In einer Bürgerbeteiligung soll es um die Zukunft Heumadens gehen. Foto: Caroline Holowiecki

Für ein Gebiet in Stuttgart-Heumaden hat der Bezirksbeirat 2019 ein umfassendes Entwicklungskonzept durchgeboxt. Nun ist bekannt, wie und wann die Bürger beteiligt werden.

Heumaden - Mit der Freien Aktiven Schule (FAS) hat alles angefangen. Die Privatschule sitzt im Degerlocher Gebiet Hohe Eiche, kann dort aber nicht bleiben. Stadt Stuttgart und Gemeinderat hatten vor Jahren bereits diverse mögliche Standorte in Sillenbuch ausgemacht, der Bezirksbeirat war aber mit keinem einverstanden gewesen.

Schließlich – das war Ende 2018 – stimmte das Lokalgremium mehrheitlich einem Antrag von CDU und SPD zu, wonach die Stadt zunächst ein ganzheitliches Konzept fürs Gebiet Über der Straße, Schwellen-, Schwarz- und Brücklesäcker erarbeiten soll. Der zuständige Gemeinderatsausschuss gab dem im Februar 2019 nach – solange die FAS der Fixstern bleibt. Durchgeboxt hatten die Sillenbucher zudem eine ergebnisoffene Bürgerbeteiligung.

Los geht es mit einem öffentlichen Stadtteilspaziergang

Wie die ablaufen soll, darum ging es in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats. Vonseiten des Büros Internationales Stadtbauatelier (ISA) war zu hören, dass mehrere Phasen geplant sind. Los geht es mit einem öffentlichen Stadtteilspaziergang am 13. November. An dem sollen sich Bürger, aber auch sogenannte Schlüsselakteure aus den Bereichen Bezirksverwaltung, Landwirtschaft, Vereine, Kirchen, Gastronomie oder Schulen beteiligen. „Das Ziel ist herauszufinden: Wo drückt der Schuh?“, erklärte Philipp Dechow, Architekt und geschäftsführender Partner von ISA. Schließlich sollen sich daraus Visionen entspinnen. Die Anregungen aus dem Spaziergang sowie aus mobilen Briefkästen, die im Gebiet zusätzlich aufgestellt werden, sollen schließlich in zwei Bürgerwerkstätten 2022 einfließen. Dort möchte man jeweils Entwürfe zur Diskussion vorlegen.

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Das fragliche Areal ist groß. Es umfasst das komplette Wohngebiet Über der Straße und die Schulen inklusive GSG, außerdem die Felder im Gebiet Schwellenäcker und zwischen Ostfilderfriedhof und Bockelstraße sowie den dortigen Anschluss an die Kirchheimer Straße. Zentral ist mittendrin die Schneise, die ehemals freigehalten wurde, um die mittlerweile verworfene Filder­auffahrt zu bauen. Im städtebaulichen Entwicklungskonzept sollen Potenziale aufgezeigt werden.

Viele Fragen sind noch ungeklärt

Bauflächen werden jedenfalls benötigt. So besteht laut Susanne Frucht, der Leiterin der Abteilung Städtebauliche Planung Filder, unter anderem Bedarf für acht Kita-Gruppen. Fraglich ist, was mit dem Gelände der Hundesportfreunde Degerloch passiert und ob es, falls nötig, geeignete Ausgleichsflächen für den Riedenberger Landwirt Klaus Wais gibt, der im Gebiet die Äcker bewirtschaftet.

Bis Anfang 2023 soll der Prozess dauern. Ein interdisziplinäres Team aus Architekten, Landschafts- und Verkehrsplanern wird ihn begleiten. Zwischenberichte im Bezirksbeirat und im Gemeinderat sind vorgesehen. „Sie sollten dieses Entwicklungskonzept als Chance begreifen“, sagte Philipp Dechow. Dass sich eine Verwaltung auf eine so üppige Konzeption einlasse, „das gibt es nicht oft“.

Die Äcker sollen erhalten bleiben

Der SPD-Fraktion war das dennoch nicht genug. Christa Widmaier-Berthold monierte, sie habe den Eindruck gewonnen, dass eher Brainstorming als eine umfassende Bürgerbeteiligung geplant sei. Die Bürgerwerkstätten müssten nach ihrem Geschmack zu jeweils zwei- bis dreitägigen Veranstaltungen „im Sinne einer Zukunftskonferenz“ ausgebaut werden. Zudem regte sie an, dass alle relevanten Gruppen systematisch identifiziert und involviert werden sollten, statt einfach nur öffentlich einzuladen, außerdem müsse dem Bezirksbeirat „eine mitgestaltende Rolle“ zukommen.

Andere Fraktionen hatten an der angedachten Konzeption weniger auszusetzen. Johanna Molitor (FDP) wollte lediglich klargestellt wissen, dass die Bürger ausreichend über rechtliche Rahmenbedingungen oder Festsetzungen von Bebauungsplänen informiert werden, „um Frustrationen niedrig zu halten. Es ist wichtig, dass die Bürgerwerkstatt kein Wünsch-dir-was ist“. Selbst der Landwirt Klaus Wais, der im schlechtesten Fall Flächen verlieren könnte, gab sich skeptisch, aber abwartend. „Wie die Interessen der Landwirtschaft überleben sollen, da bin ich gespannt“, sagte er, gleichzeitig zeigte er sich froh, involviert zu werden. „Es ist ein Novum, dass die Landwirtschaft überhaupt einbezogen wird.“ Aus diversen Fraktionen gab es vorab Rückendeckung. Sie pochten drauf, dass Äcker erhalten bleiben.