Ob als Sozialarbeiter, als Kultur-Aktivist, Kommunalpolitiker oder vor Ideen sprühender Kreativer – Werner Bolzhauser hat in Esslingen viel bewegt. Nun ist er gestorben. Der unermüdliche Vorsitzende des Vereins Kultur am Rande hinterlässt eine schmerzliche Lücke.
Aufmerksame Kulturflaneure haben beim Festival „Stadt im Fluss“ ein Boot bemerkt, das im Rossneckar vertäut war. Darauf eine Flasche Rotwein, eine Zigarettenschachtel – und ein Porträt von Werner Bolzhauser. Viele haben gerätselt, was es damit auf sich hat. Enge Freunde des engagierten Sozialarbeiters, Kulturaktivisten und Kommunalpolitikers wussten da bereits, was nun für alle traurige Gewissheit ist: Werner Bolzhauser ist tot. Die Nachricht vom Tod des 75-Jährigen hat nicht nur Familie und Freunde hart getroffen, sondern alle, die ihn als unermüdlichen Streiter für die Schwachen und für die Kultur schätzen gelernt hatten. Mit Bolzhauser verliere man „eine verdiente Persönlichkeit, die sich auf vielfältige Weise um Esslingen verdient gemacht hat“, wie es in einer Todesanzeige der Stadt heißt.
„Mitessen kann nur, wer mitkocht“
Werner Bolzhauser hat als Mitarbeiter der Evangelischen Gesellschaft stets dafür geworben, dass auch die Schwächsten ihren festen Platz inmitten der Gesellschaft haben müssen. Um auf die Wohnungsnot aufmerksam zu machen, hat er mit Obdachlosen ein Boot mit riesigem Rucksack gebaut, mit dem die Bootsbauer 1991 von Esslingen medienwirksam in die damalige Bundeshauptstadt Bonn geschippert sind. Aktionen wie diese hat Bolzhauser gern initiiert – zuletzt waren es bellende Plastikhunde, die Radfahrer daran erinnerten, dass sie auf Gehwegen nichts zu suchen haben. Um seine Anliegen in die Kommunalpolitik zu tragen, saß Bolzhauser von 2009 bis 2016 für Die Linke im Gemeinderat. Er hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. Den Mächtigen zu sagen, was sie gerne hören, überließ er anderen. Sein Credo: „Mitessen kann nur, wer auch mitkocht.“
„Kultur ist, wie der ganze Mensch lebt“
Und noch ein Grundsatz hat Bolzhauser stets begleitet: „Kultur ist, wie der ganze Mensch lebt.“ Er hat sich unermüdlich für die Kultur eingesetzt und gezeigt, wie wichtig Kunst und Kreativität gerade für Menschen im Abseits sind. Unvergessen ist, wie er mit Obdachlosen Schlemmers „Triadisches Ballett“ aufgeführt hat. Bolzhauser hat 1999 den Verein „Kultur am Rande“ gegründet, der 2006 mit einem Bundespreis für ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wurde. Die Spinnerei, das Domizil des Vereins, bietet Künstlerinnen und Künstlern ein Forum. Dort hat er Bühnenvorlagen wie Gorkis „Nachtasyl“ oder „Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo inszeniert. Und er hat eigene Stücke eindrucksvoll auf die Bühne gebracht. Er hat Festivals wie das bundesweite Treffen der Obdachlosentheater organisiert und in der Kulturpolitik viele Akzente gesetzt. „Wir werden Werner Bolzhauser und sein Erbe in Ehren halten“, hat OB Matthias Klopfer versichert. Viele sind sich einig: Einer wie er ist nicht zu ersetzen. Doch wenn die Stadtgesellschaft das Versprechen des Oberbürgermeisters beherzigt, wird Werner Bolzhausers Vermächtnis im Verein Kultur am Rande weiterleben.