Zur von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) vorgeschlagene zusätzliche Tiefbahnhof in Stuttgart soll das Land Klarheit schaffen. Das fordern die Liberalen im Landtag und haben deswegen einen Fragenkatalog vorgelegt.
Stuttgart - Die Diskussion um den von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) vorgeschlagenen zusätzlichen unterirdischen Bahnhof in Stuttgart hat den Landtag erreicht. Der neu gewählte FDP-Landtagsabgeordnete Christian Jung hat der Landesregierung einen Fragenkatalog vorgelegt. Jung und weitere Liberale wollen unter anderem wissen, was die Machbarkeitsstudie gekostet hat und auf wessen Veranlassung hin das Gutachten in Auftrag gegeben worden ist.
Mitte April hatte unsere Zeitung Ergebnisse der Studie öffentlich gemacht. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass für das Vorhaben, das neben einem zusätzlichen Tiefbahnhof weitere fünf Kilometer Tunnel in Stuttgart erforderlich machen würde, „erheblicher Bauaufwand“ vonnöten sei. Untersucht wurden mehrere Varianten, die allenfalls mittelmäßige Bewertungen bekommen haben. Auf einer Skala von 1 bis 5 kamen sie auf Werte zwischen 2,2 und 3,3. Jung möchte nun wissen, „anhand welcher Kriterien von wem die Auswahl zwischen den vier Varianten getroffen wurde“. Der Verkehrspolitiker stellt auch die Frage nach der Notwendigkeit einer zusätzlichen Station. Von der Landesregierung möchte er die „Darstellung einer realistischen Fahrplanprognose die verdeutlicht, weshalb diese mit der bisherigen Planung des Bahnknotens Stuttgart nicht realisierbar wäre“.
Laut Gutachten soll das Vorhaben rund 770 Millionen Euro kosten. Hermann kündigte an, man wolle das Projekt über das sogenannte Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz finanzieren. Dabei würde der Bund 75 Prozent der Kosten übernehmen. Der Rest muss aus anderen Töpfen kommen. Jung will wissen, wie die erforderliche „Kofinanzierung erfolgen soll, ohne dass anderweitige Vorhaben gefährdet oder verzögert werden“. Neben Antworten auf die Fragen erwarten die Liberalen auch, dass die Studie den Landesparlamentariern zugänglich gemacht wird.
Die grün-schwarze Koalition hatte sich auf einen weiteren Ausbau des Bahnknoten Stuttgart geeinigt – inklusive der Ergänzungsstation, die auf Flächen der Stadt realisiert würde, die daher ihre städtebaulichen Ziele gefährdet sieht. Jung möchte von der Landesregierung wissen, „wie sie das Einvernehmen mit Stadt und Region bezüglich der Realisierung der Nahverkehrs-Ergänzungsstation herstellen will“.