Abschied unter Tränen: Dirk Nowitzki Foto: dpa

Dirk Nowitzki ist mit das Beste, was Sport je hervorgebracht hat. Ein Jahrhundertathlet und ein tadelloser Sportsmann. Nun hört er auf. Unser Redakteur Tobias Schall verneigt sich in einem Brief.

Stuttgart - Lieber Dirk Nowitzki, in diesen Zeiten wird so viel über die Schattenseiten des Sports gesprochen, über Doping, über Korruption, über all den widerlichen Dreck, den der Hochleistungssport in seinem Schlepptau hat. Es ist für Sportfans oft zum Verzweifeln.

Gäbe es nicht Athleten wie Sie. Sie stehen für etwas anderes.

Wenn man sich fragt, welchen Wert Spitzensport hat, dann kann man auf Sie zeigen: Seht her, das ist der Wert des Sports, er bringt Vorbilder hervor wie Sie. Sie sind eine lebende Legende. Einer der größten Athleten, die dieses Land je hervorgebracht hat. Sie stehen auf einer Stufe mit Steffi Graf oder Fritz Walter oder Michael Schumacher oder Max Schmeling. Vielleicht sogar darüber.

Sie haben den Sport verändert – aber sie haben sich nie verändert

Sie waren immer ein Botschafter. Für dieses Land. Für den Sport. Eine Jahrhundertbegabung im Sport. Und sie waren immer ein Mensch.

Sie haben den Sport verändert. Aber sie haben sich nie verändert. Sie waren immer der Dirk.

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Als Sie 2008 bei den Olympischen Spielen deutscher Fahnenträger waren, freuten Sie sich wie ein kleines Kind. Sie, der Multimillionär aus den USA, stehen wie kaum ein anderer Athlet für die großen olympischen Werte, die dem Sport seine Bedeutung geben. Für Integrität. Für Glaubwürdigkeit. Für Fair-Play. Stets bescheiden sind Sie in Peking aufgetreten, neugierig auf die anderen Athleten und voller Begeisterung für die Idee, die hinter Olympia steht. Sie waren kein Fremdkörper wie viele andere Superstars bei den Spielen, sondern Sie waren der menschgewordene olympische Geist. Auch abseits der Halle treten Sie bescheiden auf und begegnen mit Ihren 2,13 Meter jedem Menschen auf Augenhöhe. Nie von oben herab. Immer mit Respekt. Klasse auf dem Feld kann man bis zu einem gewissen Grad trainieren. Klasse abseits nicht.

Sie sind kein Egoshooter wie so viele andere Sportstars, auch und gerade in der NBA. Es ging Ihnen nie um sich, sondern immer um das Team. Sie haben auf viel Geld verzichtet, um Ihrem Verein den finanziellen Spielraum für neue Spieler zu geben. Sie haben sich an die Spitze gekämpft gegen alle Widerstände, von Würzburg aus haben Sie die Welt erobert und die Herzen von Millionen von Menschen gewonnen.

Der Druck im Hochleistungssport kann das Schlechteste aus den Menschen herausholen – aus Ihnen hat er das Beste herausgeholt.

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Niemand repräsentierte „Made in Germany“ im Ausland besser als Sie. Mit ihrer Leistung, aber eben auch mit Ihrem vorbildlichen Auftreten. Sie haben den Basketballsport revolutioniert mit Ihrer Technik, Ihr „Fadeaway-Jump“ hat das Spiel verändert. Sie haben der Welt gezeigt, dass auch große Jungs werfen können. Und wie. Rekord um Rekord haben Sie in den vergangenen Jahren gebrochen. 14-facher Allstar, bester Spieler der Saison (2007) und der Finals (2011), einziger Spieler in der Geschichte der NBA, der mindestens 25 000 Punkte, 10 000 Rebounds, 1000 Blocks und 1000 Dreier erzielt hat. In der ewigen Scorerliste haben sie kürzlich einen so unglaubliche Athleten wie Wilt Chamberlain hinter sich gelassen. Und so weiter. So könnten wir das stundenlang fortsetzen.

Die Sportwelt verneigt sich an diesem Tag vor Ihnen

Als Sie mit Dallas 2011 die NBA gewannen, waren Sie als Sportler vollendet. Sie machten sich endgültig unsterblich mit einem unglaublichen Play-off-Lauf gegen all die Ikonen des US-Sports. Runde um Runde bis zum Finale gegen das Starensemble von Miami.

Am 5. Februar 1999 haben Sie Ihren ersten NBA-Punkt gemacht, nun ihre letzten.

Es ist an der Zeit zu gehen. Sie werden uns fehlen, Sie werden dem Sport fehlen als Prototyp des Athleten, als Blaupause des Sportlers, den Pierre de Coubertin einst im Sinne hatte.

Sie haben sich unter Tränen verabschiedet. Auch wir könnten weinen. Der Sport wird ohne Sie anders sein. Sie werden fehlen.

Die Sportwelt verneigt sich an diesem Tag vor Ihnen. Mit Ihnen geht einer Größten.

Lieber Dirk Nowitzki, auch wir verneigen uns.

Danke, Dirk!

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