Der Autofahrer, der 2024 in Nürtingen zwei Fußgängerinnen tödlich erfasst hat, muss sich wohl nicht strafrechtlich verantworten.
Im Juni 2024 verlor ein Fahrer in Nürtingen die Kontrolle über sein Auto und fuhr in eine Gruppe von Fußgängern, die an einer Ampel gegenüber dem Bahnhof warteten. Dabei wurden zwei Frauen getötet. Fast zwei Jahre lang ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen einen damals 54-jährigen SUV-Fahrer. Nun wurde bekannt, dass das Verfahren gegen den Mann eingestellt wird.
Laut Staatsanwaltschaft könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein medizinisches Problem des beschuldigten Fahrers zu dem Unfall geführt habe. „Ein für eine Anklageerhebung erforderlicher hinreichender Tatverdacht konnte somit nicht begründet werden“, sagte eine Sprecherin. Deshalb werde nun nicht weiter ermittelt. Es sei davon auszugehen, dass der Fahrer vor dem Unfall nichts von dieser Krankheit gewusst habe. Im März dieses Jahres hatte die Behörde aufgrund neuer Erkenntnisse ein weiteres verkehrsmedizinisches Gutachten erstellen lassen. Das dürfte zu der Wende in dem Fall geführt haben.
Hinterbliebene haben Beschwerde eingelegt
Dass der Fahrer Cannabis im Blut hatte, wurde dagegen bereits kurz nach dem Unfall nachgewiesen. Die Staatsanwaltschaft hatte jedoch von Anfang an betont, dass dies noch nichts über die Unfallursache aussage. Es seien in einem Ausschlussverfahren unterschiedliche Szenarien in Betracht gezogen worden, sagte die Sprecherin. Da es möglich sei, dass die Erkrankung des Mannes zu dem Unfall geführt hat, seien andere mögliche Ursachen wie die Drogenfahrt letztlich unerheblich für den Fall.
Die Hinterbliebenen der getöteten Frauen wollen sich offenbar nicht damit abfinden, dass das Verfahren eingestellt wird. Laut der Staatsanwaltschaft haben Familienmitglieder bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Beschwerde eingelegt. Sollte die Staatsanwaltschaft an ihrer ursprünglichen Entscheidung festhalten, geht die Beschwerde zur Prüfung an die Generalstaatsanwaltschaft. Die entscheidet, ob weiter ermittelt werden muss oder nicht. Als letzten Schritt bliebe den Angehörigen ein Klageerzwingungsverfahren, so die Sprecherin. Experten zufolge kommt es aber selten vor, dass solche Verfahren erfolgreich sind.
Nach dem tödlichen Unfall durfte der Fahrer weiterhin Auto fahren. Die Voraussetzungen für eine vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Staatsanwaltschaft hatten nie vorgelegen, sagte die Sprecherin. Die Ermittlungsergebnisse seien aber wie üblich in solchen Fällen auch dem Landratsamt übergeben worden. Im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens kann die Fahrerlaubnisbehörde prüfen, ob Bedenken hinsichtlich der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen bei dem Fahrer bestehen. Unter Umständen müssen Zweifel durch ein positives medizinisch-psychologischen Gutachten ausgeräumt werden.
Zwei Frauen starben, ein 16-Jähriger überlebt schwer verletzt
Das Unglück passierte am frühen Abend des 16. Juni 2024 und hatte in Nürtingen große Betroffenheit ausgelöst. Eine 28-Jährige verstarb noch an der Unfallstelle. Eine 27-Jährige wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht, wo sie später ihren Verletzungen erlag. Ein 16-jähriger Fußgänger überlebte schwer verletzt. Ungebremst war der Fahrer an der Kreuzung Bahnhofstraße/Europastraße mit seinem Mercedes zuerst gegen eine Ampel gefahren und hatte dann eine Menschengruppe erfasst, die dort wartete. Danach prallte der Wagen noch gegen eine Telefonzelle und einen Verteilerkasten, die dabei zerstört wurden. Der völlig demolierte Mercedes kam an der Wand einer Kneipe zum Stehen.