Foto: Ina Schäfer

Occupy Villa Berg sammelt Vorschläge, wie das historische Gebäude in Zukunft genutzt werden könnte. Dabei soll konstruktiv in der Bürgerschaft nach Lösungen suchen, ohne eine Meinung vorzugeben.

S-Ost - Schlittenfahren im Park, ein Fußballplatz, Low-Budget Filmstudios, ein Café: Kaum eine Idee, die es nicht gibt. An diesem besonders heißen Samstagnachmittag soll die Liste noch weiter verlängert, die Ideen noch weiter ausgebaut werden. An den Treppen vor der Villa Berg hat am Samstag das erste Planungspicknick von Occupy Villa Berg stattgefunden. Seit Wochen sammelt die Gruppe Vorschläge, wie das verfallende historische Gebäude und der umliegende Park im Stuttgarter Osten genutzt werden könnte – sofern das alte Gebäude von der Stadt zurück gekauft wird.

Ursprünglich gab es die Aktion nur im Netz, am vorvergangenen Wochenende erstmals offline, bei der Langen Ost-Nacht. Auch die Anwohner, die umliegenden Vereine und Institutionen, wie etwa ein Seniorenheim, wurden gezielt angeschrieben, angesprochen und einbezogen. „Uns ist es wichtig, alle mit ins Boot zu holen“, sagt Deborah Brinkschulte von Occupy Villa Berg. „Es gibt ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Klar muss man auch akzeptieren, dass manche gar keine neue Nutzung möchten. Für einige Anwohner ist der Park ein Rückzugsort, an dem sie ihre Ruhe haben.“ Gerade deshalb sei der Dialog mit den direkt Betroffenen so wichtig.

Occupy Villa Berg will nicht gegen etwas sein

Die Gruppe selbst indes hält sich mit Vorschlägen und Meinungen zurück. Das ist das oberste Credo: Occupy Villa Berg will nicht gegen etwas sein, nicht gegen einen Investor, nicht gegen die Stadt, sondern konstruktiv in der Bürgerschaft nach Lösungen suchen, ohne eine Meinung vorzugeben.„Wir verstehen uns eher als eine Art Moderator“, sagt Thorsten Puttenat; das Team sammelt die Vorschläge der Bürger und nimmt sie in ein Ergebnisprotokoll auf, das vor den Haushaltsberatungen an die Stadt übergeben werden soll. „Wir möchten Stimmungen und Meinungen sammeln. Die Stadt, das ist nicht nur das Rathaus, das sind auch wir“, sagt er weiter. „Viele kennen den Ort gar nicht genug, wir möchten die Bürger sensibilisieren für ihren Raum und am Ende sollen sie selbst entscheiden, was mit der Villa passiert“, findet auch Deborah Brinkschulte.

Der harte Kern der Gruppe besteht derzeit aus etwa 15 Personen aller Alters- und Berufsgruppen. Thorsten Puttenat etwa ist Musiker, Deborah Brinkschulte arbeitet in einem Stadtplanungsbüro. „Das Zusammenspiel unterschiedlicher Generationen, Berufe und Kulturen ist ein großer Gewinn“, sagt Deborah Brinkschulte. Die Resonanz auf die Aktion sei durchweg positiv; bei der langen Ost-Nacht wurden intensive Gespräche geführt; viele haben eine persönliche Verbindung zur Villa oder zum Park. Auch die Rückendeckung des Bezirksbeirats Ost ist der Gruppe sicher. In der vergangenen Woche ist einer Förderung zugestimmt worden. Denn die Aktionen kosten Geld, ganz zu schweigen von der Zeit, die neben den jeweiligen Berufen investiert wird.

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