Die Organisatoren Inge und Diethard Möller von der Zukunftswerkstatt Zuffenhausen mit den ersten beiden Frage-Zeichen-Filmen. Foto: Susanne Müller-Baji

Die Zukunftswerkstatt hat zu einer Filmvorführung insBürgerhaus geladen. Auch Jugendliche aus Freiberg hatten in dem Film Gespräche mit Zeugen der NS-Zeit geführt.

Zuffenhausen - Die Zeit der Zeitzeugen läuft unerbittlich ab. Umso wichtiger sind Filmprojekte wie „Frage-Zeichen“, in dem Jugendliche die Letzten interviewen, die den Nationalsozialismus noch erlebt und überlebt haben. Den zweiten Film der Serie präsentierte die Zukunftswerkstatt Zuffenhausen in Zusammenarbeit mit der Stolperstein-Initiative nun noch einmal im Roter Bürgerhaus. Leider mit schwacher Resonanz, was wohl den Osterferien geschuldet war. Die Organisatoren hoffen nun auf die bevorstehenden Stolpersteinverlegungen und den bald anlaufenden dritten Teil des Filmprojektes.

Dritter Teil des Projekts läuft bald an

„Wie war das damals?“ fragten die Jugendlichen in diesen vier Episoden ein ums andere Mal – und die allesamt aus Stuttgart stammenden Senioren begannen zu erzählen. Von der Zeit, als das Haken-kreuz von allen Gebäuden wehte, „alle ,Heil‘ machten“ und der „durchdrehende Gemeinschaftswahnsinn“ regierte, wie Thomas F. Naegele es in seinem Interview treffend auf den Punkt bringt. Er gelangte mit einem Kindertransport nach England und konnte von dort mit seinen Eltern und seinem Bruder in die USA emigrieren: Aber: „England wollte uns loshaben und Amerika hat sich gesträubt“, sagt er im Film. Und das erinnert doch stark an die heutigen Flüchtlingsströme.

Entkommen sind auch Charlotte Isler. Ruchama Neumann und Henry Stern, von denen die weiteren Interviews berichten. Gemeinsam ist allen die Entwurzelung nach der Flucht und die Fassungslosigkeit der Überlebenden: „Wir hatten mehr Glück als uns zustand“, sagt Charlotte Isler an einem Punkt. Sie sorgte auch mit einer ihrer frühesten Kindheitserinnerungen für Gänsehaut: Ein junger Mann sei ihr und ihrer Mutter damals im Treppenhaus in der Seestraße begegnet, habe freundlich den Hut gelupft und gesagt, er besuche jemanden im Haus: „Wisst ihr, wer das war? Das war Adolf Hitler! Ich kann sagen, dass ich den persönlich kennen gelernt habe.”

Flucht als einziger Ausweg

Nach und nach erfahren die Jugendlichen, und mit ihnen die Zuschauer, von den fortschreitenden Repressalien, von der immer greifbarer werdenden Bedrohung – bis die Flucht als einziger Ausweg blieb. Fußnoten setzen die Erlebnisse in einen zeitlichen Kontext. Gut ist dabei: Diese Filme werden bleiben, auch wenn irgendwann keiner mehr aus erster Hand davon berichten kann.

Inge Möller von der Zuffenhäuser Zukunftswerkstatt hat das Projekt mitentwickelt, das eben mit der Otto-Hirsch-Medaille ausgezeichnet wurde und bei dem durch alle drei Teile hindurch Schüler der Freiberger Bertha-von-Suttner-Realschule beteiligt waren. Erfrischend sei, dass die Jugendlichen einfach drauflos fragten, „wo wir Älteren befangen wären“, sagt sie. Deutlich spürbar ist eine große Sympathie zwischen den Senioren und den Jugendlichen. Das könnte auch an der Tatsache liegen, dass die Überlebenden von einer Zeit erzählen, in der sie ungefähr so alt waren, wie ihre Gesprächspartner heute sind. So oder so sind dabei Gespräche auf Augenhöhe entstanden, über die Generationen und Zeiten hinweg.

Im Mai soll nun auch der dritte und letzte Teil von „Frage-Zeichen“ im Stuttgarter Kino Metropol 2 präsentiert werden, sagt Inge Möller weiterhin. Und bereits am Freitag, 28. April findet die zwölfte Stolpersteinverlegung in Zuffenhausen statt: Um 8.50 Uhr in der Schwieberdinger Straße 110 für Gertrud Schäfer, die in Grafeneck ermordet wurde. Und um 9.20 Uhr in der Schwieberdinger Straße 142 für Julius Wertheimer, der während der Deportation nach Riga zu Tode kam.

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