Glasklares Bekenntnis zu Augengläsern: Hape Kerkeling. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Kolumnist KNITZ über eine Auszeichnung für den ausgezeichneten Komiker Hape Kerkeling. Und warum KNITZ diese Auszeichnung nie zuteilwerden wird.

Der Komiker und Autor Hape Kerkeling gab in jüngster Zeit fleißig Interviews und war in etlichen TV-Talk-Shows zu sehen. Anfangs dachte KNITZ, das könnte damit zusammenhängen, dass Hape Kerkeling seine Kunstfigur Horst Schlämmer in einer neuen Filmkomödie wieder aufleben ließ. Inzwischen hegt KNITZ den Verdacht, dass Hape Kerkeling mit seinen Auftritten das Augenmerk auf etwas ganz anderes lenken wollte.

 

Kaum war der Film in den Kinos, war überall zu lesen, dass Hape Kerkeling vom Kuratorium Gutes Sehen e. V. zum „Brillenträger des Jahres“ gekürt wurde. Der Schauspieler, so die Nasenfahrrad-Lobbyisten, stehe „beispielhaft für einen gelassenen und natürlichen Umgang mit der eigenen Fehlsichtigkeit“.

Hape Kerkeling hätte sich auch für Kontaktlinsen entscheiden können

Sollte vermutlich heißen, Hape Kerkeling hätte sich auch für Kontaktlinsen entscheiden können – und kein Mensch hätte je von seiner Weitsichtigkeit erfahren. Aber er wählte bewusst Augengläser, zudem solche, die stark umrandet und insofern kaum zu übersehen sind.

Womöglich war die Entscheidung des Künstlers zu auffälligen Augengläsern aus einer anderen Perspektive betrachtet sogar weitsichtig. „Eine Brille“, wird der frisch gekürte Brillenträger des Jahres zitiert, „ist das einzige Accessoire, das dich gleichzeitig klüger, interessanter und modisch mutiger wirken lässt.“ Dem kann KNITZ nur zustimmen, vor allem, was der klügere Schein betrifft. Er ist sich sicher, dass sein jüngstes Brillenmodell seinen IQ rein visuell deutlich in die Höhe schnellen ließ.

Eigentlich hatte KNITZ gedacht, er käme ohne Brille durch

Bedauerlich nur, dass KNITZ kaum damit rechnen kann, jemals zum „Brillenträger des Jahres“ ernannt zu werden. Dies liegt nicht nur an seiner mangelnden bundesweiten Prominenz, sondern auch an der Tatsache, dass er in seiner Rolle als schreibender Kolumnist optisch nicht in Erscheinung treten darf. Das einzige, was ihm bleibt, ist, über sein Brillenträgerdasein zu schreiben.

Eigentlich hatte KNITZ gedacht, er käme ohne durch. Bis er vor rund zehn Jahren feststellen musste, dass dem nicht so ist. Irgendwann musste er die Schriftgröße auf seinem Computerbildschirm dermaßen in die Höhe schrauben, dass es bei mehrsilbigen Begriffen eng wurde.

Inzwischen hat er seine Brillen lieb gewonnen

Was soll’s, dachte KNITZ, aus jenem Alter bist du raus, in dem du von deinen Schulkameraden wegen einer Sehhilfe gehänselt worden wärst. Also wurde die Brille wie jene von Hape Kerkeling zu seinem „treuesten Begleiter“. Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Supermarkt, wenn es darum ging, das Mindesthaltbarkeitsdatum der Milch zu entziffern.

Inzwischen hat KNITZ seine Brillen – ja, Sie lesen richtig, sie sind mehr geworden – auch deshalb lieb gewonnen, weil sie nicht nur, was die Sehkraft angeht, für mehr Durchblick gesorgt haben. Als aktiver Brillenträger ist ihm auch klar geworden, dass der Begriff „Kassengestell“ heutzutage keinerlei Bedeutung mehr hat.

Eine Brille für die Steuererklärung

Auch wenn ihm der Titel „Brillenträger des Jahres“ auf ewig verwehrt sein wird. Eine schwache Hoffnung bleibt KNITZ dennoch: Wenn er nun seine neuen Brillen zum Thema einer Kolumne gemacht hat, vielleicht kann er sie dann wenigstens bei der nächsten Steuererklärung geltend machen.