Die Reitanlage in Denkendorf hat nach der Zwangsversteigerung vor dem Esslinger Amtsgericht neue Besitzer. Mit dem Pächter herrscht Einvernehmen über den weiteren Betrieb.
Auch für einen Ponyhof ist das Leben nicht immer ein Ponyhof, wie das Denkendorfer Beispiel zeigt. Die frühere Reitanlage des Reitvereins Denkendorf gehörte bis vor kurzem einer Erbengemeinschaft, deren Uneinigkeit zu einer Zwangsversteigerung vor dem Esslinger Amtsgericht führte. Im Rechtsprech: zu einer „Aufhebung der Gemeinschaft“. Also wechselten die Grundstücke und Gebäude kürzlich die Besitzer. Die Unternehmer Silas und Benjamin Grammlich, ein Brüderpaar, das in Denkendorf eine Industriemontage-Firma, aber auch die Mosterei betreibt, sind die neuen Eigentümer.
Der Pächter Gerhard Müller – seit 2011 mit seinem Ponyhof in der Anlage an der Hohenheimer Straße zugange – bestätigt, dass der Betrieb weiterlaufen werde wie bisher. Mehr noch: Nach dem Ende des Eigentümerstreits durch den Besitzerwechsel sieht er neue Perspektiven für sein Unternehmen. „Wir denken darüber nach, die Angebote für Kinder auszuweiten.“ Mit den neuen Eigentümern sei er in „gutem Einvernehmen“. Das sehen Silas und Benjamin Grammlich genauso, betonen aber: „Wir leben nicht von Luft und Liebe. Die Pachtgebühr muss regelmäßig fließen“, sagt Benjamin Grammlich. Sein Bruder ergänzt: „Wir versuchen es gern mit dem Ponyhof und würden es schön finden, wenn es klappt. Wenn nicht, haben wir Alternativen.“ Eine landwirtschaftliche Nutzung, eventuell in Zusammenhang mit der Mosterei, käme in Frage. Aber: „Wir haben das Areal als Investoren ersteigert, nicht als Betreiber.“ Für die beiden Unternehmer war es ein Schnäppchen, wie sie offen einräumen: Der Preis, so Benjamin Grammlich, „lag deutlich unter dem Verkehrswert“. Diesen beziffert der Gemeinsame Gutachterausschuss im Landkreis Esslingen, ein Gremium von Immobilienexperten, mit knapp 909 000 Euro.
Hoher Sanierungsbedarf
Ins finanzielle Gewicht fällt freilich der teilweise hohe Sanierungsbedarf an den überwiegend 1966 errichteten, zuletzt 1978 an einigen Außenwänden renovierten Gebäuden, den der Gutachterausschuss ebenfalls auflistete. Vor allem im Dachbereich besteht demnach dringender Handlungsbedarf, den Benjamin Grammlich keineswegs leugnet: „Da werden wir investieren müssen.“ In die vier Wohnungen, die zu dem Gebäudekomplex gehören, regne es teilweise hinein. Geplant ist, so Silas Grammlich, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Weitere Sanierungen wolle man gemeinsam mit der Pächterfamilie Müller durchführen, die drei der Wohnungen bewohnt. Die vierte stehe seit längerer Zeit leer und sei verschlossen. „Wir müssen sie erst öffnen lassen. Da erwartet uns wahrscheinlich eine ganz wilde Nummer“, schwant Silas Grammlich.
Auch die Gemeinde hat geboten für Wald und Wiesen
Insgesamt zählen mehrere Gebäude – eine Reithalle, ein Stall, eine Mehrzweckhalle, die Wohnungen und Nebenräume – sowie landwirtschaftliche Flächen, die als Pferdeweide genutzt werden, und ein kleines Waldstück zum Anwesen. „Mit den 800 Quadratmetern Wald kann man nicht viel anfangen“, sagt der gelernte Forstwirt Silas Grammlich. Den laut Gutachten ungepflegten Mini-Forst wollen die neuen Eigentümer an benachbarte Waldbesitzer verkaufen. Interesse gibt es offenbar: Für Wald und Wiesen gingen mehrere Bieter ins Rennen, darunter auch die Gemeinde Denkendorf, teilt Amtsgericht-Pressesprecher Martin Gerlach auf Anfrage mit.
Die Baulichkeiten hingegen wollte niemand haben – außer den Gebrüdern Grammlich, die für das Gesamtpaket aus Flächen und Gebäuden boten. Dass sie am Ende den Zuschlag für alles erhielten, folgt aus der schlichten Tatsache, dass „die Summe der Einzelgebote unter der Höhe des Gesamtgebots der Ersteigerer lag“, erklärt Gerlach.