Ray Barra (1930–2025) Foto: Ken Bell

Für ihn hat John Cranko die Rolle des Romeo choreografiert, die er mit Marcia Haydée tanzte: Ausnahmetänzer Ray Barra. Nun ist der ehemalige Erste Solist des Stuttgarter Balletts im Alter von 95 Jahren gestorben.

Er war Marcia Haydées erster Romeo in Stuttgart: Ray Barra. In den Rollen des wohl berühmtesten Liebespaares „Romeo und Julia“ wurden er und die Haydée 1962 berühmt. Am 26. März 2025 nun starb – 95-jährig – der ehemalige Erste Solist des Stuttgarter Balletts. Zu dessen Anfangsjahren hatte er einen wichtigen Anteil am Stuttgarter Ballettwunder. John Cranko war 1961 in die baden-württembergische Landeshauptstadt als Ballettchef und Choreograf engagiert worden. Und mit Barra hatte er einen der bedeutendsten Tänzer im Ensemble. Er choreografierte für ihn neben Romeo Rollen wie Onegin oder die Prinzen in „Schwanensee“ und „Der Feuervogel“. Bis ein Unfall Barras Karriere frühzeitig beendete: 1966 riss ihm bei der Generalprobe zu einem Gastspiel in Bonn seine rechte Achillessehne just an seinem 36. Geburtstag.

 

Ballettchef an der Deutschen Oper in Berlin

Nach einer schwierigen Zeit nahm er den Posten eines Ballettmeisters an der Deutschen Oper Berlin an – unter Kenneth MacMillan, der ihn schon in Stuttgart in seinem weltberühmtem „Lied von der Erde“ besetzt hatte. Später arbeitete Barra mit John Neumeiers Hamburger Ballett, dem Ballett der Oper Frankfurt, dem Ballet Nacional de España. Von 1994 bis 1996 war er Ballettchef an der Deutschen Oper in Berlin.

Ray Barra und Marcia Haydée Foto: Alo Storz

Als Choreograf hatte Barra sein Talent schon Mitte der 1960er-Jahre bewiesen, etwa bei den Matineen der Stuttgarter Noverre-Gesellschaft. Später schuf er für Oper, Operette und Musical-Produktionen Stücke von Stuttgart, Berlin und Frankfurt bis Wien, Madrid und San Francisco, fasste große Stoffe neu wie „Don Quijote“, „Schwanensee“ und die viel beachtete „Raymonda“.

Menschlich, gut gelaunt, aufbauend

In San Francisco wurde er am 3. Januar 1930 als Raymond Martin Barallobre Ramirez geboren. Der Stadt am Pazifik, vor allem seinen spanischen Wurzeln, blieb Barra seit Lebens verbunden. Mit dem Tänzer Maximo Barra, seiner großen, 54 Jahre währenden Liebe, zog er Ende der 1990er nach Marbella, des besseren Wetters wegen. Das erfährt man im Buch zu seinem 90. Geburtstag, „A Life in Ballet“ von Victor Hughes. Der Tänzer beschreibt Barra als zutiefst menschlich, gut gelaunt, aufbauend. „Ray hat eine unglaublich angenehme Art – im Ballettsaal wie auch im persönlichen Umgang. Er ist fordernd, kann auch streng sein, aber er ist immer fair. Er putzt nie jemanden herunter, sondern motiviert positiv.“

1959 kam er nach Stuttgart

Als Kind sah Barra die Filmklassiker mit Tanzikonen wie Fred Astaire und Gene Kelly und wusste: „Ich werde Tänzer“. Er lernte steppen, studierte an der San Francisco School for Ballet und der American Ballet Theater School. Das San Francisco Opera Ballet engagierte ihn, danach avancierte er im American Ballet Theater zum Solisten, bevor er 1959 zum Stuttgarter Ballett kam und unter „Papa“ Nicholas Beriozoff das gesamte klassische Repertoire tanzte.