Die Stadtbahn wird bald nach Ditzingen fahren – wenigstens das wird immer wahrscheinlicher. Foto: Lichtgut/Archiv

Während der Landrat und der Ludwigsburger Rathauschef über den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs diskutieren, bringt Korntal-Münchingen einen bisher wenig beachteten Aspekt in die Debatte ein.

Strohgäu - Die Stuttgarter Stadträte haben den Weg frei gemacht für das Stadtbahndepot an der Markungsgrenze zu Ditzingen. Damit rückt die Verlängerung der Stadtbahn von Stuttgart-Weilimdorf nach Ditzingen in greifbare Nähe. Derweil diskutieren der Landrat Rainer Haas und Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec (beide parteilos) weiterhin kontrovers über den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis.

So lange dort keine Entscheidung gefallen ist, wirbt auch der Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf für seine Idee. Bei einer Erweiterung des SSB-Netzes sieht er nämlich die Chance zur Anbindung nicht nur von Bosch in Schwieberdingen, sondern auch von Kallenberg, Der kleine Korntal-Münchinger Stadtteil ist wirtschaftlich stark, gleichwohl so klein, dass er offiziell zu Münchingen gehört.

Bürgermeister nutzt die Dynamik der Debatte

Wolf (parteilos) will einerseits die Dynamik der Ludwigsburger Debatte und der Stuttgarter Entscheidung für seine Stadt nutzen. Andererseits will er sicherstellen, dass mit dem geplanten Ausbau der B 10 eine mögliche Bahntrasse nicht verbaut wird. Bis 2030 soll die Bundesstraße bis Enzweihingen vierspurig ausgebaut sein.

„Warum fängt man den Verkehr nicht an dem Knotenpunkt von A 81 und B 10 ab?“ fragt Wolf. Um den Individualverkehr zu minimieren, müsse man Pendlern aber auch ein attraktives Angebot in Richtung Stuttgart machen. Dass auch die Landeshauptstadt ein Interesse daran haben wird, liegt für ihn vor dem Hintergrund von Feinstaubproblematik, Dieselfahrverbot und Klimaschutz auf der Hand.

Idee vom Pendlerparkhaus

Mit der Stadtbahn könnten die Korntal-Münchinger zudem eben auch den Kallenberg anbinden. Das Gebiet ist bisher über den Bus mit der Gesamtstadt verbunden. Wolf sagt aber auch: „Die Projektleitung liegt beim Landratsamt. Wir können das nicht allein stemmen.“ Dabei habe die Anbindung an die SSB-Bahn Potenzial für die Region, sagt Wolf. Denn bei dem Verkehrsknoten soll ein regionaler Gewerbeschwerpunkt entstehen. Ein Pendlerparkhaus, so Wolf, könnte folgen. Auch wenn sein Gemeinderat durchaus zwiegespalten ist, im Regionalplan ist wenigstens der Schwerpunkt bereits fixiert.

Wolf fordert zunächst eine politische Grundsatzentscheidung für oder gegen diese Idee. Den Trassenverlauf – etwa entlang der B 10 – zu diskutieren, sei verfrüht.

Während die Ausweitung des SSB-Netzes in Richtung Schwieberdingen und Korntal-Münchingen in den Blickpunkt rückt, könnte der Streit um eine eigenständige Stadtbahn in Ludwigsburg dazu führen, dass das Projekt immer unwahrscheinlicher wird. Das Verkehrsministerium verlangt Einigkeit, wenn es demnächst über Zuschüsse entscheiden soll. Haas und die auf die Stadtbahn hoffenden Kreiskommunen fordern, Ludwigsburg solle sich nach dem „Nein“ zum Hochflursystem nun wenigstens verbindlich auf die Einführung des Niederflursystems festlegen. Das hat Ludwigsburg nicht vor, wie Spec vergangene Woche abermals betonte.

OB füechtet Zeitverzug, der Landrat schwindende Fördergelder

Spec befürchtet „jahrelange unkalkulierbare Zeitverzögerungen durch die Entwidmung des auf der Strecke liegenden Eisenbahnrechts und durch ein komplett neues Planfeststellungsverfahren“. Es zeichne sich ab, dass aktuelle Untersuchungen „der raschen Schienenreaktivierung und der Einführung von modernen BRT-Systemen auf eigenen Trassen den Vorrang geben“, so Spec. Mit der beschlossenen Doppelstrategie könne bis 2022 die schnelle Reaktivierung der Schienenstrecke bis Markgröningen mit einer Verlängerung nach Kornwestheim und einem zusätzlichen Bahnhalt beim Wüstenrot-Komplex verwirklicht werden, ebenso erste Schnellbus-Trassen. Dennoch wolle sich die Stadt alle Möglichkeiten für eine Niederflurbahn offen halten, „deren Realisierung nach allen Erfahrungen frühestens in 10 bis 15 Jahren möglich wird“.

Landrat Haas befürchtet derweil, dass „172 Millionen Euro Fördergelder nicht in den Kreis Ludwigsburg, sondern nach Wanne-Eickel gehen“, sollten Kreis und Stadt nicht einig auftreten und bald die nächsten Beschlüsse fassen. Er lobt derweil das einmütige Votum der Stuttgarter, die U 13 nach Ditzingen weiterzuführen.

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