Cellcentric-Chef Lars Johansson (im blauen Anzug) präsentiert die Brennstoffzelle. Foto: Ines Rudel

Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart sichert für Weilheim das finale Puzzleteil für die Ansiedlung der Brennstoffzellenfabrik.

Das Grundstück ist nur rund 1700 Quadratmeter groß. Aber es ist von zentraler Bedeutung für ein Großprojekt in der Region Stuttgart: Denn es liegt genau dort, wo Cellcentric, das Joint Venture von Daimler Truck und Volvo, im neuen Gewerbegebiet Rosenloh zwischen Weilheim (Kreis Esslingen) und der Autobahn A 8 seine zukunftsweisende Brennstoffzellen-Produktionsstätte errichten möchte. Cellcentric benötigt bei Umsetzung aller bisher bekannter Planungen rund die Hälfte der insgesamt 30 Hektar großen Fläche, die die Stadt Weilheim in den vergangenen Jahren fast vollständig erworben hat.

 

Aber eben nur fast: Denn lange hat sich eine zerstrittene Eigentümergemeinschaft nicht über den Verkauf des Brachlandes an die Stadt Weilheim einigen konnte. Nun ist es am Amtsgericht in Esslingen deshalb zur Zwangsversteigerung des Areals gekommen – unter besonderen Vorzeichen. Denn Weilheim hat allen rund 225 Grundbesitzern auf dem Rosenloh-Gelände 52 Euro pro Quadratmeter geboten und Bürgermeister Johannes Züfle hatte stets betont, da keine einzige Ausnahme machen zu wollen.

Wirtschaftsförderung Region Stuttgart hat mitgesteigert

Damit dieses Versprechen gehalten werden kann, und weil die Ansiedlung der Zukunftstechnologie in der Region Stuttgart bis in die Spitze der Landesregierung hinein als wichtiges und zentrales Projekt im Rahmen des wirtschaftlichen Transformationsprozess der Region gesehen wird, ist nun die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart bei der Versteigerung eingesprungen.

Das hat sich für die Eigentümergemeinschaft finanziell durchaus gelohnt. Schon der Grundpreis, den das Amtsgericht aufgerufen hatte, lag mit 52,13 Euro pro Quadratmeter und 88 000 Euro für die Gesamtfläche knapp über der für Weilheim kritischen Marke von 52 Euro. Da zudem zwei Mitbieter sich ebenfalls um die Fläche bemühten, erhielt die Wirtschaftsförderung schließlich erst bei 174 000 Euro, also nahezu dem doppelten Preis, den Zuschlag.

Das letzte noch benötigte Puzzleteil

Dennoch ist Michael Kaiser, der Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Region Stuttgart, hochzufrieden mit dem Kauf. Kaiser: „Wir sind sehr froh, ja glücklich darüber, dass der Flächenerwerb geklappt hat und es uns gelungen ist, das letzte noch benötigte Puzzleteil für die Ansiedlung von Cellcentric zu beschaffen. So können wir einer Zukunftsbranche die Möglichkeit geben, sich in der Region anzusiedeln.“

Wenn der Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung Ende September grünes Licht gibt – und niemand zweifelt daran –, wird Kaiser das nun erworbene Grundstück zeitnah für 52 Euro pro Quadratmeter an die Stadt Weilheim weiterveräußern. Die restlichen 86 000 Euro, mit denen die Wirtschaftsförderung das Projekt subventioniert, sieht Kaiser als Zukunftsinvestition: „Genau für solche Situationen gibt es doch die Wirtschaftsförderung“, sagt er.

Verhandlungsabschluss noch in diesem Jahr?

Der Verband Region Stuttgart hat sogar einen deutlich höheren Beitrag geleistet, um die Ansiedlung von Cellcentric zu ermöglichen: Ende 2023 hat der VRS eine Bürgschaft in Höhe von 21 Millionen Euro übernommen, damit Weilheim das Großprojekt auch finanziell stemmen kann.

Die Stadt Weilheim wiederum kann im Oktober endgültig in den Verhandlungen mit Cellcentric das vollständige Vertragspaket mit dem Joint Venture schnüren. Entsprechend erleichtert zeigt sich die Weilheimer Hauptamtsleiterin Daniela Braun. Schon zuletzt habe man die Gespräche intensiviert. Braun: „Wir sind optimistisch, dass wir nun noch in diesem Jahr die Verhandlungen mit Cellcentric zum Abschluss bringen können.“

Erschließungsarbeiten können 2025 beginnen

Im kommenden Jahr könnten dann die Erschließungsarbeiten im neuen Gewerbegebiet Rosenloh beginnen, wobei die geplante Ringstraße, die den innerörtlichen Verkehr in Weilheim entlasten soll, „sicher eine hohe Priorität“ genieße. Im Anschluss könne dann Cellcentric den Bau seiner Produktionsstätte für Brennstoffzellen, die vor allem im Schwerlastverkehr eingesetzt werden sollen, vorantreiben.

Im Weilheimer Werk soll spätestens Ende des Jahrzehnts die Großproduktion von Cellcentric- Brennstoffzellen der bereits zweiten Generation anlaufen. Bis dahin werden die Brennstoffzellen der ersten Generation im Werk in der Esslinger Pliensauvorstadt produziert. Das Esslinger Werk ist erst vor wenigen Monaten offiziell eingeweiht worden.

Unterstützung für Weilheim

Region
Weil das Projekt den finanziellen Rahmen der Stadt Weilheim sprengt, hatte das als Aufsichtsbehörde zuständige Regierungspräsidium eine Absicherung verlangt. Daraufhin hatte sich der Verband Region Stuttgart in einer bisher einmaligen Aktion bereit erklärt, für den Kauf jenes Teils der Flächen, auf denen das Projekt von landespolitischer Bedeutung entstehen soll, eine Bürgschaft zu übernehmen.

Volumen
Da Cellcentric 15,5 Hektar der knapp doppelt so großen Rosenloh-Fläche nutzen will, hat die Region bis zu 21,1 Millionen Euro, das entspricht rund 57 Prozent der Gesamtkosten, als Bürgschaft zur Verfügung gestellt. Durch diese Absicherung ist es der Stadt Weilheim nun möglich, die bisher notariell vereinbarten Flächen zu erwerben. hol