Die Ausfälle auf der Schönbuchbahn machen auch den Lokführern zu schaffen. Foto: Eibner-Pressefoto/Edward Cheung

Fahren die Nexios oder fahren sie nicht? Diese Unsicherheit gilt nicht nur für die Fahrgäste, sondern auch die Lokführer.

Die Ausfälle auf der Schönbuchbahn strapazieren die Nerven von vermutlich allen Beteiligten und Betroffenen. Wie herausfordernd die Situation auch für die Lokführer sein muss, macht eine Mail deutlich, die unsere Redaktion erreicht hat. „Alle Kolleginnen und Kollegen sind am Anschlag“, schreibt ein Lokführer, der anonym bleiben möchte.

 

Kurzfristige Änderungen in der Schichteinteilung, Fahrgäste, die ihren Ärger an den Lokführern ausließen – „hier wird definitiv auf die falschen eingeprügelt“ – und Fehler an den Fahrzeugen, auf die sie reagieren müssten – all das sei belastend. „Die Kollegen wissen stellenweise bei Dienstende nicht wie sie oder ob sie am Folgetag arbeiten.“

Blick aus dem Führerhaus eines Nexios: die Situation auf der Schönbuchbahn belastet die Lokführer. Foto: Stefanie Schlecht

WEG-Geschäftsführer äußert sich zur Schönbuchbahn

Als belastend bezeichnet auch Jan Schillinger, Geschäftsführer der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG), die Situation. Die WEG wurde vom Zweckverband Schönbuchbahn (ZVS) mit dem Betrieb der Schönbuchbahn beauftragt. Sie beschäftigt laut Schillinger 17 Fahrer auf der Strecke.

Der Geschäftsführer spricht von einer „großen Unsicherheit“ für seine Mitarbeitenden und das Unternehmen. Es sei nicht möglich, so wie eigentlich laut Tarifvertrag vorgesehen, die Dienstpläne ausreichend vorher und verlässlich auszurollen. „Das ist für uns absolut unbefriedigend.“

Schönbuchbahn: Fehler häufen sich

Grundsätzlich hätten sich die WEG-Mitarbeitenden sehr auf die neuen Nexio-Fahrzeuge gefreut. „Denn in vielerlei Hinsicht bieten sie einen deutlichen Mehrwert gegenüber den alten Dieselfahrzeugen.“ Bei der Ausbildung an den neuen Nexios, die inzwischen abgeschlossen ist, hätten sich die Mitarbeitenden neugierig und wissenshungrig gezeigt. Aber: „Die zahlreichen Störungen haben die Euphorie deutlich gebremst.“

Doch Schillinger nimmt das baskische Unternehmen CAF auch in Schutz. Fehler könnten bei jeder Baureihe auftreten. Für solche Fälle stehe ein sogenannter Störsuchplan zur Verfügung, an dem sich die Triebfahrzeugführer entlang hangelten, um die Störung zu beseitigen. „Besonders“ sei jedoch die aktuell „gehäufte Anzahl von Störungen“, die zu einer Mehrbelastung der Mitarbeitenden führe.

Ausfälle bei der Schönbuchbahn: Fehlermeldung für Mitarbeiter schwierig

Außerdem ist der Prozess, um Fehler zu melden, offenbar komplexer geworden. Die alten Dieselfahrzeuge wurden von der WEG instand gehalten. Die Nexios werden nun aber von CAF-Mitarbeitern gewartet. Diese zwar nachvollziehbare Regelung bedeutet für die WEG-Mitarbeitenden eine neue „Schnittstelle“, wie Schillinger schreibt, und Kontakt zu einem externen Partner bei Fragen, die sie vorher intern klären konnten.

Doch offenbar ist nicht nur der Prozess komplexer, auch der Kontakt scheint schwieriger geworden zu sein. So schreibt der Lokführer von einer Werkstatthotline von CAF, die nur bedingt zur Verfügung stehe und am Wochenende gar nicht. Er könne sich das nicht erklären, sagt hingegen CAF-Projektmanager Gerhard Ferstl dazu. Die Hotline-Zeiten seien mit dem ZVS und der WEG abgestimmt und sollten, so Ferstl, passen.

Busse ersetzen derzeit die Schönbuchbahn

Seit die Schönbuchbahn im Sommer mit vierjähriger Verspätung an den Start ging, häufen sich die Ausfälle. Derzeit ersetzen Busse die Züge. Vor Kurzem hatte Landrat Roland Bernhard dem Unternehmen ein Ultimatum gesetzt: Bis zum 23. Februar müssen wieder Züge fahren. Ein Zeitplan, den CAF laut Ferstl einhalten kann.

Für die Lokführer wäre der Neustart am 23. Februar ein Lichtblick. Zwar werden sie laut Schillinger derzeit – soweit möglich – auf anderen Strecken eingesetzt. Und trotzdem: „Die vielen Störungen und Ausfälle nagen da am Selbstbild des Eisenbahners, der die Räder am liebsten rollen sieht“, so Schillinger.