Der geplante Rückflug der Affalterbacher wurde annulliert. Foto: dpa/von Erichsen

Christel Edelmann und Hartmut Hahmann aus Affalterbach sitzen in Neuseeland fest und hadern mit der Informationspolitik der Bundesregierung und der Deutschen Botschaft.

Affalterbach - Sechs Wochen unbeschwert durch Neuseeland reisen, das wollten Hartmut Hahmann und Christel Edelmann aus Affalterbach, als sie Mitte Februar zu ihrer Reise aufbrachen. Vom Coronavirus hatte man zu dem Zeitpunkt nur entfernt etwas in Deutschland gehört – er wütete hauptsächlich in China. Und auch das Robert Koch-Institut schätzte die Lage zu diesem Zeitpunkt, wie aus der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht, noch als gering ein. Kein Grund also, auf diese Reise zu verzichten. Das Affalterbacher Paar freute sich auf das Abenteuer am anderen Ende der Welt. Dass es nun aber wirklich zu einem solchen ausufern würde, damit hätten die beiden zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet. Doch nun stecken sie mittendrin.

Als die beiden 65-Jährigen gerade in Rotorua auf der Nordinsel unterwegs waren, wurden sie von einem Lockdown – Level 4 – überrascht. „Innerhalb von zwei Tagen wurden wir quasi unter Hausarrest gesetzt. Somit hatten wir keine Möglichkeit mehr weiterzufahren“, berichtet Hartmut Hahmann. Das Gute: „Wir konnten in Rotorua kurz vor dem Lockdown noch ein kleines Ferienhaus finden, das wir nun von Woche zu Woche verlängern. Somit können wir uns seitdem selbst verpflegen, da hier komplett alles geschlossen ist außer den Supermärkten und Apotheken“, erklärt der Affalterbacher, der weiter sagt: „In Neuseeland wird die Ausgangssperre sehr rigoros umgesetzt. Kontakt mit anderen ist aufgrund des Lockdowns kaum möglich.“ Sporttreiben in der Öffentlichkeit ist jedoch auch am anderen Ende der Welt erlaubt. „So können wir wenigstens kleine Wanderungen in der Umgebung des Hauses unternehmen. Die restliche Zeit schlagen wir mit Lesen und Spielen tot“, berichtet Hahmann, der beweist, dass Not auch erfinderisch macht. „Wir haben uns ein ‚Mensch ärgere Dich nicht’-Spiel selbst aufgezeichnet und verwenden die Bauern eines hier gefundenen Schachspiels“, verrät der 65-Jährige, der auch im Vorstand des Schachvereins Marbach ist.

Bis zum Tag des Lockdowns waren Christel Edelmann und Hartmut Hahmann spontan von Unterkunft zu Unterkunft gereist. Von Deutschland aus hatten sie nur ihren Flug und das Auto gebucht. Ihr Rückflug war auf den 6. April datiert – also auf den vergangenen Montag. „Wir hatten Flugtickets von Auckland über Sydney und Abu Dhabi nach Frankfurt. Doch Etihad hat den Flugverkehr komplett eingestellt. Andere Flüge hätten uns nicht weitergeholfen, da Australien eine komplette Sperre, auch von Transitreisenden, verhängt hat“, berichtet der Affalterbacher, der sich und seine Partnerin direkt nach Absage des Fluges in die Rückflugliste des Auswärtigen Amtes eingetragen hat. Seitdem sitzt das Paar wie auf Kohlen. Und das, ohne groß Informationen zu erhalten.

„Auf diverse Anfragen bei der Airline haben wir keinerlei Antwort erhalten. Auf E-Mail-Anfragen bei der Botschaft Wellington haben wir ebenfalls keine Antwort erhalten. Es wurde lediglich auf das Rückholprogramm mit einer automatischen E-Mail geantwortet“, beschreibt Hahmann die Situation. Er moniert: „Es gibt keine Kommunikation. Auf der Internetseite wird lediglich darauf hingewiesen, dass man frühzeitig einen Rückflugtermin genannt bekommt. Dies ist in den vergangenen zweieinhalb Wochen leider nicht geschehen.“ Große Hoffnung hat er nicht, dass die Odyssee bald ein Ende hat.

„Es wird sicher nicht sehr schnell gehen, denn auch bei den geplanten nächsten Flügen wurden wir noch nicht berücksichtigt. Die lückenhafte beziehungsweise fehlende Kommunikation mit der Deutschen Botschaft ist für uns das größte Problem, die ständige Ungewissheit zerrt an den Nerven“, sagt er, will aber nicht von Angst reden. „Sie ist ein schlechter Berater in dieser Lage, nur die Hoffnung zählt. Das Gute ist, dass wir beide 65 sind und somit zumindest nicht vom Arbeitgeber ‚bedroht’.“ Dass er und seine Partnerin am Ende auf den verlängerten Unterkunftskosten sowie den Kosten des Rückfluges über die Deutsche Botschaft sitzen bleiben – geschenkt. Schlimm ist für ihn jedoch, nicht zu wissen, ob und wann es nach Hause geht. Das unbeschwerte Urlaubsgefühl, mit dem das Paar im Februar aufgebrochen war, ist weg. Gewichen einer großen Ungewissheit, Unruhe und Verzweiflung.

Der verzweifelte Brief von Hartmut Hahmann an Außenminister Heiko Maas:

Sehr geehrter Herr Außenminister Heiko Maas,  

ich hoffe, Sie haben die Situation der deutschen Touristen in Neuseeland nicht aus dem Blickwinkel verloren. Nachdem die Deutsche Botschaft etwa eine Woche gebraucht hat, um für die deutschen Staatsbürger überhaupt eine Ausreisegenehmigung aus Neuseeland zu erreichen, läuft die Rückholaktion sehr  schleppend.  Für circa 12 000 in Neuseeland festsitzende deutsche Touristen benötigt man etwa 40 startende Flugzeuge mit 350 Plätzen.

Von Freitag, den 3. April (Beginn der Rückholaktion) bis Donnerstag, 9. April sind etwa zehn Flugzeuge gestartet (aufgrund der diffusen Informationspolitik des deutschen Botschafters kann ich die genaue Zahl nicht angeben). In einem Brief des deutschen Botschafters an seine Landsleute am Montag (6. April) bittet er um Wiederregistrierung der noch in Neuseeland festsitzenden deutschen Touristen, um den weiteren Bedarf an Flugzeugen abschätzen zu können! Dies ist eine Verhöhnung der Betroffenen. Wie lange sollen wir hier noch in Neuseeland festgehalten werden??

In dem jetzt angelaufenem Tempo also etwa noch drei weitere Wochen. Sehr geehrter Herr Maas, wollen Sie dies den festsitzenden deutschen Staatsbürgern in Neuseeland wirklich zumuten? Ich bin enttäuscht von der Hilflosigkeit und unverantwortlichen Arbeitsweise der deutschen Regierung in diesem Fall.