Lokaljournalismus ist für ihn unersetzbar: Thomas K. Slotwinski spricht bei der Leonberger Senioren-Union. Foto: Simon Granville

Der Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski spricht bei der Senioren-Union Leonberg über Chancen und Herausforderungen des Lokaljournalismus.

„Lokaljournalismus ist direkt dran an den Menschen, deshalb erachte ich ihn als wichtig und zukunftsträchtig.“ Thomas K. Slotwinski ist von seinem Metier überzeugt. In der Gaststätte Engelberg gab der Leiter der Leonberger Redaktion unserer Zeitung den Mitgliedern der Senioren-Union Einblicke in seine Arbeit im Besonderen und in die Zeitungsbranche in Deutschland im Allgemeinen.

 

Vom Landtag „zurück zu den Menschen“

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit 40 Jahren journalistisch tätig. Fünf Jahre lang schrieb er aus Mainz über die Landespolitik – die Arbeit im Landtag sei ihm mitunter wie in einem Raumschiff vorgekommen, nicht wie das wirkliche Leben. Gerade deswegen schätzt er am Lokaljournalismus vor allem das Unmittelbare, den direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort. „Uns kann man nicht durch Facebook und Co. ersetzen“, betont Slotwinski. Auch die Mitglieder der Senioren-Union teilen offenkundig diese Einschätzung.

Die Zeitungsbranche ist im Wandel

Dennoch macht der Redaktionsleiter kein Geheimnis daraus, dass die Zeitungsbranche seit einigen Jahren einem gravierenden Wandel unterliegt. Immer mehr Menschen lesen Nachrichten online, während die Auflage der gedruckten Zeitungen sinkt. Gleichzeitig steigen die Kosten für den Druck und den Vertrieb – Entwicklungen, die besonders den Lokaljournalismus treffen, weil er naturgemäß ein kleineres Publikum erreicht.

Unsere Zeitung ist auch ein wichtiger Akteur in der Stadtgesellschaft, wie hier beim Talk mit den Leonberger OB-Kandidaten. Foto: Granville

„Im Netz werden aber populäre Themen besser gelesen, und das erhöht auch die Erwartungshaltung an uns Journalisten“, erklärt Slotwinski. Wenn ihn Leser fragten: „Warum habt ihr das nicht in der Zeitung gebracht?“ müsse er eingestehen, dass dieses Thema online vermutlich nicht funktioniert hätte, weil es kaum von den Usern und Userinnen gelesen worden wäre.

Immer mehr Leser schätzen das E-Paper

Denn heutzutage müssten Themen nicht ausschließlich inhaltlich relevant sein, sondern auch digital die Leser ansprechen. Doch gleichzeitig seien die klassischen Printleser, die die Zeitung in Papierform beziehen, selbstverständlich nach wie eine wichtige Zielgruppe. Diese beiden Pole zu vereinen – Print und Online – sei eine wichtige Herausforderung der Branche. „Wobei klar ist, dass der Zug mit hohem Tempo in Richtung digitale Zukunft unterwegs ist.“

Für viele eine interessante Kombination aus beiden Welten sei das E-Paper, also die gedruckte Zeitung digital auf einem Tablet oder auf dem Bildschirm zu lesen. Mehrere Mitglieder der CDU-Untergliederung bekannten sich denn auch als E-Paper-Freunde.

„Die kritisch-konstruktive Diskussion findet in Bubbles nicht statt“

Ganz grundsätzlich habe sich der Medienkonsum gravierend geändert, sagte Slotwinski. Viele Menschen bewegten sich in jenen „Blasen“, in denen lediglich die jeweils eigenen Meinungen transportiert und unterstützt würden. „Die kritisch-konstruktive Diskussion, der Austausch von Sachargumenten, findet in diesen sogenannten Bubbles überhaupt nicht mehr statt“, erklärte der Redaktionsleiter.

Umso wichtiger sei es deshalb, sich nicht von der zunehmenden Polarisierung in den sozialen Medien vereinnahmen zu lassen. Als Redakteur begreife er es als seine Aufgabe, das lokale Geschehen vielseitig darzustellen und einzuordnen. Ein Anspruch, der den Zuhörern von der Senioren-Union sehr am Herzen liegt. „Von meiner Zeitung erwarte ich sachliche Informationen“, sagte etwa der frühere Landesfinanzstaatssekretär Wolfgang Rückert.

„Wir als Lokaljournalisten sind nah an den Menschen“

Slotwinski verwies darauf, dass eine einordnende und analytische Kommentierung ein zentrales Element des Qualitätsjournalismus sei. Dafür müsse man wissen, welche Probleme und Gedanken breite Kreise der Bevölkerung haben. „Wir als Lokaljournalisten sind nah an den Menschen, das ist ein großer Vorteil“, meinte der erfahrene Redakteur. „Deshalb können wir in bester lutherischer Manier dem Volk auf’s Maul schauen.“