Erst kürzlich hat Marc Nickel (links) das neue Parkhaus am Klinikum Winnenden eingeweiht, das mit auf sein Betreiben hin gebaut wurde. Foto: Michael Fuchs (cf)

Marc Nickel hat die Rems-Murr-Kliniken auf Kurs gebracht. Jetzt will er seine beruflichen Prioritäten verschieben.

Für viele dürfte es ein Paukenschlag sein, denn noch vor zwei Monaten hat Marc Nickel eine wirtschaftliche Bilanz für das Jahr 2021 vorgelegt, die trotz Corona nur knapp unter dem selbst gesteckten Ziel gelegen hat. Sein Aufsichtsratsvorsitzender, Landrat Richard Sigel, goutierte das als „erfreulich positive Zahlen“. Allerdings ließen beide auch durchblicken, dass es ein wenig knirscht im Klinikgetriebe. Viele Mitarbeiter seien erschöpft, sagte Nickel und räumte ein, dass der wirtschaftliche Druck durchaus zu Spannungen zwischen Management, Ärzteschaft und Pflegepersonal führe.

Spannungen offenkundig gravierend

Dass diese so gravierend waren und Nickel davon selbst offenkundig so zermürbt ist, dass er nun die Reißleine zieht, war hingegen nicht abzusehen. Zu sehr sprüht der Mann, der vor sieben Jahren frischen Wind in die Kliniken im Kreis gebracht hat, stets vor Optimismus und Tatendrang.

Was hinter den Kulissen passiert ist und was letztlich den Ausschlag für die Trennung gegeben hat, wird sich kaum aufklären lassen. Schon einmal hatten zwölf Winnender Chefärzte den Aufstand geprobt. 2016 verfassten sie einen Brandbrief an den Landrat und wandten sich gegen die Pläne, den Klinikstandort Schorndorf zu erhalten und dort kräftig zu sanieren. Letztlich setzte sich Nickel klar durch – nun wohl die Chefärzte.

Unter dem Strich kann sich Nickels Bilanz sehen lassen. Die Kreiskrankenhäuser haben sich in den vergangenen Jahren (wieder) einen guten Ruf erarbeitet. Struktur wie Gebäude sind modernisiert. Der Andrang – zumindest vor Corona – hat Erweiterungen notwendig gemacht.

Ob Nickel diese „Erfolgsgeschichte“ tatsächlich nicht selbst weiterschreiben will, weil er seine Prioritäten in Richtung Familie verschieben möchte, oder ob das unter den gegebenen Rahmenbedingungen einfach nicht möglich ist, muss die Zukunft zeigen. Seiner Frau und der gemeinsamen Tochter ist zu wünschen, dass ihm das gelingt. Und dem Landkreis, dass seinen Nachfolgern nun keine Notoperation droht.