Zum 100. Geburtstag Unvergessliche Momente mit Louis de Funès

Von Bernd Haasis 

Louis de Funes in seiner Paraderolle als Gendarm von St. Tropez Foto: obs
Louis de Funes in seiner Paraderolle als Gendarm von St. Tropez Foto: obs

Zur Inspiration ging der populärste französische Filmstar der 1960er und 1970er Jahre in den Zoo und beobachtete die Affen. Um dann Millionen Kinobesucher mit grotesken Grimassen und Gesten zum Lachen zu bringen.

Stuttgart - Am 31. Juli 1914 kommt Louis Germain ­David de Funès de Galarza als Sohn spanischer Eltern im Pariser Vorort Courbevoie zur Welt. Nach dem Abitur scheitern diverse Ausbildungsversuche an seinem ausgeprägten Hang zum Unfug. Erst 1941 lernt er an der privaten Schauspielschule Cours Simon die Kunst der Komödie. Sein Geld verdient er als Jazzpianist in den Kabaretts des Pariser Rotlichtviertels Pigalle.

Die groteske Rolle als cholerischer Patriarch im Bühnenstück „Oscar“ prägt ab 1959 sein Image, und 1964 gelingt ihm mit Variationen davon der Durchbruch auf der Leinwand: In „Der Gendarm von Saint Tropez“ macht er Jagd auf Nudisten, in „Fantomas“ stiehlt er als verbissener Kommissar dem eigentlichen Hauptdarsteller Jean Marais die Schau, in „Louis, das Schlitzohr“ brilliert er als betrügerischer Unternehmer. In der Weltkriegskomödie „Die große Sause“ (1966) spielt Louis de Funès einen eitlen Dirigenten, in „Hasch mich, ich bin der Mörder“ (1971) einen Drehbuchautoren, der eine Leiche loszuwerden versucht, in „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“ (1973) einen Universal-Rassisten, der sich als Rabbiner maskieren muss und darüber persönlich wandelt.

Rund 140 Filme hat Louis de Funès, ab 1974 herzkrank, gedreht – und das Bild von Frankreich geprägt, auch in Deutschland.

Scharfe Kurven für Madame

Es gibt viele Hitler-Parodien. Unerreicht ist Louis de Funès, der 1966 in „Scharfe Kurven für Madame“ („Le Grand Restaurant“) zum Diktator wird. Als Restaurantbesitzer Monsieur Septime verrät er seinem Gast Dr. Müller ein Rezept. Während er sich in Rage redet (auch im Original auf Deutsch), legen sich dunkle Schatten über Oberlippe und Stirn. Mit dem legendären Satz „Muskatnuss! Muskatnuss, Herr Müller!!!“ lehrt er uns nicht nur, was in ein Kartoffelsoufflé gehört, sondern dass man über Hitler lachen darf. (sad)

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Oscar

Zunächst imitiert Monsieur Barnier munteres Klavierspiel auf einem Koffer mit Juwelen in dieser absurden Verwechslungskomödie; später tut er in unnachahmlicher Pantomime so, als würde er seine Nase langziehen und darauf Violine spielen. Tochter und Frau, ein falscher Schwiegersohn, ein hübscher Chauffeur, ein tumber Masseur und andere Figuren sowie diverse identische Koffer haben ihn an den Rand des Wahnsinns getrieben im aparten Design der 1960er Jahre. Eine Paraderolle für Louis de Funès, die ihm 1959 am Theater den Durchbruch beschert hatte. Er fuchtelt, brüllt, grimassiert und hampelt so intensiv, dass man sich durchaus fragen kann, wie er das damals ­unbeschadet überstanden hat. (ha)

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Fantomas

Jacques Tati war der Stoiker, Louis de Funès der Choleriker des französischen Slapstick. Und dass de Funès Klamauk auch ganz schön nerven kann, weiß jeder, der sich noch an „Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe“ erinnert. Im High-Tech-Krimischwank „Fantomas“ ist Louis de Funès in seiner Paraderolle als Polizeitölpel zwar eigentlich bloß Nebendarsteller. Grandioser als in dieser halsbrecherischen Verfolgungsjagd per Motorrad, Zug oder Helikopter ist er aber nie gescheitert. (gun)

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Brust oder Keule

Louis de Funès ist mehr als nur Klamauk. Als Restaurant-Kritiker Charles Duchemin zeigt er sich seiner Zeit sogar weit voraus: Der skrupellose Großindustrielle Jacques Tricatel droht, das Land mit synthetisch erzeugten Lebensmitteln zu überschwemmen – und es ist an Duchemin, die französische Küche vor dem Untergang zu retten. Die Szenen aus Tricatels Fabrik war damals ferne Zukunftsmusik, knapp 40 Jahre später, in Zeiten von Analog-Käse und Formfleisch, sind sie traurige Realität. (smr)

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