kann es aber auch Unterschiede von Objektiv zu Objektiv geben.

Diese Features haben mich überzeugt

Ein Feature der OM-D M1 grenzt fast schon an Zauberei: Der 5-achsige Stabilisator des Bildsensors im Zusammenspiel mit dem im Objektiv verbauten Stabilisator liefert eine unfassbare Stabilisation des Bildes. Belichtungszeiten von über 2 Sekunden sind trotz meiner zittrigen Hände kein Problem gewesen. Besonders als ich nachts durch Konstanz schlenderte, liebte ich diese Funktion. Ich konnte Langzeitbelichtungen direkt aus der Hand aufnehmen, ohne ein Stativ mitnehmen zu müssen. Für die Reisefotografie wirklich ein enormer Vorteil! Praktisch ist, dass zudem beide Kameras auf Wunsch komplett lautlos auslösen können (an der Stelle will ich aber auch erwähnen, dass die XT-2 ein wirklich angenehmes Shutter-Geräusch hat) und Belichtungszeiten von bis zu 1/32.000 Sekunde ermöglichen. Dazu gibt es bei beiden Kameras eine Videofunktion mit 4KAuflösung, die beide Modelle zukunftsfähig macht. Hinzu kommt, dass beide Kameras schnell sind. Im Schmetterlingshaus auf der Insel Mainau konnte ich durch die hohen Framerates zielsicher das richtige Bild der Schmetterlinge aufnehmen. Die Olympus hat in dieser Disziplin die Nase vorn: bis zu 18 Bilder kann sie pro Sekunde bei vollem Autofokus aufnehmen, ohne Autofokus sogar bis zu 60 pro Sekunde. Die Fujifilm schafft aber ebenso respektable 14 Bilder pro Sekunde.

Welche Kamera ist nun besser?

Einen klaren Favoriten gibt es für mich nicht. Beide Kameras sind hervorragend für die Reisefotografie geeignet und werden diesen Sommer viele Urlaubserinnerungen hochwertig festhalten. Wer von einem Spiegelreflexsystem umsteigt, wird mit der Olympus OM-D M1 Mark II einen leichten Übergang erleben, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Wem Bildqualität und Größe wichtig sind, für den ist die Fujifilm XT-2 die richtige Wahl. Beide Systeme bieten eine ausreichend große Auswahl an hochwertigen Objektiven, sodass dieses Argument keine Relevanz bei der Kaufentscheidung besitzt. Einen Ersatzakku sollte man sicherheitshalber bei beiden Kameras einstecken, um den ganzen Tag knipsen zu können. Aber egal, für welche Kamera man sich letztlich entscheidet: eine Fehlentscheidung wird es definitiv nicht. Und wer auf Nummer sich gehen will, kann die Kameras vorab selbst noch einmal bei Photo Planet testen. Ob ich mich über das Wochenende verliebt habe? Ein klein wenig schon. Design, Bedienkonzept und Qualität der XT-2 konnten mich persönlich überzeugen. Ich hoffe jedenfalls bald auf ein zweites Date mit der Kamera. Aber auch die Olympus würde ich keineswegs von der Bettkante stoßen.

Zum Autor: Julian Wenzel wollte die Kameras nur widerwillig wieder zurückgeben. Aber wie das nun auch mal mit Kurzurlauben ist: irgendwann ist mal Schluss. Sein Tipp für gute Fotos am Bodensee ist übrigens, im Herbst zu kommen und früh aufzustehen. Dann gibt es oft Nebel am See, der im Zusammenspiel mit dem Morgenlicht eine ganz eigensinnige Stimmung für Bilder schafft.