Ein Blick in die neue Elefantenhalle mit der außergewöhnlichen Dachkonstruktion – nachts mit Sternenhimmel. Foto: herrmann+bosch architekten

Glasdach, Mondlicht und moderne Tierhaltung: Die neue Elefantenanlage der Wilhelma setzt neue Maßstäbe. Projektleiter Julian Karl gibt exklusive Einblicke in Planung und Vision.

Die neue Elefantenanlage in der Wilhelma hat viele Besonderheiten. Seit sechs Jahren schon beschäftigt sich Julian Karl von herrmann+bosch architekten als Projektleiter mit der Planung der neuen Elefantenwelt in Stuttgart, gemeinsam mit seinem Team aus Israel Luna Mino, Paul Salzbrunn, Lutz Knittel und Jonathan Hohl. Teil der Arbeitsgemeinschaft rund ums neue Zuhause für die Stuttgarter Dickhäuter ist auch das Büro mkk-architekten aus Schwerin.

 

Ist es das erste Zooprojekt in der Wilhelma?

Schon bei der Schneeleoparden-Anlage haben die beiden Architekturbüros erfolgreich zusammengearbeitet. „Die Elefantenwelt ist aber das erste große Zooprojekt“, sagt Julian Karl.

Erfahrung auf dem Gebiet ist jedenfalls da: Bei der Bauleitung neuen Amurtigeranlage der Wilhelma hat das Büro, das im Stuttgarter Süden im gläsernen Hochhaus der SVLFG (Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau) seinen Sitz hat, auch schon unterstützt.

Wie werden die Besucher die neue Elefantenwelt erleben?

Die Besucher werden künftig vom Asiatischen Schaubernhof kommend auf eine Wald-Steppen-Landschaft treffen. „Sie wird optisch in den Rosensteinpark übergehen“, erklärt Karl. Denn: Das Gehege ist blickoffen gestaltet. Es wird nur von massiven Pfosten mit Stahlseilen begrenzt. In dem 14 500 Quadratmeter großen Außenbereich können sich sowohl die Mutterherde als auch der Elefantenbulle sowie die Junggesellen bewegen. Stahltore, die nach Bedarf geschlossen und geöffnet werden können, trennen die einzelnen Bereiche ab, zwischen denen die Tiere in der Regel flexibel hin- und herwechseln können.

Visualisierung der künftigen Außenanlage. Foto: herrmann+bosch architekten

Was gibt es besonderes für die Elefanten in der Außenanlage?

Neben den vorhandenen Bäume gibt es schattenspendende Sonnensegel und unterschiedliche Böden: Im ganzen Bereich wird 80 Zentimeter Sand aufgeschüttet sein, dazu Matsch- und Schlammbereiche. Es gibt Spielgerüste aus Altholz, Duschen und Beschäftigungsmöglichkeiten mit verschiedenen Futterstellen.

Wo gibt es einen Steg für Besucher?

Man wird auch auf halber Höhe Richtung Norden einen Besuchersteg begehen können, der ebenerdig ins Gelände führt und beidseits von zwei Wasserteichen umsäumt ist, in denen die Elefanten baden können. „Die Besucher sollen die Tiere auf Augenhöhe erleben“, erklärt Julian Karl.

Karl zeigt auf dem Plan den zweiten Haupteingang in der Pragstraße. Foto: Iris Frey

Wo befinden sich Gebäude?

Auf Höhe der Stadtbahnhaltestelle Rosensteinpark, am künftig zweiten Haupteingang an der Pragstraße, werden sich drei Gebäude befinden: ein Kiosk mit Sanitäranlagen für die Besucher, eine Ticketstation und die Elefantenhalle samt Restaurant.

Was ist das Spektakuläre bei der Elefantenhalle?

Das Dach der Elefantenhalle, die keine Stützpfeiler hat, misst 6 300 Quadratmeter Fläche. Es ist in Form, Größe (70 auf 90 Meter) und Konstruktion einzigartig: Eine Glaskuppel mit Dreifachverglasung und satiniertem Glas schwebt über vier riesigen Holzgitterschichten. „Das ist das Spektakuläre“, betont Karl. Das Thema hat den Architekten schon lange zuvor begleitet. So habe er sich im Architekturstudium auch mit Holz- und Sonderkonstruktionen beschäftigt. Das Dach soll viel Licht in die Halle lassen, aber auch für eine natürliche Luftzirkulation sorgen. Zudem gibt es keine Schatten in der Halle, sondern „eine offene, natürliche Lichtstimmung“.

So soll das Wasserbecken in der Halle später aussehen. Foto: herrmann+bosch architekten

Warum bekommen die Elefanten einen Sternenhimmel?

Speziellen Leuchten im Inneren sorgen abends für eine Mondlichtatmosphäre mit Sternenhimmel für die Elefanten. „Die Elefanten brauchen Mondschein. Denn: Sie schlafen nicht lange und sind auch nachts immer wieder unterwegs“, erkärt der Architekt und Projektleiter.

Wie warm es ist in der Elefantenhalle und wie groß ist sie?

In der Halle, in der es auch zwei große Wasserbecken mit Flachwasserzone gibt, ist es immer über 18 Grad warm. Das Gebäude hat eine Gesamtfläche von 8 400 Quadratmetern und die Außenanlagen haben eine Gesamtfläche von 14 500 Quadratmetern. Das Wasservolumen der beiden Wasserbecken innen beträgt 670 Kubikmeter gesamt. Das Volumen der beiden Wasserbecken außen 630.

Vorbild für die Wilhelma-Anlage: der Kui Bui Nationalpark in Thailand. Foto: WWF Thailand

Welches Vorbild gibt es für die Landschaft?

Vorbild für die Landschaft ist der Kui Buri Nationalpark in Thailand, wie Wilhelma-Sprecher Birger Meierjohann weiß. In diesem Projektgebiet ist auch der WWF aktiv. Die Bepflanzung der Anlage orientiert sich an den in dem Nationalpark vorkommenden Arten.

Wo gibt es fünf Trainingsboxen?

In einem Gebäudekomplex im Bereich des Rosensteinparks befinden sich fünf Trainingsboxen. Dort wird das neue Konzept des Geschützten Kontakts (Protected Contact) verwirklicht, welcher seitens des Europäischen Zooverbands EAZA ab 2030 für die Elefantenhaltung in Zoos verpflichtend sein wird.

Dort haben die Tierpfleger künftig nur noch eingeschränkten Kontakt: Immer wird eine Trennwand zwischen Tier und Pfleger sein, wie es auch der Zoo Karlsruhe bei den Elefanten in seiner Altersresidenz verwirklicht.

Auf der Baustelle werden noch die restlichen Gebäude abgeräumt. Foto: Wilhelma/Lange

Was wird als nächstes auf dem Gelände der Wilhelma gemacht?

Aktuell findet der restliche Abbruch auf dem Gelände der Wilhelma statt. Wenn das Baufeld leer ist, wird als erstes eine Wand an der Pragstraße auf Höhe der Haltestelle Rosensteinpark mit unterirdischen Bohrpfählen erstellt, dann die Baugrube für das Untergeschoss unter dem Restaurant ausgehoben. Später in diesem Jahr sollen die Rohbauten und die Bodenplatte für die Trainingsboxen erstellt werden. Danach ersteht das Kioskgebäude. Am Schluss wird die riesige Dach-Holzkonstruktion angebracht, wenn alle Häuser stehen. Bis 2029 soll die Anlage fertig gebaut sein.

Architekt Julian Karl im gläsernen Hochhaus der SVLFG. Foto: Iris Frey

Welchen beruflichen Hintergrund hat der Projektleiter?

Julian Karl ist gelernter Zimmermann und kommt aus einem Holzbaubetrieb, der ökologische Holzhäuser baut. „Ich stand mit 13 Jahren auf der Baustelle und habe immer am Baum gearbeitet.“ Aufgewachsen ist er in Waldmünchen in der Nähe von Regensburg. Naturschutz war immer ein Thema für den Projektleiter. „Ich habe meinen Zivildienst in einer Naturschutzorganisation gemacht“, sagt der 35-Jährige, der in Biberach und Stuttgart Architektur studiert hat und seinen Master im amerikanischen Chicago abgelegt hat.

Dass mit seinem Team die anspruchsvolle Anlage für die „komplexen, klugen Tiere“ bauen darf, freue ihn sehr.

Dieser Text erschien erstmals am 22.3.2026 und wurde am 3.4.2026 aktualisiert.

herrmann+bosch architekten

Das Büro
wurde 1978 gegründet. Das Team umfasst derzeit etwa 45 Mitarbeitende. Es arbeitet seit über 45 Jahren für private und öffentliche Bauherren.

Bekannte Bauten
es Stuttgarter Architekturbüros sind das IBA’27-Projekt und das doppelt preisgekrönte Holzparkhaus Wendlingen. Aktuell baut das Büro die Trampolinhalle beim Olympiastützpunkt in Stuttgart-Bad Cannstatt.