Hebammen und Mütter protestieren in Leonberg gegen eine Schließung der Gynäkologie. Foto: Jürgen Bach/ 

Die Sozialdemokraten halten nichts von einem städtischen Zuschuss. Sie setzen auf Altersmedizin und vielfältige ambulante Angebote

Überhaupt nichts hält die Leonberger SPD vom Vorschlag der CDU, den Weiterbetrieb der Geburtshilfe am Leonberger Krankenhaus mit einem städtischen Zuschuss zu unterstützen. „Wo kommen die Millionen denn her, die dafür erforderlich wären?“, fragen der Kreisrat Günther Wöhler, der selbst Arzt ist, Ottmar Pfitzenmaier, der Chef der Gemeinderatsfraktion, und die Vorsitzenden der SPD Leonberg, Christian Buch und Elviera Schüller-Tietze, in einer gemeinsamen Erklärung.

 

Die Sozialdemokraten reagieren auf einen Vorstoß des Chefs des CDU-Stadtverbandes. Oliver Zander hatte sich im Gespräch mit unserer Zeitung vehement für einen Erhalt der Gynäkologie und der hebammengeführten Geburtsstation ausgesprochen. Eine gute Geburtshilfe hätte die Funktion einer positiven Visitenkarte: Mütter, die sich hier gut aufgehoben fühlen, kämen auch im Krankheitsfall in die Leonberger Klinik.

Geburten nur noch in Böblingen und Nagold?

Das mögliche Aus der Gynäkologie in Leonberg ist ein Teil des sogenannten Medizinkonzeptes für die Kreise Böblingen und Calw, in denen der Klinikverbund Südwest Krankenhäuser in Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen betreibt.

Die Häuser in Böblingen und Sindelfingen sollen zu einer großen Zentralklinik auf dem Flugfeld zusammengefasst werden, deren Kosten mittlerweile auf 750 Millionen Euro hochgeschnellt sind. Das Krankenhaus Herrenberg soll zur Tagesklinik werden, Geburten sind demnach künftig nur noch in der neuen Flugfeldklinik und in Nagold geplant.

Dagegen gibt es nicht nur politischen Protest – der Gemeinderat in Herrenberg hat das Medizinkonzept geschlossen abgelehnt. Auch Hebammen und Mütter sind mit der Zentralisierung der Geburtshilfen nicht einverstanden.

Die SPD hat hat zwar Verständnis für die Proteste, hält es aber allein aus finanziellen Gründen für unrealistisch, dass Leonberg eine eigene Geburtshilfe halten kann, und diese dann auch noch mit städtischen Geldern unterstützt wird. „Der Klinikverbund macht fünf Millionen Euro Verlust – pro Monat!“, erklärt der Fraktionschef Pfitzenmaier. „Die Schulden des Klinikverbundes und die Kosten für den Klinikneubau auf dem Flugfeld wird der Kreis ohnehin über eine Erhöhung der Kreisumlage von der Stadt Leonberg mitbezahlen lassen.“

„Blauäugiger Vorschlag“

Deshalb seien weitere Finanzflüsse nicht vertretbar: „Dass man sich da freiwillig meldet, um zweimal zu bezahlen, ist unverständlich, und zum Stimmenfang für die kommende Kommunalwahl dient dieser blauäugige Vorschlag sicher nicht.“ Sogar die finanzielle Existenz der Stadt sei gefährdet: „Wie sollte Leonberg seine Feuerwehr, die Gebäudesanierungen, seine Bäder, Kindergärten und Schulen finanzieren, wenn freiwillig Millionen für ein nicht mehr funktionierendes Klinikmodell verschenkt würden? Schließungen und Gebührenerhöhungen wären unausweichlich.“

Die Sozialdemokraten möchten mit anderen medizinischen Schwerpunkten das Krankenhaus „langfristig überlebensfähig“. Dazu zählen sie eine geriatrische Abteilung, also Altersmedizin, die der Klinikverbund in Leonberg tatsächlich vorgesehen hat.

Hebammen sollen übernommen werden

„Schwere gynäkologische Erkrankungen“, so sagt Günther Wöhler, „werden schon bisher nach Böblingen verwiesen und die leichteren Eingriffe werden künftig meist ambulant durchgeführt. Das bedeutet zwangsläufig das Aus für die stationäre Gynäkologie. Ohne Gynäkologie ist aber auch der Geburtshilfe die personelle und finanzielle Grundlage entzogen und ein Umzug in die Flugfeldklinik sinnvoll.“

Der hebammengeführte Kreißsaal solle dann in Böblingen weitergeführt werden – mit Übernahme des Leonberger Hebammenteams, wie Wöhler betont. Diese sollten auch in die Planung der Raumkonzeption und Organisation eingebunden werden.

Am Leonberger Krankenhaus solle es dafür ein ambulantes Zentrum geben, „das künftig Schwangerenberatung und Nachbetreuung Neugeborener und ihrer Mütter vor Ort durch Hebammen und Frauenärzte sowie eine kinderärztliche Versorgung sichert.“ Operationen sollten in einem ambulanten Zentrum ebenfalls möglich sein, zudem ein „gynäkologisches, orthopädisches und gefäßchirurgisches Angebot“.

Damit sei „jungen Familien dauerhaft und weit mehr geholfen als mit der finanziellen Beteiligung an einem von der Realität überholten Konzept für die Geburtshilfe“.