Zwei Jahre wurde gebaut, im September geht das Waldenbucher „Mehrgenerationen-Wohnen“ in Betrieb. Es bietet allerhand.
Nach gut zwei Jahren Bauzeit ist das wohl größte Stadtprojekt der vergangenen Jahre fertig. Innerhalb des imposanten Neubaus, der sich im Wohngebiet Kalkofen in unmittelbarer Nähe zu Hallenbad und Schule befindet, laufen die Abschlussarbeiten auf Hochtouren. Sobald die letzten Küchen installiert sind, startet ab September der Betrieb des Waldenbucher Projekts „Mehrgenerationen-Wohnen“.
Die Anregung für eine alternative Wohnraumschaffung ging einst von der Stadt und dem Gemeinderat aus. Es sollte etwas Besonders entstehen, das selbstbestimmtes Wohnen über alle Generationen bis ins hohe Alter ermöglicht. Ein ganz spezieller Wunsch des damaligen Bürgermeisters Michael Lutz war es zudem, Sozialwohnungen vorzuhalten, die den anderen in Leistung und Ausstattung in nichts nachstehen. Nun ist das moderne Wohnmodell der Zukunft bezugsfertig.
Platz für 37 betreute Wohnungen
Der komplett barrierefreie Neubau auf einer Grundfläche von knapp 4800 Quadratmetern bietet zwei Wohngemeinschaften mit ambulanter Betreuung, 37 Einheiten für betreutes Wohnen, Sozialwohnungen, Familienwohnungen und eine Tagespflegeeinrichtung. Betreiber des Objekts ist die Mevita Pflegedienst GmbH, die die stationäre Pflege übernimmt sowie den Komplex verwaltet und sich um die Vermietungen kümmert. Ansprechpartner vor Ort sind Natalia Oertel und Meike Grossmann, die sich die Aufgaben der Hausleitung aufteilen. Letztere führt zudem mit zwei Therapeutenkollegen eine logopädische Praxis, die im Haus angesiedelt ist.
Als gute Seelen des Hauses bezeichnet Mevita-Geschäftsführer Paul Hnas die beiden Damen. Sie würden auch gerne unkompliziert und schnell Hilfe schicken, wenn mal ein Regal an die Wand soll oder ein Leuchtmittel getauscht werden muss, sagt er: „Unser Fazit ist: die Bewohner sind hier zu Hause, wir als Betreiber sind nur die Gäste im Haus.“ Den Bereich der ambulanten Pflege übernimmt die Diakonie und Sozialstation Schönbuch.
Wünsche äußern, ohne zur Last zu fallen
„Durch die Zusammenarbeit von Betreiber und Diakoniestation Schulter an Schulter können wir stationäre und ambulante Leistungen aus einer Hand anbieten“, erklärt Paul Hnas. Leider sei die Betreuung in der Tagespflege bei der Bevölkerung noch relativ unbekannt. Hierbei ginge es allerdings eher um eine geregelte Tagesstruktur mit Betreuung sowie um Kontaktpflege, um Vereinsamung im Alter vorzubeugen, als um die Pflege. Mevita-Berater Rolf Schneider kann eine Geschichte aus einer anderen Einrichtung erzählen, wo er einen Gast fragte, warum es ihm gefallen würde, da zu sein. „Hier darf ich meine Wünsche äußern. Zu Hause falle ich meinen Angehörigen damit noch mehr zur Last. Darum gefällt es mir“, hatte ihm der Senior geantwortet.
Auch im betreuten Wohnen sowie in den Wohngruppen wird Selbstbestimmung groß geschrieben. Wer möchte und kann, darf sich aktiv in den Alltag einbringen. Geräumige Zimmer mit barrierefreiem Bad, Einbauschrank und Platz für Privatsphäre stehen dafür zur Verfügung. Diese Lebensgrundlage bildet laut Betreiber den Unterschied zum klassischen Pflegeheim. Wer hier einziehen möchte, muss mindestens 60 Jahre alt oder pflegebedürftig sein.
WLAN auf allen Ebenen
Moderne Menschen haben jedoch auch besondere Ansprüche, wie das Beispiel einer 90-jährigen Interessentin zeigt. Ihre erste Frage bei der Wohnungsansicht war, ob das WLAN auch funktionieren würde. Schließlich müsse sie mit ihrem Sohn in Australien skypen können. Natürlich bietet das neue Wohnkonzept auch das auf allen Ebenen.
Angebote im Mehrgenerationenhaus
Wohnungen
Das Objekt bietet Wohnungen für 21 Familien sowie fünf für Personen mit Wohnberechtigungsschein. Dazu finden 14 Personen in zwei ambulant betreuten Wohngemeinschaften Platz, von denen ebenfalls sieben Plätze für Menschen mit Sozialleistungsbezug zur Verfügung stehen. Nochmals 37 Einheiten bietet der Bereich betreutes Wohnen. Im Unterschoss wurden zudem großzügige, helle Räume für die Tagesbetreuung mit 18 Plätzen eingerichtet.
Tagespflege
Die Pflegekasse fördert die Tagespflege, und der Beitrag der Pflegekasse deckt den Aufenthalt. Nur Kost und Unterhalt sind selbst zu leisten. Es ist möglich, die Einrichtung auch nur tageweise, also zum Beispiel zweimal wöchentlich nur an den Vormittagen zu nutzen. Bei 18 Plätzen sind etwa Anmeldungen von 60 Personen für eine Komplettauslastung möglich. Die Tagespflege steht allen Personen, auch außerhalb Waldenbuchs zur Verfügung. Auch, wenn es nur um die Teilnahme am Mittagstisch geht.
Gemeinschaftsräume
Eine große Cafeteria ist als Raum der Begegnung, für Familienfeiern der Bewohner und für den Mittagstisch vorgesehen. Zur aktiven Bewegung steht ein Fitnessraum für Senioren zur Verfügung. Ebenfalls eine Bibliothek inklusive eines Computers zur allgemeinen Nutzung.