Zum Tod des Ventures-Gitarristen Nokie Edwards Der lässigste Surfmusiker aller Zeiten

Von Thomas Klingenmaier 

Nokie Edwards (1935-2018) hat mit der Band The Ventures und mit Soloprojekten viele Laien fürs Gitarrespielen begeistert – und Profis neidisch gemacht. Foto: Youtube
Nokie Edwards (1935-2018) hat mit der Band The Ventures und mit Soloprojekten viele Laien fürs Gitarrespielen begeistert – und Profis neidisch gemacht. Foto: Youtube

Nokie Edwards ließ alles ganz einfach klingen, er stand auf der Bühne, als müsse er sich kein bisschen anstrengen. Aber was er Jahrzehnte lang auf Instrumentalhits wie „Walk, Don’t Run“ bot, war E-Gitarrenkunst vom Feinsten.

Stuttgart - Auch bei Menschen, die viel Oldies hören, wird der Name Nokie Edwards nicht gleich ein Glöcklein läuten lassen. Aber ohne diesen Mann wären im Lauf der Jahrzehnte wohl einige zigtausend E-Gitarren weniger verkauft worden. Edwards war der entspannteste und virtuoseste Surfgitarrist aller Zeiten, der genialste der trickreichen Supergruppe The Ventures.

Alles, was die an Instrumentals lieferte, klang so eingängig, spaßig, locker, als könne man das zwei Wochen nach Kauf der ersten eigenen Gitarre und nach ein bisschen Herumnudeln auf den Saiten gleich mal nachspielen. Ihrem ersten Hit „Walk, Don’t Run“ von 1960 folgten unter anderem die Ohrwürmer „Bulldog“, „Yellow Jacket“, „Apache“, „Tequila“, „Hawaii Five-0“ und natürlich das von allen Surfbandsgespielte, ursprünglich von den Surfaris stammende „Wipe Out“.

Vor allem Nokie Edwards hat das Beiläufige des Halsbrecherischen, das Lässige des Knöchelausrenkenden, die Untertreibung der Bravourstücke mit einer Grandezza perfektioniert, die jede Menge erstklassiger Gitarristen Bescheidenheit gelehrt hat. Am 12. März ist Nokie Edwards, der mit den „Ventures“ immer wieder Welttourneen absolvierte, aber auch Soloprojekte verwirklichte, im Alter von 82 Jahren gestorben.

Seine Musik entzückt noch Jahrzehnte nach den ersten Aufnahmen so, dass selbst Menschen, die beim langsamen Foxtrot Gleichgewichtsstörungen bekommen, glauben, sie könnten ein Surfbrett aufs Autodach schnallen, ans nächste Meer fahren und über die Wellen reiten. Auch Surfen klang in der Soundtrackvariante von Edwards wie etwas, das man souverän und sofort beherrschen würde, so wie der Löwenzahnsamen ohne Üben das Fliegen.

Ein paar Kostproben von Edwards entspannter Haltung und großer Musikalität haben wir bei Youtube anlässlich seines Todes herausgesucht.

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