Ein engagierter Unternehmer und überzeugter Europäer: Der überraschend gestorbene Eberspächer-Chef Heinrich Baumann Foto: oh/KD Busch.com

Die Wirtschaft im Südwesten hat mit dem überraschenden Tod von Heinrich Baumann eine ihrer renommiertesten Unternehmerpersönlichkeiten verloren. Der Eberspächer-Chef war ein überzeugter Europäer.

Stuttgart - Die Wirtschaft im Südwesten hat eine ihrer renommiertesten Unternehmerpersönlichkeiten verloren: Heinrich Baumann, der geschäftsführende Gesellschafter des Esslinger Autozulieferers Eberspächer starb bei einer Bergwanderung in den Tegernseer Alpen am plötzlichen Herztod. Führende Repräsentanten der Wirtschaft in Baden-Württemberg reagierten betroffen auf die Nachricht. „Mit Bestürzung und Fassungslosigkeit haben Mitglieder unserer Präsidien, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Kammer, aber auch ich selbst vom plötzlichen Tod unseres Vizepräsidenten erfahren“, sagte Marjoke Breuning, die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart.

 

„Bestürzung und Fassungslosigkeit“ dürften noch eine ganze Weile anhalten. Zu überraschend war der Tod von Heinrich Baumann, der nur 54 Jahre alt wurde und der in vielen Gesprächen mit seinem jugendlichen Charme bestach. Er wirkte jünger, gleichwohl er zusammen mit Martin Peters an der Spitze eines Unternehmens mit 10 000 Beschäftigten stand. Und nicht nur dies: Als Vizepräsident der IHK Region Stuttgart und Präsident des Landesverbands der Industrie trug er auch Verantwortung außerhalb des eigenen Unternehmens – eine Verantwortung, die ihn in den vergangenen Jahren weniger drückte als Ansporn für entschlossenes Handeln war.

Die Ausbildung des Nachwuchses lag ihm am Herzen

In den letzten Monaten aber musste er an bedrückenden Entscheidungen mitwirken: Aus Kostengründen sollen nach den Plänen der Geschäftsführung die Produktion in Esslingen stillgelegt und das Werk in Schwäbisch Gmünd geschlossen werden. Belegschaften und IG Metall liefen Sturm gegen diese Pläne. Es braucht nicht viel Vorstellungskraft, dass sich Baumann in seiner Haut nicht sehr wohlgefühlt haben mag, er konnte aber die roten Zahlen etwa in der Produktion in Esslingen auch nicht einfach ignorieren.

Eine Herzensangelegenheit waren Baumann die Ausbildung junger Menschen und die Vereinigung Europas. Als Präsident der Bezirkskammer Esslingen konnte er in seinen mehr als zehn Jahren an der Spitze dieser zur IHK Region Stuttgart gehörenden Regionalkammer Hunderte von jungen Frauen und Männern auszeichnen. Solche Auftritte hat er gern absolviert, nicht nur wegen der Sicherung des Nachwuchses für die Unternehmen der Region, sondern auch weil er sich stets für die Zukunft der jungen Leute engagierte. Und Europa, das immer noch so unvollständige, das war für ihn nicht nur Anlass zur Klage, sondern auch zum Weiterbauen und zu einem persönlichen Bekenntnis: „Europa bedeutet für mich Frieden, Freiheit und Wohlstand. Deshalb ist Europa für mich so wichtig“, sagte er einmal in einem Interview – auch mit Blick auf die Generation seiner Eltern und Großeltern, die ebendiesen Frieden und vielfach auch diese Freiheit nicht hatten.

Ein Ururenkel des Unternehmensgründers

Heinrich Baumann war der Ururenkel des Unternehmensgründers Jakob Eberspächer aus Esslingen. Dieser hatte 1865 am Neckar einen Handwerksbetrieb gegründet und sich damit auf metallgefasste Dachverglasungen spezialisiert. Fassadenverkleidungen aus Metall, das war noch lange neben der Produktion von Abgasreinigungsanlagen einer der Bereiche, in denen das Unternehmen aktiv war. Aus dem Handwerksbetrieb ist – typisch vielfach für die Industrialisierung in Baden-Württemberg – ein weltweit tätiges Unternehmen geworden. Die 10 000 Mitarbeiter sind an 80 Standorten tätig – als Baumann 2004 in die Unternehmensleitung eintrat, standen erst 5000 Beschäftigte auf den Lohn- und Gehaltslisten. Im vergangenen Jahr erzielte die Gruppe einen Umsatz von fast fünf Milliarden Euro – damit lag sie auf Platz 22 unter den 50 größten Unternehmen im Südwesten.