Wahrscheinlich das berühmteste Gebäude in der Weißenhofsiedlung: Ein Doppelhaus von Le Corbusier. Es gehört bereits der Stadt Stuttgart. 36 weitere Häuser soll das städtische Wohnungsunternehmen kaufen. Foto: dpa

Die weltberühmten Baudenkmale werden vom Bund an das Wohnungsunternehmen der Landeshauptstadt abgegeben. Im Aufsichtsrat der SWSG gab es große Zustimmung zum Kauf. Noch vor November will man zum Notar.

Stuttgart - Das städtische Wohnungsunternehmen SWSG wird die Weißenhofsiedlung mit Kulturdenkmalen im Bauhausstil und auch die benachbarte Beamtensiedlung kaufen. Am Montagabend stimmte der Aufsichtsrat in nichtöffentlicher Sitzung dem Erwerb zu, den sich das Unternehmen knapp 17 Millionen Euro kosten lässt.

Nach Informationen unserer Zeitung gab es in dem 14-köpfigen Gremium unter dem Vorsitz von Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) neben einer Enthaltung nur eine Gegenstimme. Zuvor waren die beiden Vertreter der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus mit dem Ansinnen gescheitert, dass nicht die SWSG die Siedlungen kaufen solle, sondern die Landeshauptstadt selbst. Der Grund: Es gehöre nicht zu den vordringlichen Aufgaben der SWSG, ein Kulturerbe von Weltrang wie die Weißenhofsiedlung zu verwalten, hatten Thomas Adler (Linke) und Luigi Pantisano (SÖS) bereits am Montagnachmittag erklärt. Die SWSG habe sich bisher nicht als Hüterin des Denkmalschutzes hervorgetan. Mieterhöhungen nach dem Kauf müssten ausgeschlossen werden.

SÖS/Linke-plus hätte Kauf durch die Stadt bevorzugt

Dagegen hatte die SPD-Fraktion ebenfalls schon vor der Aufsichtsratssitzung erkennen lassen, dass sie von dem Antrag von SÖS/Linke-plus wenig hält – zumal das öko-soziale Lager im Gemeinderat beschlossen hatte, den Wohnungsbestand der SWSG auf 30 000 Einheiten zu steigern, damit die Stadt auf dem schwierigen Wohnungsmarkt eine dämpfende Rolle spielen kann. „Dann sollte man die SWSG aber nicht desavouieren“, meinte Martin Körner. Beim Kauf müsse man jedoch Vorkehrungen treffen, um spätere Mieterhöhungen zu begrenzen.

Im Aufsichtsrat war das Gros der Mitglieder der Meinung, die SWSG habe die Kompetenz für die Übernahme und Verwaltung der Siedlungen. Dort sei diese Aufgabe besser angesiedelt als bei städtischen Ämtern. Die Siedlungen zu kaufen, bringe den Vorteil, dass sie nicht mehr wie bisher in Bonn verwaltet würden. OB Fritz Kuhn (Grüne) hat versprochen, dass die Weißenhofsiedlung „als Ganzes erhalten bleibt“. Mit der zuständigen Behörde der bisherigen Eigentümerin, der Bundesrepublik, war man sich bereits einig. Der Handel soll noch bis Ende Oktober notariell beurkundet werden.

Die Weißenhofsiedlung wurde 1927 als Werkbund-Ausstellung errichtet. Sie zählt zu den bedeutendsten architektonischen Zeugnissen der Moderne. Zwei Gebäude hat die Unesco zum Weltkulturerbe erklärt – zusammen mit weiteren Werken des Architekten Le Corbusier in anderen Ländern.

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