Prominente Stimme für den Erhalt: Bischof Gebhard Fürst Foto: dpa

Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, befürwortet die Idee , in dem Wohnhaus des entschiedenen Nazigegners Eugen Bolz eine Gedenkstätte einzurichten. Auch der Verein „Für Demokratie – gegen Vergessen“ wendet sich gegen den geplanten Abriss.

Stuttgart - Die Zahl derjenigen, die eine Erhalt der Villa Bolz befürworten, wächst. Nach Historikern, Politikern, dem Verein Lern- und Gedenkstätte Hotel Silber und dem früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) lässt auch der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart; Gebhard Fürst, durchblicken, dass er es am liebsten sähe, das Gebäude bliebe erhalten und es würde dort eine Gedenkstätte eingerichtet.

Aus der Diözese verlautete, Fürst unterstütze die Haltung Erwin Teufels voll und ganz. Dieser hatte im Interview mit unserer Zeitung erklärt, die Villa am Kriegsbergturm sollte erhalten werden, „weil es das Haus des Staatspräsidenten und Widerstandskämpfers Eugen Bolz (1881–1945) war“.

Künftig sollte es der Allgemeinheit offen stehen. Fürst hebt dabei auf die Argumentation ab, dass die Villa zwar nicht denkmalgeschützt sei, aber eben doch der Ort sei, an dem Eugen Bolz lebte, litt, standhaft bei seiner Haltung blieb und von dem aus er in Haft genommen wurde. So ein Ort sei nicht einfach austauschbar oder durch einen anderen ersetzbar. Erst im Mai hatte die Katholische Kirche ein Seligsprechungsverfahren für den tiefgläubigen Christen und Zentrumspolitiker Bolz eingeleitet, das offenbar auf gutem Weg ist.

Platz für einen Neubau mit exklusiven Eigentumswohnungen?

Wie berichtet, hat ein Wohnungsbauunternehmen die Villa erworben. Sie soll Platz für einen Neubau mit exklusiven Eigentumswohnungen machen. Das Unternehmen bot an, dort mit einer Gedenktafel oder Büste an den früheren württembergischen Staatspräsidenten zu erinnern, der von den Nazis 1945 hingerichtet worden war.

Unterstützung für die Idee einer Gedenkstätte kommt auch von der Sprecherin des Vereins „Für Demokratie – gegen Vergessen“ und früheren SPD-Landtagsabgeordneten Birgit Kipfer. Unserer Zeitung sagte sie, eine Gedenkstätte im Bolz-Haus biete Gelegenheit, „die ganze Persönlichkeit Eugen Bolz“ darzustellen. Die Einrichtung eines solchen Erinnerungs­ortes müsse auch nicht zulasten anderer Gedenkstätten gehen. Erfreulicherweise habe die Landesregierung die Mittel für die Gedenkstättenarbeit in den vergangenen Jahren spürbar erhöht. Auch könne ein Erinnerungsort in der Bolz-Villa mit dem künftigen Lern- und Gedenkort Hotel Silber sinnvoll verknüpft werden.

Der Verein „Für Demokratie – gegen Vergessen“ hatte sich auch für den Erhalt der ehemaligen Gestapo-Zentrale in der Dorotheenstraße starkgemacht. Um in der Villa Bolz eine Gedenkstätte einzurichten, müssten das Land oder die Stadt jedoch erst mal in Besitz der Immobilie kommen. Der jetzige Eigentümer hält an seinen Neubauplänen fest.

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