Der neue OB und der Landrat haben sich viel vorgenommen, meint Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski: Es geht um Medizin, aber auch um Bildungsangebote mit überregionalen Profil.
Wird Leonberg zur Studentenstadt? Ganz auszuschließen ist das nicht, hält man sich die verheißungsvollen Ausführungen vor Augen, mit denen Roland Bernhard und Tobias Degode ihre erste offizielle Begegnung kommentieren. In seiner zweiten Amtswoche hat sich der neue Leonberger Oberbürgermeister auf den Weg nach Böblingen zum Landrat gemacht. Der Gastgeber nutzte den Führungswechsel im Leonberger Rathaus, um die zuletzt erkalteten Kontakte in Richtung Norden aufzuwärmen.
Der Landrat will die Leonberger Aufbruchstimmung nutzen
Mit einer indirekten Spitze gegen den letzten Leonberger OB Martin Georg Cohn läutete Roland Bernhard neue Zeiten ein: „Wir wollen die Aufbruchstimmung im Leonberger Gemeinderat und in der Verwaltung nutzen, um auch einen Neustart in der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis zu beginnen.“ Dieser Neustart scheint dringend nötig. Allein schon geografisch haben Leonberg und Böblingen nicht allzu viel miteinander zu tun. Ditzingen, Gerlingen oder auch Stuttgart liegen faktisch wie gefühlt den meisten Leonbergern viel näher.
Dass die Stadt am Engelberg selbst einmal Sitz eines Landkreises war, ist ebenso nicht vergessen. Und da sind ja noch die Dauerdebatten um das Krankenhaus, die oft den Charakter emotionsgeladener Konflikte hatten und haben. Das war übrigens schon unter Degodes Vor-Vorgänger Bernhard Schuler der Fall. Nicht ohne Grund nahmen also die Themen Gesundheitsversorgung und Klinik einen großen Raum im Auftaktgespräch zwischen OB und Landrat ein.
Mit dem nüchternen Blick eines Außenstehenden hatte der bisherige Düsseldorfer Degode im OB-Wahlkampf die Krankenhausproblematik stets sachlich behandelt, gleichwohl keinen Zweifel daran gelassen, dass sich Leonberg für ein starkes Klinikum und eine umfassende Medizinversorgung mit Nachdruck engagieren werde. Jetzt konnte Degode erste Pflöcke einschlagen.
„Ziel ist eine Stärkung der ambulanten Angebote und eine engere Verzahnung mit der stationären Versorgung“, sagen Bernhard und Degode. Dem Mangel an Fachärzten will man gemeinsam begegnen. Mediziner könnten mit „geeigneten Räumlichkeiten oder Kooperationsmodellen“ angelockt werden. In der Tat herrscht Alarmstufe gelb-rot: Künftig gibt es vorerst nur noch eine Kinderärztin und einen Orthopäden in der Stadt mit ihrem großen Einzugsgebiet.
Helfen könnte in direkter Nachbarschaft zum Klinikum ein Medizinisches Versorgungszentrum, also ein Haus, in dem die Disziplinen verschiedener Fachärzte eng mit einander verzahnt sind. Tobias Degode hatte dies im Wahlkampf immer als eine wichtige Option genannt. Alleingänge kann er freilich nicht machen, da das ganze Gelände dem Landkreis gehört.
Bekommt Leonberg eine Fachschule für Klimatechnik?
Und dort gibt es nicht nur die Klinik, sondern zudem das Berufschulzentrum. Dass auch dort mehr möglich sei, hat der Landrat schon mehrfach anklingen lassen. So wollen Bernhard und Degode das ins Stocken geratene Projekt einer Bundesfachschule für Kälte- und Klimatechnik wieder in Angriff nehmen. In Zeiten, in denen eine effiziente wie umweltschonende Energieversorgung immer wichtiger wird, ist das zweifelsfrei ein Berufsbild mit Zukunft. Und nicht nur das: Sogar Studienangebote halten beide Kommunalpolitiker für denkbar.
Damit die wiederbelebten Pläne nicht erneut in der Versenkung verschwinden, wollen Kreis und Stadt im Januar eine gemeinsame Absichtserklärung zur Entwicklung des Geländes formulieren. Ein großes Programm, dass sich der routinierte Landrat und der junge Oberbürgermeister vorgenommen haben. Wenn nicht jetzt, wann dann?