Im Januar protestierten Bauern gegen die Kürzung von Subventionen für Agrardiesel – hier beispielsweise in Fellbach. Foto: Gottfried Stoppel

Ein Experiment soll im Rems-Murr-Kreis Menschen an einen Tisch bringen, die sonst nicht immer ein harmonisches Verhältnis pflegen. In einer Zukunftswerkstatt suchen sie Wege zu einer klimaresilienten Landwirtschaft. Dafür gibt es konkrete Ideen.

Das Hochwasser und seine Folgen haben es auf eindrückliche und schmerzhafte Weise demonstriert: Die Folgen der Klimakrise sind auch im Rems-Murr-Kreis konkret spürbar. Betroffen sind davon beispielsweise auch Landwirte, die aufgrund der Verunreinigungen durch die schlammige Flut ihre angebauten Feldfrüchte nun nicht mehr als Futter oder Lebensmittel verwenden können und teilweise sogar kostenpflichtig entsorgen müssen.

 

„Wie können wir unsere Bauern unterstützen?“ Diese Frage treibt einige Menschen im Landkreis nicht erst seit dem jüngsten Hochwasser und der Bauernproteste Anfang des Jahres um. Schon seit Sommer des vergangenen Jahres spuke ihnen die Frage durch den Kopf, sagen Markus Koch und Monika Speckmann. Deshalb haben sie sich die beiden mit Thomas Jüttemann vom Verein Nachhaltiges Kernen zusammengetan und organisieren für Anfang Juli eine Veranstaltung, wie es sie in dieser Form vor Ort noch nicht gegeben hat.

Auch einige Bürgerinnen und Bürger dürfen dabei sein

Im Rahmen einer „Zukunftswerkstatt für einen klimaresilienten Landwirtschaftskreis“ will das Dreier-Team rund 40 Menschen an einen Tisch holen, diskutieren und ausloten, was es für dieses Ziel braucht und welche Unterstützung insbesondere Landwirten dabei helfen würde.

Eingeladen sind verschiedene Gruppen, die sonst nicht unbedingt ein harmonisches Verhältnis pflegen. Neben Landwirten sollen Naturschützer, aber auch Vertreter der Kreisverwaltung, der Energieagentur Rems-Murr, der Handwerkskammern und des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald sowie Vertreter im Kreis ansässiger Firmen am Tisch sitzen. Außerdem dürfen einige interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich für eine Teilnahme bewerben können, mit von der Partie sein.

In der Gruppe Lösungen finden

„Jeder bringt sich und seinen Erfahrungsschatz mit“, erläutert Markus Koch. „Es geht nicht gegen die Landwirte und nicht darum, Forderungen an sie zu stellen.“ Vielmehr solle es um Solidarität und eine Risikoabsicherung der rund tausend verbliebenen Landwirte im Kreis gehen. „Es gibt viele tolle Ansätze, beispielsweise für mehr Biodiversität, für anderes Saatgut oder eine andere Art, die Böden zu bearbeiten um stabilere Ernten zu bekommen.“ Diese seien aber oft mit Geld und Aufwand verbunden, was etliche Landwirte, die ohnehin ausgebrannt seien, überfordere. Das Ziel sei es, Lösungen in der Gruppe zu finden, erklärt Monika Speckmann. Die Zukunftswerkstatt wird Rainer Nübel, Professor an der Hochschule Fresemius in Heidelberg, leiten. Eine Zukunftswerkstatt sei eine lösungsorientierte Veranstaltung, bei der es um das Miteinander und gegenseitige Wertschätzung gehe. Sie bestehe aus drei Teilen, zählt Monika Speckmann auf: Zunächst berichten die Beteiligten, was ihnen auf den Nägeln brennt, im zweiten Teil, dem Expertenteil, gehe es darum, für diese Probleme Lösungen zu finden. Teil drei der Veranstaltung ziele auf konkrete Ergebnisse ab. Das Organisationsteam hofft, dass sich im Anschluss an die Veranstaltung ein verbindlicher Arbeitskreis bildet.

Derzeit führen die drei Initiatoren viele Gespräche und versuchen, weitere Unternehmen ins Boot zu holen. Ansässige Firmen könnten die Landwirte finanziell unterstützen, sodass diese mehr Spielraum für Projekte haben, die der Umwelt zugute kommen, findet Markus Koch. Statt einer CO2-Kompensation irgendwo am anderen Ende der Welt könnten die Firmen doch Geld in Projekte im Landkreis investieren.

Noch wenige Plätze sind zu vergeben

Termin
Die „Zukunftswerkstatt für einen klimaresilienten Landwirtschaftskreis“ findet am Samstag, 6. Juli, von 11 bis 15 Uhr in Winnenden statt. Es handelt sich dabei um eine geschlossene Veranstaltung. Für interessierte Bürgerinnen und Bürger sind aber noch einige Plätze frei gehalten worden, auf die man sich bewerben kann.

Teilnahme
Wer gerne bei der Zukunftswerkstatt dabei sein will, kann bis Mittwoch, 3. Juli, eine Bewerbung per E-Mail an die Adresse zukunftswerkstatt@nachhaltiges-kernen.de senden. Sollten mehr Bewerbungen eingehen als Plätze vorhanden sind, entscheidet das Los.