Im BMW-Werk Leipzig betankt ein Mitarbeiter ein Fahrzeug mit einer Brennstoffzelle mit Wasserstoff. Foto: dpa/Jan Woitas

Baden-Württemberg will seine Position in der Weltspitze verteidigen.

Stuttgart - In den vergangenen Jahren war im Blick auf die Mobilität der Zukunft vor allem von Elektroautos die Rede. Zurzeit aber beginnt eine Art Renaissance von Wasserstofftechnologie und Brennstoffzelle. Im Bundeswirtschaftsministerium wird ebenso wie im Forschungsressort in Berlin an einer bundesweiten Wasserstoffstrategie gewerkelt. In Baden-Württemberg hatte lediglich die FDP das Thema offensiv besetzt, um sich im Blick auf den kommenden Landtagswahlkampf und die Autopolitik von Grünen und CDU zu unterscheiden. Jetzt hat das Umweltministerium die Potenziale dieser Technologie für den Wirtschaftsstandort ausloten lassen.

Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie gelten als Schlüssel für das Erreichen der Klimaziele – nicht nur im Verkehrsbereich, sondern auch bei den Energiesystemen der Zukunft.

Wettbewerber Deutschlands sind auf der Überholspur

Dabei stehen die Unternehmen im Land nach Einschätzung von Helmfried Meinel, dem Ministerialdirektor des Umweltministeriums, aktuell gut da. Noch sei das Land mit führend in der Welt, sagt Meinel. Seine Betonung liegt allerdings auf noch. Denn Wettbewerber – Nordamerika, Japan, der Mittlere Osten und China – seien auf die Überholspur gewechselt. Gemeinsam mit den Autoren der Studie Uwe Weichenhain und Simon Lange von der Unternehmensberatung Roland Berger sieht Meinel die rund neunzig Unternehmen und 18 Forschungseinrichtungen im Land gut aufgestellt. Weichenhain und Lange betonten, dass der globale Wettbewerb um Marktanteile begonnen habe und einige lokale Unternehmen vorne mitspielen.

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Größere Marktpotenziale bescheinigt die Studie im Verkehrssektor den Lastwagen und Bussen; bei Personenwagen mit Brennstoffzelle werde frühestens von 2025 an eine Dynamik in Gang kommen; bis dahin werde die Entwicklung davon geprägt, dass in den vergangenen Jahren fast ausschließlich in Elektromobilität investiert wurde. Wasserstofftechnologie kann eine Integration von erneuerbaren Energien in die Stromsysteme der Zukunft schaffen und als Stromspeicher genutzt werden. Dies wird als lukratives und schnell wachsendes Geschäftsfeld eingestuft.

Mit gezielten Investitionen in diese Technologien sei es möglich, so Weichenhain und Lange, in Baden-Württemberg bis 2030 einen Umsatz von neun Milliarden Euro, eine Bruttowertschöpfung von 2,3 Milliarden Euro und 16 500 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Eine solche Entwicklung könne helfen, den Strukturwandel in der Autoindustrie abzufedern.

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Der Landesregierung empfahlen die Autoren der Untersuchung, einen Wasserstoff-Gesamtplan zu entwickeln, die Wettbewerbsfähigkeit lokaler Spitzenunternehmen und lokale Schaufensterprojekte zu fördern, die attraktiv auf dem Weltmarkt seien. IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger forderte eine rasche Umsetzung der Empfehlungen.

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