Der LBBW-Hauptsitz in Stuttgart Foto: dpa/Marijan Murat

2022 übernahm die Landesbank die Berlin Hyp. Jetzt soll der Immobilienfinanzierer in den Mutterkonzern integriert und umstrukturiert werden. Das bekommen auch die Beschäftigten zu spüren.

Die Landesbank Baden-Württemberg LBBW bündelt ihr gewerbliches Immobiliengeschäft unter der Marke der Tochter Berlin Hyp – im Zuge dessen dürften konzernweit rund 300 Jobs wegfallen. Die LBBW geht davon aus, dass es unterm Strich zu deutlich weniger Entlassungen kommen wird, und verspricht Beschäftigten sozialverträgliche Lösungen in Absprache mit den Arbeitnehmervertretungen.

 

Die LBBW hatte die Berlin Hyp 2022 übernommen und ihr Geschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung damit deutlich vergrößert. Durch die Zusammenlegung soll einer der europaweit führenden Akteure in diesem Bereich entstehen. Konkret will die LBBW dafür im ersten Halbjahr 2025 eine neue Immobilienbank unter der Leitung von Sascha Klaus gründen, dem bisherigen Vorstandsvorsitzenden der Berlin Hyp.

LBBW: Beschäftigtenzahl dürfte unterm Strich nur um rund 150 sinken

Der geplante Jobabbau geht laut einer Konzernsprecherin nicht zulasten ganzer Abteilungen, die durch die Zusammenlegung bei der einen oder anderen Gesellschaft überflüssig würden. Doppelstrukturen und Überschneidungen gebe es zwischen LBBW und Berlin Hyp nicht viele. Ein Teil der Stellenstreichungen werde zudem durch andere Wachstumsinitiativen im Konzern und die demografische Entwicklung aufgefangen. Derzeit gehe man davon aus, dass die Nettobeschäftigtenzahl um maximal 150 sinke. Zur Einordnung: Zusammen haben LBBW und Berlin Hyp rund 11 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deutlich über 10 000 davon entfallen auf die Landesbank.

Bei der Übernahme der Berlin Hyp waren den Arbeitnehmern dreijährige Bestandsgarantien gegeben worden, die im ersten Halbjahr 2025 auslaufen. Das Management erhofft sich von der Geschäftsbündelung deutliche Einsparungen. Die Landesbank rechnet auf längere Sicht mit jährlichen Kostensenkungen von rund 100 Millionen Euro. Wie häufig bei Umstrukturierungen fallen zunächst aber finanzielle Belastungen an – etwa durch Ausgaben für den Konzernumbau und Abfindungen. Die LBBW geht nach aktuellem Planungsstand von Kosten in Höhe von etwa 150 Millionen Euro aus, die bis zum Abschluss der Zusammenlegung Ende 2025 entstehen dürften.

„Wir gründen eine leistungsstarke Immobilienbank, die als integraler Bestandteil der LBBW unsere Schlagkraft in einem unserer Kerngeschäftsfelder deutlich erhöht“, verkündete Vorstandschef Rainer Neske. „Mit der Bündelung der Aktivitäten steigern wir unsere Relevanz am Markt und können zugleich Skaleneffekte und Effizienzgewinne realisieren.“ Die Zusammenführung sei die konsequente Fortsetzung des bisherigen Wegs. Nach der Übernahme sei die Zusammenarbeit bereits schrittweise ausgebaut worden, so stehe etwa das Risikomanagement schon unter zentraler Leitung.

Gewerbeimmobilienkrise konnte LBBW bislang nicht viel anhaben

Für die Berlin Hyp stellt die Konsolidierung dennoch einen tiefen Einschnitt und das Ende ihrer bisherigen Firmenstruktur dar. Die neue Immobilienbank entsteht als unselbstständige Anstalt öffentlichen Rechts innerhalb der LBBW – ein ähnliches Modell wie bei der regionalen BW-Bank für Baden-Württemberg. Bisher ist die Berlin Hyp unter dem Konzerndach eine eigenständige Tochter. Noch im September 2023 hatte Vorstandschef Klaus gegenüber dem Fachportal „Finanzbusiness“ erklärt, dass keine Zusammenlegung mit Geschäften der LBBW geplant sei. Immerhin trägt die neue Immobilienbank die Marke der Berlin Hyp, die nach der Integration in den Mutterkonzern als organisatorisch eigenständige Einheit weitergeführt werden soll.

Die Gewerbeimmobilienmärkte entwickelten sich in den vergangenen Jahren zusehends zum Krisenherd – die Coronapandemie drückte den Bedarf an Büros, eine Erholung ist ungewiss. Die LBBW, die zudem auch noch vom Debakel um den österreichischen Immobilieninvestor René Benko getroffen wurde, brachte dies bislang aber nicht in Bedrängnis. Trotz der schwierigen Marktlage schaffte sie in der Sparte im ersten Halbjahr 2024 ein Gewinnplus von 65 Prozent auf 190 Millionen Euro. Zusammen haben LBBW und Berlin Hyp in der gewerblichen Immobilienfinanzierung ein Engagement von 63 Milliarden Euro, von denen rund die Hälfte von der Berlin Hyp stammt.