Vor rund zwei Jahren wurde vor dem Rathaus in Eislingen für Frieden in der Ukraine demonstriert. Am Samstag findet zum zweiten Jahrestag des Kriegsbeginns ein Gedenkgottesdienst auf dem Schlossplatz statt. Foto: Staufenpress

Vor zwei Jahren begann der Krieg in der Ukraine. In dieser Zeit haben sich viele Helfer dafür eingesetzt, dass die Geflüchteten im Landkreis Göppingen ankommen konnten.

Vor zwei Jahren, am 24. Februar 2022, begann der russische Angriff auf die Ukraine. „Viele dachten damals, dass der Krieg schnell vorbei ist und sie wieder zurückkönnen“, erinnert sich Jana Herrmann vom Café „Hand in Hand“ in Süßen an die Stimmung unter den Flüchtlingen aus der Ukraine. Am Samstag treffen sich viele Ukrainer, von denen viele seit zwei Jahren im Landkreis Göppingen wohnen, zu einem Gedenkgottesdienst in Eislingen und gedenken der Opfer des Angriffskrieges. „Auf dem Schlossplatz werden wir Kerzen anzünden und ein ukrainischer Frauenchor singt“, erzählt Christina Szalontay, die sich bei der Eislinger Stadtverwaltung auch um die Flüchtlingshilfe kümmert.

 

Sprache und Wohnungen

Als vor zwei Jahren die ersten Frauen aus der Ukraine in Eislingen eintrafen, konnten die Helfer vor Ort auf Erfahrungen mit Asylsuchenden und bereits bestehende Strukturen zurückgreifen. „Wir hatten bereits seit 2015 sehr engagierte ehrenamtliche Helfer“, erklärt Christina Szalontay. Viele der Ehrenamtlichen haben selbst erlebt, wie es ist, aus einem fremden Land in Deutschland anzukommen und sprechen Russisch oder Ukrainisch. „Wir haben eine Ehrenamtliche, die aus Kasachstan stammt. Für die Frauen aus der Ukraine war es sehr wertvoll jemanden zu treffen, mit der sie über ihre Erfahrungen sprechen können“, berichtet Szalontay.

Hauptpunkt der Hilfe ist das Café Ukraine in Eislingen, das einmal wöchentlich ein beliebter Treffpunkt für die Ukrainer ist. „Dort ist auch immer der Integrationsmanager, dadurch ergibt sich eine ganz enge Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen“, schildert Christina Szalontay. Dadurch können viele Fragen direkt vor Ort geklärt werden und „ganz viel wird schnell erledigt.“ Vor zwei Jahren waren es vor allem Fragen nach Wohnungen, wie man die Kinder für die Schule anmeldet, ein Bankkonto eröffnet oder einen Arzt findet. „Heute geht es um die Sprache, die Arbeitssuche und darum, welche Versicherungen man braucht“, erzählt Szalontay.

Ukrainische Frauen sorgen sich um ihre Männer an der Front

Was bei vielen ukrainischen Frauen allerdings bleibe, sei die Sorge um die Angehörigen. Das komme immer wieder zum Ausdruck. „Bei manchen Frauen sind die Männer immer noch an der Front, manche seit zwei Jahren“, erzählt Jana Herrmann, die sich in Süßen ehrenamtlich um das Café „Hand in Hand“ kümmert, das dort alle zwei Wochen ein Treffpunkt für die Geflüchteten aus der Ukraine ist. Rund 50 bis 60 Personen aus dem gesamten Landkreis treffen sich in den Räumen des Jugendclubs. „Da sind natürlich immer die Gedanken an die Heimat da“, erklärt Herrmann. Gerade deshalb sei es ganz wichtig, dass die Ukrainerinnen durch die Treffen auf andere Gedanken kommen.

Aber auch in Süßen stehen das Erleben der Sprache und der Austausch über Alltagsfragen genauso auf dem Programm. „Auch nach zwei Jahren ist da immer noch Bedarf“, bestätigt Jana Herrmann. Im Café „Hand in Hand“ wird ein Deutschkurs angeboten, bei dem es vor allem „viel Praxis“ gibt. „Viele haben in den Familien nicht die Gelegenheit, Deutsch zu sprechen“, erzählt die ehrenamtliche Helferin.

Bei den Helfern in Süßen gehören inzwischen drei bis vier Frauen aus der Ukraine fest zum Team dazu. „Nach den Sommerferien werden sie immer mehr Aufgaben von den ehrenamtlichen Helfern übernehmen“, erklärt Jana Herrmann weiter.

Auch in Eislingen beobachtet Christina Szalontay, dass der Bedarf nach ehrenamtlicher Unterstützung weitere abnehme. „Das Ziel ist ja auch, dass die Geflüchteten in der Gesellschaft ankommen und selbstständig leben können.“

Flüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis Göppingen

Geflüchtete
Bis zum 9. Februar wurden im Landkreis Göppingen 4511 Flüchtlinge aus der Ukraine registriert. „Aktuell kommen wenig Ukrainer in den Kreis. Eine Zuweisung durch das Land erfolgt derzeit nicht, da der Landkreis hier aktuell über dem Soll liegt“, erklärt Susanne Leinberger, Pressesprecherin des Landkreises Göppingen.

Unterbringung
3669 Menschen aus der Ukraine wurden im Landkreis zur Anschlussunterbringung in die Städte und Gemeinden verlegt. Wie viele Menschen dort in Privatunterkünften leben oder in Unterkünften der Städte und Gemeinden, sei nicht bekannt, erklärt Leinberger. Darüber, wie viele aus Privatunterkünften aus dem Landkreis verzogen oder ins Herkunftsland zurückgekehrt sind, gibt es keine Statistik. Es werde aber davon ausgegangen, dass sich die meisten noch im Kreis befinden.