Weizenernte in Ägypten: Das Getreide hat in diesem Land eine hohe kulturelle Bedeutung. Foto: dpa

Der Wandel zu besseren Ernten ist aus Sicht des Agrarökonomen Osama Naser El-Din Ahmed möglich, aber nicht einfach. Im Interview erklärt er, auch festgefahrene Traditionen und Mentalitäten seinen ein Hindernis.

Berlin - Osama Naser El-Din Ahmed ist 34 Jahre alt, hat in Kairo studiert und an der Polytechnischen Universität in Barcelona seine Promotion in Agrarökonomie gemacht. Seit 2018 forscht er am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien in Halle/Saale

Herr Ahmed, Sie haben im Nildelta Projekte betreut, bei denen es um neue Anbaumethoden für Weizen ging. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Es hat sich gezeigt, wie schwer es ist, alte Traditionen und Mentalitäten zu ändern. Zunächst hatten nur wenige Bauern Interesse, mitzumachen. Erst als sich zeigte, wie stark der Ertrag wächst, wenn man anders anbaut, machten viel mehr Bauern mit.

Was genau haben Sie beim Anbau geändert?

Wir haben darauf geachtet, dass Dünger oder Pflanzenschutzmittel nur ganz gezielt verwendet werden. Auch mussten die Bauern damit aufhören, Saatgut aus dem Vorjahr mit neuem zu mischen. Denn das würde Ertragssteigerungen mindern. So schafften wir es, dass die Bauern mehr als das Doppelte ernteten. Dieser Erfolg hatte aber eine Voraussetzung. Wir haben den Bauern zugesichert, dass sie zur Erntezeit auf jeden Fall Geld bekommen würden. Hätte sich also das Projekt als Fehlschlag erwiesen, hätten die Bauern trotzdem ein Einkommen für ihre Familien gehabt. Diese Zusicherung war ihnen ganz wichtig, um sich überhaupt auf das Projekt einzulassen.

Mit besseren Weizensorten ist es also nicht getan?

Die sind fraglos wichtig. Aber es muss vieles zusammenkommen, damit am Ende bessere Ernten entstehen. Dazu zählt auch, dass die Ernte erhalten bleibt. In Ägypten etwa, wie in vielen anderen Ländern auch, gehen Ernten verloren, weil sie nicht gelagert werden können oder Kühlmöglichkeiten fehlen. Der letzte Punkt gilt natürlich besonders für Obst oder Gemüse. Dann müssen die Bauern alle versuchen, ihre Ware ganz schnell zu verkaufen. Je mehr das tun, umso mehr sinkt aber der Preis.

Wie lässt sich das ändern?

Die Aufgabe ist riesig. Wir brauchen neue Sorten, bessere Anbaumethoden, eine effizientere Nutzung von Wasser, Dünger oder Pflanzenschutzmitteln, Maßnahmen gegen Ernteverluste und eine Anstrengung, damit neues Wissen von Agrar-Fachleuten die Bauern auch wirklich erreicht. Wichtig ist auch, lange gewachsene Mentalitäten im Blick zu haben. In Ägypten ist es eine Schande für einen Bauern, wenn er keinen Weizen anbaut. Er hat eine hohe kulturelle Bedeutung.

Was ist daran verkehrt?

Erst mal nichts, weil Weizen fraglos ein wichtiges Nahrungsmittel ist. Ihn anzubauen, braucht aber viel Wasser, so wie es bei Reis oder Zuckerrohr auch der Fall ist. Die Bauern könnten viel mehr Geld verdienen, wenn sie grüne Bohnen, Gewürze, Kräuter, Datteln, Sesam oder Hibiskus ernten würden. Diese Produkte liefert Ägypten ja schon an EU-Staaten. Und erzielt dabei Gewinne, die weit über dem Weizenerlös liegen.

Welche Rolle spielen Verträge, die die Regierung Bauern anbietet?

Wenn Bauern bei der Aussaat wissen, welchen Preis sie letztendlich für die Ernte bekommen, stellen sie sich gar nicht die Frage, ob sie weiter Landwirtschaft machen. Sie machen es und bestellen sogar zusätzliche Flächen.

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