Noch ruht das frühere Sportgelände des VfL Post. Die derzeit gültigen Zukunftspläne stoßen in der Pliensauvorstadt auf Kritik. Foto: Roberto Bulgrin

Die Pliensauvorstadt hat in den vergangenen Jahren einige Veränderungen erlebt, und der städtebauliche Wandel soll weitergehen. Dass die Bürgerinnen und Bürger mitreden wollen und nicht mit allem einig sind, wurde in einer Einwohnerversammlung deutlich.

Die Pliensauvorstadt gehört zu den lebendigsten Esslinger Stadtteilen. Viel hat sich dort bereits getan, einiges wird sich in den kommenden Jahren noch verändern. Doch längst nicht alles, was geplant ist, findet ungeteilten Beifall – vor allem die Zukunft des VfL-Post-Sportgeländes ist heiß umstritten. Entsprechend kontrovers wurde in der jüngsten Einwohnerversammlung diskutiert. Manches, was sie dort zu hören bekamen, dürfte dem Oberbürgermeister und seinem Team nicht gefallen haben.

 

Parkplatzprobleme im Esslinger Stadtteil

Dass die Parkplatzsituation vor Ort nicht unproblematisch ist, mussten all jene feststellen, die nicht zu Fuß in den Saal von St. Elisabeth gekommen waren. Oberbürgermeister Matthias Klopfer machte klar: „Wir müssen schauen, wie wir den ruhenden Verkehr besser organisieren.“ Während ihm da keiner widersprechen mochte, wurden fünf Themen umso lebhafter besprochen – zwei hatte der Bürgerausschuss, drei die Bürgerinnen und Bürger festgelegt.

Für den meisten Gesprächsstoff sorgten die Pläne der Stadt für das Sportgelände des VfL Post, wo rund 150 Wohneinheiten entstehen sollen. Die Haltung des Bürgerausschusses machte dessen Vorsitzender Andreas Jacobson klar: „Wir lehnen den vom Stadtplanungsamt entwickelten Bebauungsplan ab. Das ist das falsche Projekt, und dann noch am falschen Ort.“ Esslingen brauche neue Wohnungen, der Stadtteil habe dafür jedoch bereits sehr viel getan, weitere Projekte etwa auf dem Nürk-Areal und dem Roser-Areal kämen hinzu. Zudem sei das VfL-Post-Areal eine wichtige Frischluftschneise. „Dieses wertvolle Gelände darf nicht auch noch zubetoniert werden“, fordert Jacobson. Der Bürgerausschuss kann sich mit dem Gedanken der Stadt anfreunden, dass auf dem VfL-Post-Gelände wie von der Stadt geplant eine Kita, eine Altenwohneinrichtung und eine Bewegungsfläche für Jugendliche geschaffen werden. Nötig sei aber auch „eine gute, große Gaststätte“, wo der Zusammenhalt der Stadtgesellschaft wachsen könne. Mit der Verödung des Sportplatzgeländes und der Schließung der bisherigen Gaststätte sei für viele ein Stück Seele des Stadtteils verloren gegangen. Auch eine Erweiterung der Pliensauschule kann sich der Ausschuss dort vorstellen. Vor allem sei „eine sehr große grüne Fläche mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und Bewegungsräumen für Jung und Alt“ nötig – ein Bürgerpark.

Bürgerausschuss und OB sind uneins

Matthias Klopfer konterte prompt: „Das ist das richtige Projekt am richtigen Ort.“ Die Stadt habe die ursprünglichen Pläne deutlich reduziert, obwohl Esslingen jährlich rund 300 neue Wohnungen brauche – nicht um zu wachsen, sondern um seinen Status zu halten: „Wer nicht auf dem VfL-Post-Gelände bauen will, muss sagen, wo wir sonst verdichten können.“ Andere Stadtteile müssten solche Projekte auch meistern. Es gehe nur mit Kompromissen. Stadtplanungsamtschef Axel Fricke erläuterte die Pläne: Ein Viertel der geplanten 150 Wohneinheiten seien als geförderter Wohnraum geplant. Gebaut werden solle „in klimaangepasster Bauweise“, geplant seien eine Kita, ein Quartiersplatz mit gastronomischem Angebot, Bewegungs- und Spielflächen und eine Tiefgarage mit 145 Stellplätzen.

Viele im Publikum konnten sich mit den Plänen nicht anfreunden, wiederholt wurde Kritik durch spontanen Beifall bekräftigt. Ein Bürger berichtete, die Schließung der Gaststätte am Sportplatz sei für viele ein Schlag gewesen, ein anderer monierte, die geplante Bewegungsfläche liege meist im Schatten. Kritisiert wurde, ein Bolzplatz würde nach bisheriger Planung zu nah an der Wohnbebauung liegen. Frickes Hinweis, man habe eine Lösung, die keine Klagemöglichkeit eröffne, konterte eine Zuhörerin: „Wenn Sie das rechtlich gelöst haben, heißt das nicht, dass es auch funktioniert.“ Eine weitere Zuhörerin appellierte an die Verwaltung: „Sie müssen mehr Rücksicht auf uns nehmen, nicht nur an sich denken.“

Was wird aus den Geflüchteten?

Viel diskutiert wird vor Ort auch die Situation auf dem Roser-Areal, wo 150 bezahlbare Mietwohnungen entstehen sollen. Seit Frühjahr 2022 hat der Landkreis dort Geflüchtete untergebracht – zunächst Familien aus der Ukraine, mittlerweile allein reisende Männer anderer Herkunft. Zu Zeiten, als dort etwa 600 Menschen untergebracht waren, hatte es vielfache Kritik gegeben. Inzwischen sind es noch rund 320 Geflüchtete. Der Bürgerausschuss fordert eine klare Perspektive, wann die Flüchtlingsunterbringung beendet wird. Sozialbürgermeister Yalcin Bayraktar erklärte, ab Frühjahr 2025 werde das Landratsamt die Belegung zurückfahren.

Während Themen wie wilder Müll oder der geplante Radschnellweg nur eine marginale Rolle spielten, erläuterte Tiefbauamts-Chef Uwe Heinemann die Pläne für den Neubau des Mittelteils der Pliensaubrücke und die Fußgängerverbindung Richtung Innenstadt während der Bauzeit. Außerdem stellte er Überlegungen für eine mögliche Fußgänger- und Radverbindung Richtung Weststadt vor, die allerdings noch Zukunftsmusik sind. Und schließlich stand auch das Stadtteil-Entwicklungskonzept ISEK auf der Tagesordnung. Für Andreas Jacobson ist klar: „Es kann nicht nur um Teillösungen gehen. Der Stadtteil braucht einen Gesamtplan.“

Die Pliensauvorstadt und ihre Vertretung

Stadtteil
 Die Pliensauvorstadt gehört mit rund 7000 Einwohnern zu den größten Esslinger Stadtteilen. Laut städtischem Sozialmonitor ist der Anteil der Senioren deutlich geringer als in anderen Stadtteilen. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund gehört mit mehr als 60 Prozent und der Ausländeranteil mit mehr als 40 Prozent zu den höchsten in Esslingen. „An den Familienhaushalten beträgt der Anteil mit Migrationshintergrund 54,1 Prozent und belegt damit einen Wert in der Spitze der Stadtteile“, heißt es im Sozialmonitor.

Abschied
 Sechs Jahre und damit coronabedingt doppelt so lang wie üblich hat der Bürgerausschuss Pliensauvorstadt amtiert. Drei seiner Mitglieder haben nicht mehr kandidiert: Klaus Göhring (25 Jahre im Ausschuss), Petra Hofmann (18 Jahre) und Matthias Hendel zwölf Jahre im Ausschuss).

Neubeginn
 Neu in den Bürgerausschuss gewählt wurden Andreas Jacobson (62 Stimmen), Pia Erbil (59), Wilfried Rapp (59), Helga Renner (57), Izana Araya (54), Monika Wurst (53), Jörg Sanzenbacher (51), Margret Horn-Büchel (50), Sven Lang (46), Eberhard Clauß (40), Lars Büchel (36) und Hannes Briechle (35 Stimmen).