Ordnungsbürgermeister Martin Schairer beklagt Personalengpässe im Ausländeramt der Stadt Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Kein Amt ist in diesen Tagen mehr im Blickpunkt als die Ausländerbehörde. Dort ist man kaum mehr in der Lage, den Besucherandrang zu bewältigen. Neue Stellen sollen nun Abhilfe schaffen.

Stuttgart - Kein Amt ist in diesen Tagen mehr im Blickpunkt als die Ausländerbehörde. „Die Lage ist unverändert“, sagt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) vor den Gemeinderäten im Sozialausschuss, „aber inzwischen hat sie sich so verschärft, dass wir das Amt massiv verstärken müssen.“ Die täglich 330 Besucher waren kaum noch zu bewältigen. Wegen des Personalmangels konnten nur drei der vier Schalter in der Eberhardstraße geöffnet werden. So kam es zu extrem langen Wartezeiten.

„Aber jetzt bekommen wir das Problem langsam in den Griff“, sagt Schairer. Nun bekommt die Ausländerbehörde fünf neue Vollzeitstellen und vier im Assistenzbereich. Weitere vier Stellen ­sollen folgen. Um die Situation besser verstehen zu können, muss man jedoch Folgendes wissen: In keiner anderen Behörde der Stadt ist der Krankenstand so hoch. Von den insgesamt 93 Stellen, die 148 000 Ausländer und 6231 Flüchtlinge betreuen, sind überdurchschnittlich viele Mitarbeiter krank. Im Schnitt liegt der Krankenstand im Jahr bei 26 Tagen. In anderen Ämtern der Stadt liegt der Wert bei elf Tagen. „Das sind umgerechnet etwa fünf Stellen, die uns pro Jahr fehlen“, erklärt Amtsleiterin Dorothea Koller.

Hohe Fluktuationsrate im Amt

Damit nicht genug. Noch eine Besonderheit gibt es in der Behörde: Nirgendwo halten es die städtischen Mitarbeiter im Schnitt kürzer aus. „Die Fluktuationsrate liegt bei uns bei 22 Prozent, der Durchschnitt der Stadt liegt bei acht Prozent“, sagt Koller. Ihre Erklärung für die Wechselfreude lautet: „Es sind sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, die anderswo mit Kusshand genommen ­werden und dort teilweise besser bewertet werden.“ Unterm Strich müsse das Amt ­aufgrund der Fluktuation mit 3,6 Stellen weniger auskommen, rechnet Koller vor.

Ganze 16 Stellen verschlinge jedoch eine andere Tatsache: „Aufgrund der schweren Materie haben wir eine sehr hohe Einarbeitungszeit.“ Bevor ein Mitarbeiter in der Ausländerbehörde alle rechtlichen Kniffe und Verordnungen kennt, vergeht ein Jahr. „Alle drei Faktoren zusammengenommen, Krankenstand, Fluktuation und Einarbeitungszeit, kosten uns Ressourcen von 24 Stellen. Und das führt zu den massiven Engpässen“, sagt Koller.

Doch durch die erste Personalanpassung will Dorothea Koller „versuchen, im neuen Jahr wieder mehr Schalter anbieten zu können“. Weitere Maßnahmen sollen ebenfalls zu einer Entspannung führen. Dazu zählt auch eine Ausgliederung der Flüchtlings­ab­teilung in den kommenden Wochen in die Jägerstraße. Eine andere Reaktion des Amtes auf die Lage sei laut Koller am Rande der Legalität: „Wir verlängern Gestattungen von Flüchtlingen um ein Jahr statt der gesetzlich vorgeschrieben sechs Monate.“ Gleiches Prozedere gilt bei den Duldungen. Statt der vorgeschriebenen drei Monate duldet die Stadt Flüchtlinge um weitere sechs Monate.

Betriebsklima soll besser werden

Zuletzt ist Dorothea Koller auch bemüht, das Arbeitsklima innerhalb ihrer Behörde zu verbessern. Dafür bewilligte man ihr 15 000 Euro. „Wir wollen damit Dinge machen, die unseren Mitarbeitern guttun. Etwa gemeinsame Abendessen oder eine Kaffeemaschine anschaffen.“