Zum Tod der Jazz-Club-Besitzerin Lorraine Gordon New Yorker Jazzclub-Chefin

Von ha 

Lorraine Gordon (links) 2013 mit ihrer Tochter Deborah, die das Village Vanguard übernehmen wird. Foto: AFP
Lorraine Gordon (links) 2013 mit ihrer Tochter Deborah, die das Village Vanguard übernehmen wird. Foto: AFP

Zuerst trieb sie die Karrieren der Jazz-Musiker voran, deren Alben ihr erster Mann Alfred Lion auf seinem Label Blue Note veröffentlichte, dann managte sie den legendären New Yorker Jazz-Club The Village Vanguard. Nun ist Lorraine Gordon im alter von 95 Jahren gestorben.

Stuttgart - Lorraine Gordon, geboren 1922 in Newark, war hautnah dabei, als der Modern Jazz geboren wurde und zu voller Pracht erblühte – lange als Frau im Hintergrund, später als Inhaberin des bedeutenden New Yorker Jazz-Clubs Village Vanguard. 1942 ehelichte sie den Blue-Note-Mitbegründer Alfred Lion, dessen Label als erstes Afroamerikanern eine Plattform bot. Dass die Musik unter die Leute kam, dafür sorgte maßgeblich Lorraine.

Im Village Vanguard entstanden bemerkenswerte Alben

Als sie 1948 die Karriere des Pianisten Thelonius Monk vorantrieb, sprach sie in einer Bäckerei Max Gordon an, den Gründer des Village Vanguard. Der Live-Club im Künstlerviertel Greenwich Village bot damals vor allem Folk-Musikern und Beat-Poeten eine Bühne, aber auch Jazzern wie Sidney Bechet. Thelonius Monk trat tatsächlich dort auf, und 1950 heiratete Lorraine Max Gordon.

Sie managte fortan den nur 123 Besucher fassenden Club, den sie 1940 als Jazz-verliebte 17-Jährige erstmals besucht hatte. 1957 gilt als Wendepunkt im Programm, nun bestimmten Musiker wie Miles Davis, John Coltrane und Bill Evans das Geschehen, und weil der Raum eine makellose Akustik bietet, entstanden dort über 100 bemerkenswerte Alben. Nach Max’ Tod 1989 führte Lorraine den Club weiter bis zu ihrem Tod am vergangenen Samstag. 2013 bekam sie, die in den 60ern auch eines der prominenten weiblichen Gesichter der US-Friedensbewegung war, den Jazz Masters Award der staatlichen Kulturstiftung NEA. Damals gab sie mit diesem unnachahmlichen New Yorker Akzent zu Protokoll: „Vor ein paar Jahren hörte man die Leute ständig sagen: Der Jazz ist tot, der Jazz ist tot! Ich sagte dann: Wirklich? Wann ist die Beerdigung? Denn zu uns kommen so viele Leute, die Jazz hören wollen.“ Und die Magie geht weiter: Lorraine Gordons Tochter Deborah wird das Village Vanguard übernehmen.

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