Mathe macht nicht immer glücklich. Foto: dpa

In einem Hostel an der Alexanderstraße haben am Mittwoch beim Manager der Rezeption die Alarmglocken geschrillt. Vor ihm standen zwei zwölfjährige Mädchen, die sich für eine Nacht einquartieren wollten. Schuld daran, war eine Mathe-Note.

Stuttgart - In einem Hostel an der Alexanderstraße haben am Mittwoch beim Manager der Rezeption die Alarmglocken geschrillt. Vor ihm standen zwei zwölfjährige Mädchen, die sich für eine Nacht einquartieren wollten. Der Mitarbeiter des Hostels „Alex 30“ verständigte die Polizei, und es kam heraus, dass er zwei Ausreißerinnen vor sich hatte. Eine der beiden Schülerinnen habe wegen einer Vier in Mathe Stress zuhause befürchtet. Da hätten die Freundinnen beschlossen, dass es besser wäre, sich und den Eltern eine Nacht lang Ruhe zu verschaffen und ein Zimmer in Stuttgart zu suchen.

Der Mann am Empfang schöpft Verdacht

Die Mädchen waren am Nachmittag von Leonberg mit der S-Bahn in die Stadt gefahren, fand die Polizei heraus. Erst wandten sie sich an eines der besseren Häuser am Platz, in dem ein Zimmer zu mieten jedoch ihr Taschengeldbudget überstieg. Die Zwölfjährigen erkundigten sich, wo man denn als Jugendliche günstig übernachten könne, und bekamen das Hostel an der Alexanderstraße empfohlen, auch das kam im Gespräch mit der Polizei ans Licht. Dort angekommen, schöpfte der Mann am Empfang Verdacht. Er habe sie an eine Steckdose gesetzt, wo sie ihre Handys laden konnten, und die Polizei gegen 19 Uhr verständigt. Als die Beamten nachfragten, rückten die Mädchen mit ihrer Geschichte heraus. Die Schülerin, die wegen ihrer Mathenote Ärger befürchtete, habe zuhause auch schon wegen einer Sportnote und einer Tanzaufführung Kritik geerntet, fasst ein Polizeisprecher zusammen, was die Kinder zu der Flucht bewegte. Im Streifenwagen ging es dann zurück nach Hause, wo an dem Abend vermutlich die Mathearbeit nicht mehr im Mittelpunkt der Gespräche gestanden haben dürfte.

Dickes Lob von der Polizei

Die Polizei lobt den Manager der Hostelrezeption, dass er richtig reagiert und Alarm geschlagen habe. Der Manager hält das für selbstverständlich, wundert sich aber über seine Kollegen in dem Hotel, die die Kinder in die Alexanderstraße geschickt hatten: „Es war eindeutig, dass die zwei definitiv noch sehr jung sind. Da muss man doch reagieren und kann die Kinder nicht bei Dunkelheit einmal quer durch die Stadt schicken“, sagt er. In seinem Hostel bestehe die klare Regelung, dass Minderjährige eine Einverständniserklärung der Eltern brauchen, wenn sie ein Zimmer buchen wollen.

Bei Zwölfjährigen, die schließlich noch schulpflichtig seien, würde man in seinem Haus auch erwarten, dass sei volljährige Begleitpersonen haben. „Wir können ja nicht die ganze Nacht aufpassen, dass die nicht rausgehen", erläutert er.

Falls sich die Eltern nach der Erleichterung über die Rückkehr doch noch über die Note ärgern sollten, könnten sie in einem anderen Punkt mal ein dickes Lob an ihre Kinder aussprechen: Die Mädchen hatten laut der Polizei Proviant dabei. Keine Süßigkeiten, keine Cola, kein Fastfood. Sondern Äpfel, Karotten und Orangensaft – wahre Musterkinder also.

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