Um das Ludwigsburger Krankenhaus baulich für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen, soll das Areal neu geordnet werden. Auch die angespannte Verkehrssituation im Umfeld steht jetzt im Fokus der Planer. Foto: Werner Kuhnle

Die zentrale Lage der Ludwigsburger Klinik hat viele Vorteile, bereitet aber auch Probleme. Die Politik stellt jetzt Weichen dafür, dass das Krankenhaus wachsen kann. Doch die eingeklemmte Lage zwischen Blüba und Wohnbebauung macht es schwer.

Ludwigsburg - Es gibt kaum etwas, das derzeit nicht aus dem Corona-Blickwinkel betrachtet wird. Also stieg auch der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried auch in das Thema Krankenhaus-Entwicklungsmöglichkeiten mit der Feststellung ein: „Noch nie war das Klinikum so wichtig wie heute.“ Die Standortsicherung des Krankenhauses, das über rund 1000 Planbetten verfügt und etwa 3000 Mitarbeiter beschäftigt, sei der Stadtverwaltung ein „sehr großes Anliegen“.

Der zentrale städtische Standort hat allerdings nicht nur einen Pferdefuß. Gelegen zwischen den Schlossgärten des Blühenden Barocks, Wohnbebauung und zwei Friedhöfen, ist das Hauptgrundstück an der Posilipostraße dicht bebaut; Erweiterungen und Aufstockungen sind fast nicht mehr möglich. Zudem sorgt der Parksuchverkehr für Stress und Krach. Autofahrer irren durch enge Anwohnerstraßen, das Parkhaus ist nahezu dauerbesetzt.

Hechenberger: „Wir müssen Prioritäten setzen“

Der kaufmännische Direktor Axel Hechenberger riss in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften weitere künftige Baustellen an: „Unsere Schule für Pflegeberufe ist abgängig, für sie brauchen wir eine neue Lösung.“ Auch bei den Krankenhaus-Liegenschaften an der Erlachhofstraße und der Harteneckstraße – Personalwohnungen, Verwaltungs-, Sozial- und Wirtschaftsgebäude – besteht Sanierungsbedarf. In welchem Zeitraum diese Entwicklungen angepackt werden sollen, dazu gibt es noch keine Angaben. „Was wann machbar ist, das müssen wir zusammen mit dem Landkreis planen und überdenken und dann Prioritäten setzen“, sagte Hechenberger.

Um Weiterentwicklungen überhaupt zu ermöglichen, wollen die Stadtverwaltung und das Klinikum in einem Rahmenplan festlegen, wohin die Reise gehen kann. „Wir wollen einen Korridor für künftige Entwicklungen definieren und Leitplanken setzen“, sagte Seigfried. So könnten langfristige Planungsperspektiven festgelegt und mögliche Nutzungskonflikte rechtzeitig erkannt werden.

Ziemlich unübersichtlich

Das Stuttgarter Planungsbüro Wick + Partner hat dafür eine Bestandsanalyse vorgenommen und eine städtebauliche Entwicklungsstudie vorgelegt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die anstehenden Sanierungen ein erhebliches Neuordnungspotenzial auf dem Klinikgelände bergen, die zur Verbesserung der Gesamtsituation beitragen könnten – durch Entlastung der Verkehrssituation, durch klarere funktionale Zuordnungen und bessere Übergänge zur Nachbarschaftsbebauung. „Aktuell ist der Bestandsplan ziemlich unübersichtlich“, kommentierte Michael Schröder von Wick + Partner, als in der Sitzung eine Gesamtübersicht über das Gelände an die Wand gebeamt wurde.

Die Planer haben mehrere Varianten durchgespielt und schlagen jetzt vor, das klinikeigene Grundstück nördlich der Erlachhofstraße komplett für Personalwohnungen vorzusehen. Dafür sollen medizinische Nutzungen wie die Dialyse perspektivisch auf dem Areal des bisherigen Wirtschaftshofes neu angesiedelt werden. Das Parkhaus wird erweitert – ein Verkehrsgutachter empfiehlt 400 zusätzliche Stellplätze – und zur Harteneckstraße gedreht. Auf dem dadurch entstehenden Grundstück zur Erlachhofstraße könnte die Pflegeschule neu gebaut werden. An der Ostseite der Harteneckstraße wären dann kliniknahe Nutzungen wie die Sozialpädiatrie, die Betriebskindertagesstätte und das Ärztehaus denkbar. Auch eine hochwertigere Gestaltung der wenigen Frei- und Grünräume ist gewünscht.

Zerklüftetes Planungsrecht

Über diese Basisüberlegungen für den städtebaulichen Rahmenplan, den der Gemeinderat beschließen soll, sind sich Klinikleitung und Stadtverwaltung bereits einig. „Bis zum Rahmenplan müssen die bisherigen Erkenntnisse konkretisiert, das Maß der baulichen Nutzung definiert und die Realisierbarkeit der Maßnahmen weiter geprüft werden“, heißt es in der Vorlage zu dem Rahmenplan. Lange warten will man mit dem Beschluss nicht: Im Hinblick auf dringend anstehende Investitionsentscheidungen des Klinikums müsse der Rahmenplan so schnell wie möglich festgezurrt werden.

Bereits jetzt empfiehlt der Ausschuss für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften dem Gemeinderat, die Aufstellung eines Bebauungsplanes „Klinikum Harteneckstraße“ zu beschließen. Er soll den Parkplatz am Alten Friedhof, das Klinik-Parkhaus und die ihm gegenüberliegenden Gebäude wie die Schule für Pflegeberufe oder die Kinder- und Jugendpsychiatrie umfassen. „Dort haben wir ein ziemlich zerklüftetes Planungsrecht, das wir dringend bereinigen müssen“, sagte Stadtplaner Martin Kurt.

Der Bebauungsplan soll dieses Areal in ein Sondergebiet zugunsten der Umbau- und Neuordnungspläne der Klinik umwandeln. Damit sollen nicht zuletzt die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Erweiterung des Parkhauses geschaffen werden. In Sachen Verkehr ist die Harteneckstraße schließlich ein Nadelöhr: Patienten, Besucher, Mitarbeiter, Rettungsfahrzeuge und der Lieferverkehr fahren die Klinik fast ausschließlich über diese Verbindung an.

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