Für Baubürgermeisterin Andrea Schwarz bietet das Franck-Areal die Chance, ein neues Stadtquartier umzusetzen. Foto: factum/Jürgen Bach

Der Arsenalplatz soll sich vom Parkplatz zur Wohlfühlfläche für die kleinen und großen Ludwigsburger mausern. Und auf dem Franck-Areal könnte ein Mix aus Wohnen, Arbeiten und Genießen entstehen.

Ludwigsburg - Die Probezeit ist geschafft. Seit sechs Monaten ist Andrea Schwarz Ludwigsburgs Bürgermeisterin für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften. Eine Bürgermeisterin ohne Bürger – zumindest gefühlt, klagt die 46-Jährige in ihrer ersten Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag. Seitdem sie die Stelle angetreten habe, befinde man sich im quasi Dauerlockdown, und der mache es ihr schwer, Kontakte zu knüpfen und ins Gespräch mit Bürgern zu gehen, sagt Schwarz. Das bedaure sie. Darüber hinaus fühle sie sich aber sehr wohl im Rathaus und in der Stadt.

 

Die ersten Monate habe sie damit verbracht, zu schauen wie die Projekte, die die Kommune in der Pipeline hat, mit den immer geringer werdenden finanziellen Spielräumen in Einklang gebracht werden können. „Uns fehlen 45 Millionen Euro im Haushalt“, verdeutlicht Andrea Schwarz die angespannte Situation.

Ein für die Barockstadt wichtiges Projekt ist die zentrale Innenstadt-Entwicklung. In den nächsten Jahren sollen Arsenal- und Schillerplatz in Teilabschnitten neu gestaltet werden. „Drei Planungsbüros haben ihre Entwürfe überarbeitet. Doch wegen Corona hat sich die Entscheidung, welches Büro den Zuschlag bekommt, verzögert“, informiert die 46-Jährige. Ende April wird das Preisgericht tagen, am 19. Mai soll dann der Gemeinderat einen Haken an das für die Innenstadt wichtige Vorhaben machen. „Gerade im Zusammenhang mit dem Rettungspaket für die Innenstadt ist dieser Bereich ein ganz wichtiger Beitrag, den die Stadtplanung leisten kann und soll.“ Allerdings habe man mit Kosten in Höhe von sechs bis acht Millionen Euro zu rechnen. „Deshalb müssen wir auch da schauen, wie wir mit den geringen finanziellen Möglichkeiten möglichst viel umsetzen können – etwa durch Interimgestaltungen.“

Sitzmöglichkeiten statt Autos am Arsenalplatz

Die 300  000 Euro, die die Stadt aus dem Förderprogramm „Post-Corona-Stadt“ des Bundes bekommen hat, würde Schwarz gern nutzen, um dort, wo heute noch Fahrzeuge parken, Aufenthaltsbereiche wie Bänke, Spiel- oder Grünflächen anzulegen. „Wir möchten ausprobieren, was gut funktioniert. Und im Haushalt der Stadt sind bis 2024 auch 600 000 Euro eingestellt, um Schritt für Schritt einen möglichst großen Nutzwert für die Bevölkerung auf dieser Fläche hinzubekommen.“ Die Innenstadt brauche auf jeden Fall mehr Grünflächen, findet Schwarz.

Ein weiterer Meilenstein in puncto Innenstadtentwicklung ist das Franck-Areal. Die Kommune hat einen Teil der Flächen der Firma Nestlé gekauft und möchte in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof ein neues Stadtquartier gründen. Man habe dort Möglichkeiten für Dienstleistungen, fürs Arbeiten, für die Mobilität, für gastronomische Angebote und für Nutzungen im Bereich Wohnen, etwa auf den Dachgeschossen. Wobei letzteres kein Schwerpunkt werden soll, sagt Andrea Schwarz. Man müsse zudem die Lärmbelastung durch den Schienenverkehr prüfen. Sie wünsche sich ein Quartier, das auch in den Abend- und Nachtstunden belebt sei, weil eben auch Menschen dort leben. „Wir müssen über kurz oder lang von diesen monostrukturierten Bereichen der Innenstadt, wo kein Wohnen mehr stattfindet, Zug um Zug wegkommen. Wir brauchen in der Innenstadt wieder mehr Bereiche, die stärker gemischt genutzt werden.“

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Franck-Areal als Teil der Internationalen Bauausstellung?

Bei der Planung stehe die Stadt aber noch ganz am Anfang. Einen zeitlichen Horizont zu nennen, falle ihr schwer, erklärt Andrea Schwarz. Zunächst soll das Gebiet sinnvoll genutzt werden. Etwa durch die drei Logistikunternehmen, die kostenlos Räume auf dem Areal für das Zwischenlagern von Paketen nutzen, um sie dann mit dem Lastenfahrrad auszuliefern. Außerdem soll im September auf dem Franck-Areal das Kultur-Projekt Neuland stattfinden, ein gemeinsames Projekt der Stadt Ludwigsburg und der Wüstenrot Stiftung.

Ein gewisser zeitlicher Druck besteht aber dennoch, denn man liebäugelt seitens der Stadt damit, sich mit dem Areal für die Internationale Bauausstellung 2027 zu bewerben und teilzunehmen.