Die Fußballbranche wird sich nach der bemerkenswerten Abschiedsrede von Max Eberl wieder ihre Gedanken machen – ob sich etwas ändert, ist aber fraglicher denn je, meint unser Sportredakteur Marco Seliger.
Mönchengladbach/Stuttgart - Da saß nun also ein Mann und kämpfte mit den Tränen. Der Mann verlor den Kampf, denn die Tränen kamen. Sichtbar. Und hörbar – in der brüchigen Stimme des Max Eberl auf dem Podium im Borussia-Park. Der Sportchef kann nicht mehr, er ist dem Druck nicht mehr gewachsen und hört auf. Sagte Max Eberl, und er tat das schonungslos und ehrlich. Vor allem sich selbst gegenüber. Und wer da so zuhörte, als Eberl, innerlich schwach, aber doch so stark, über seine Beweggründe sprach, dem kam schon nach kurzer Zeit ein Begriff in den Sinn: Respekt!
Oder besser: Großer Respekt!
Denn eines ist klar: Eberl hätte das nicht tun müssen. Öffentlich zu weinen und einzugestehen, dass er seinen Job nicht mehr ausführen kann. Er wünschte sich, dass künftig der Fußball mehr im Mittelpunkt stehe. Er sagte, dass man Kritik üben dürfe. Es aber um den Menschen gehe. Dem rasenden Eberl wurde es zu schnell im Hamsterrad Profifußball, mit all seinen Höhen und Tiefen, auch in der Bewertung der eigenen Person. Der Mann braucht eine Pause. Zeit, in sich zu gehen, sollte sich jetzt auch der Fußball nehmen.
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Die Reaktionen aus der Szene auf Eberls Auftritt werden nun einheitlich ausfallen. Respekt (wie in diesem Text) wird man ihm zollen – zu Recht! Einige werden fordern, dass sich etwas ändern müsse: bei den Protagonisten selbst, aber auch bei denen, die berichten und bei denen, die zuschauen und später Kommentare im Netz verfassen. Hin zu mehr Menschlichkeit, weg von der Schnelllebigkeit, hin zur Selbstreflexion, all das wird man nun hören. Allein: Es werden wohl leider wieder Wünsche bleiben. Denn nur weil jetzt einer raus ist aus dem Hamsterrad, wird sich das nicht langsamer drehen.
Die Frage ist die: Warum braucht es immer erst so eine Geschichte wie jene von Eberl, damit sich alle Beteiligten Gedanken machen? Gibt es nicht auch sonst für jeden Einzelnen Stellschrauben, damit sich das Hamsterrad in einer erträglichen Geschwindigkeit dreht? Nicht nur Max Eberl würde sich über ein Tempolimit auf einigen Abschnitten des Fußballs freuen – auch wenn er selbst lange das Gaspedal durchdrückte.