Beschäftigte am kleinsten Opel-Standort in Eisen­ach bangen um ihre Jobs. Foto: dpa

Der Chef des französischen Mutterkonzerns PSA legt für die drei Opel-Werke in Deutschland einen Investitionsplan ohne Vorbedingungen vor. Dieser soll auch mit dem Betriebsrat diskutiert werden.

Rueil-Malmaison - „Wir haben einen Plan für die drei deutschen Opel-Werke und sind bereit, darüber mit den Sozialpartnern zu verhandeln.“ Diese Ankündigung machte Konzernchef Carlos Tavares am Donnerstag in Rueil-Malmaison am Hauptsitz des PSA-Konzerns, dem die Marken Peugeot, Citroën, DS und seit einem Jahr auch Opel gehören. Der Vorstoß soll die festgefahrenen Verhandlungen mit den Sozialpartnern wieder in Gang bringen.

Tavares reagierte bei dem Treffen mit deutschen Journalisten auch auf die Befürchtungen der Gewerkschaften vor einem größeren Jobabbau. Der Chef des französischen Konzerns machte klar, dass keine Entlassungen vorgesehen seien: „Es wird keine anderen als freiwillige Abgänge geben“, sagte der 59-jährige Manager.

Garantie für ein zweites Modell für Eisenach gibt es nicht

Tavares zufolge soll der Plan „Fabrik für Fabrik auflisten“, welche Modelle in welchem Werk hergestellt werden, welche Kapazitäten man dafür benötigt und wie hoch die Investitionen an den einzelnen Standorten sein müssen. Konkreter wurde der Vorstandschef des französischen Autoherstellers nicht. Auf die Frage, ob im Werk Eisenach – dem kleinsten deutschen Opel-Standort – ein zweites Fahrzeugmodell geplant sei, um die Arbeitsplätze in Zukunft zu sichern, blieb er eine Antwort schuldig. Niemand könne heute vorhersagen, wie viele Exemplare eines Wagens im Zeitraum 2015 bis 2030 benötigt würden, meinte Tavares ausweichend. Genauere Angaben verweigere er in der Öffentlichkeit auch zum Schutz vor der Konkurrenz, sagte er. Die Elektromobilität mache aber generell eher neue Einstellungen erforderlich.

Tavares bekräftigte, die Gespräche über den Investitionsplan seien nicht an Vorbedingungen geknüpft. Relativierend fügte er allerdings an, die Grundlage der Verhandlungen bleibe das Erreichen der operativen Marge – also der Anteil des operativen Ergebnisses am Umsatz – von sechs Prozent im Jahr 2026. Diesen Wert hatte Opel-Chef Michael Lohscheller bereits im November im Strategieplan „Pace“ genannt. Tavares ergänzte, die Höhe habe Opel selbst festgelegt – und zwar nicht auf willkürliche Weise: Mit einer solchen Marge solle der kriselnde deutsche Hersteller die europaweit erreichte Betriebsmarge von fünf bis sechs Prozent knapp übertreffen, um gegenüber den anstehenden Umbrüchen der Branche – Elektroantrieb, CO2-Grenzwerte, autonomes Fahren – gewappnet zu sein.

Tavares äußerte sich allgemein sehr lobend über den deutschen Opel-Vorstandschef, dem er seine „volle Unterstützung“ zusicherte. Lohscheller habe eine sehr schwierige Aufgabe in einem negativen Klima, und die Kritik an ihm sei ungerecht. Zur Prämie von einer Million Euro, die Tavares kürzlich selbst für die Übernahme von Opel eingestrichen hatte, meinte er, so etwas werde in Frankreich als normal betrachtet.

Andere Opel-Standorte haben bereits Einigung erzielt

Zur Weigerung der IG Metall, die Aufhebungsverträge von 70 austrittswilligen Opelanern zu genehmigen, äußerte sich der PSA-Chef nicht. Der 59-jährige Portugiese gab sich immerhin „überrascht“, dass bisher nur die deutschen Opel-Belegschaften keine Einigung über die Werksanierung erzielt hätten. An allen anderen Opel-Standorten in Großbritannien, Polen, Spanien oder Österreich seien Vereinbarungen längst in Kraft. In Deutschland daure das halt „ein wenig länger“, meinte Tavares, der sich als „erpicht“ bezeichnet, „das deutsche Mitbestimmungsmodell besser kennenzulernen“.

Am Schluss laufe es allerdings wie überall darauf hinaus, dass alle Sozialpartner an einem Tisch gemeinsam Entscheidungen treffen müssten. In Frankreich habe PSA auf diese Weise die Werkauslastung in vier Jahren von 80 auf 120 Prozent gesteigert. Auch bei Opel, so Tavares, hätten alle Beteiligten ein Interesse daran, das Unternehmen „so schnell wie möglich“ wieder aufzurichten, bevor die CO2-Vorgaben im nächsten Jahrzehnt neue Anpassungen erforderlich machen würden.

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