Rolf Zacher (1941-2018) spielte authentisch unseriös viele Gaunerrollen im Kino und Fernsehen. Foto: dpa

Wenn Rolf Zacher ins Bild trat, floh die Seriosität zur Tür hinaus. Und das war meist gut so. Der nun mit 76 Jahren verstorbene Schauspieler war Spezialist für Typen, die nicht an den geraden Weg glauben.

Stuttgart - Es gibt Runzelfelder, die zeugen nur von großer Müdigkeit. Die Falten im Gesicht des Schauspielers Rolf Zacher waren eher als Zeugen eines amüsierten Gelangweiltseins zu deuten. „Kommt“, schien dieses Antlitz Gott, der Welt und allen Zweibeinern zu sagen, „wenn Ihr mich drankriegen wollt, müsst Ihr früher aufstehen, ich hab das alles schon mal gesehen.“ Weshalb Zacher, der nur so singen konnte wie ein Kanonenofen hüpfen, im Alter doch ein paar eindrucksvolle Sprechgesang-Aufnahmen gelangen: „Die fetten Jahre sind vorbei, heute ist alles nur Kartoffelbrei“, das klang auf seiner CD „Danebenleben“ 2011 erstaunlicherweise nicht albern, sondern wie eine ziemlich existenzielle Ansage.

Nur war Zacher, der am 3. Februar in dem Hamburger Pflegeheim, in dem er seit 2017 lebte, im Alter von 76 Jahren gestorben ist, kein verbitterter Weltverneiner. Die Gegenwart nicht zu mögen, sich um die Vergangenheit nicht zu scheren und an die Zukunft nicht zu glauben, das bedeutete für ihn und für viele seiner Figuren die Befreiung von der Verantwortung für jede Art von Utopie. Gerade mit einer Riesenportion Skepsis gegenüber großen Ideen kann man sich darauf einlassen, dem Augenblick den größtmöglichen Spaß abzuringen.

Dass Zacher in vielen TV-und Kinoproduktionen wunderbar den Gauner vom Dienst gab, hatte wenig mit krimineller Energie zu tun, mit der Lust, anderen zu schaden. Eher mit dem Unglauben, der gerade Weg könne irgendwo anders hinführen als in Knechtschaft und Abstumpfung.

Um ein paar Erfahrungen reicher

Gelernt hatte Zacher Bäcker, ausprobiert hatte er einige Berufe, bis sein markantes Gesicht auf der Straße jemandem aus dem Filmgeschäft auffiel. 1961 hatte er seinen ersten Auftritt im heute vergessenen Film „Zu jung für die Liebe“, von da an rissen die Aufträge nie ab.

Seine besten Rollen kamen ab 1980, in Reinhard Hauffs „Endstation Freiheit“, in Fassbinders TV-Serie „Berlin Alexanderplatz“ und Bernhard Sinkels TV-Mehrteiler „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Typisch, dass ihn jetzt seine lange halbwegs verborgene Heroinsucht einholte. Nach mehreren Therapien und Gefängnisaufenthalten sah er sich nicht aus der Bahn geworfen, sondern um ein paar Erfahrungen reicher. Er nahm an Rollen stets, was er kriegen konnte, spielte in Hans W. Geissendörfers „Zauberberg“-Adaption (1982), im „Tatort“, in „Liebling Kreuzberg“ und im Kinderfilm „Quatsch und die Nasenbärbande“ (2004). Wenn Rolf Zacher ins Bild trat, floh die Seriosität zur Tür hinaus. Und das war meist gut so.

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